Muscheln, lila Wildleder oder exotische Vögel zieren die kurzen Bauwollkleider, ein wenig erinnern sie an farbenprächtige Gemälde. Doch was bei Noh Nee in einem gläsernen Pavillon in einem Schwabinger Hinterhof entsteht, hat in Bayern Tradition. Zumindest der Schnitt. Rahmée Wetterich stammt aus Kamerun, seit mehr als 30 Jahren lebt sie im Freistaat. Wenn die 47-Jährige anfängt zu erzählen, wie gut ihre beiden Heimatländer zusammenpassen, ist es schwer, sie zu bremsen. Dann geht es um die Warmherzigkeit, das Bier und natürlich um Mode. "Ich habe immer etwas gesucht, das mich verkörpert", sagt sie.

Nun entwirft sie mit ihrer Schwester Marie Darouiche Dirndl à l'Africaine, also bayerischer Schnitt, afrikanische Stoffe. Die Idee dazu entstand eher zufällig. Eine Bekannte trug ein Kleid auf dem Straßenfest einer Fraueninitiative, es kam so gut an, dass die Schwestern sofort weitere Aufträge erhielten. Inzwischen sind die nicht ganz billigen und ziemlich exotischen Einzelstücke so begehrt, dass man bei Noh Nee kaum nachkommt mit der Arbeit. Die Oide Wiesn ließ ihre Bedienungen 2011 mit afrikanischen Schürzen ausstatten, bei Lodenfrey sind die Kleider ausverkauft, und auch in Hamburg und Kapstadt werden die Dirndl nun vertrieben. Vielleicht, weil Wetterichs Dirndl eben nicht nur Dirndl sind. "Ich will keinen Designerhype zur Wiesn machen", sagt Wetterich, "sondern vor allem schöne Kleider, die man auch mit Boots kombinieren kann." Schöne Kleider, die das ganze Jahr passen.

12. September 2012, 14:412012-09-12 14:41:54 © SZ vom 12.9.2012/afis