Demonstration "Wir haben Träume, deshalb sind wir nach Deutschland gekommen"

Bei vielen jungen Flüchtlingen geht die Angst um: Rund 500 Demonstranten zogen für ein Recht auf Ausbildung durch die Innenstadt.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Geflüchtete und deutsche Schüler haben gemeinsam mit fast allen Münchner Jugendverbänden gegen das Ausbildungs- und Arbeitsverbot für Flüchtlinge demonstriert.
  • Bayern sei besonders restriktiv bei der Auslegung des Integrationsgesetzes, sagen die Demonstranten.
Von Melanie Staudinger und Jasmin Siebert

"Wir haben Träume", ruft Muhammed ins Megafon, "deshalb sind wir nach Deutschland gekommen". Er steht am Alten Botanischen Garten, gegenüber ist das Luisengymnasium. Für viele Münchner Familien ist es vollkommen normal, dass ihre Kinder Abitur machen, ein Studium absolvieren und dann einen guten Job finden. Bei vielen jungen Flüchtlingen wie Muhammed aus Ghana zum Beispiel, aber geht die Angst um, die Angst alles zu verlieren, was sie sich bisher aufgebaut haben in Deutschland.

Unter dem Motto "Miteinander füreinander" protestierten am Donnerstagnachmittag geflüchtete und deutsche Schüler gemeinsam mit fast allen Münchner Jugendverbänden gegen das Ausbildungs- und Arbeitsverbot für Flüchtlinge. Denn nichts anderes bedeute die besonders restriktive Auslegung des Integrationsgesetzes in Bayern.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen halten Plakate in die Höhe. "Schule für alle ist eine Investition in die Zukunft", steht dort geschrieben. Oder: "Die Menschenwürde sollte unantastbar bleiben." 43500 Ausbildungsplätze in ganz Bayern seien 2016 unbesetzt geblieben, hat eine Gruppe auf ein Plakat gemalt. "Ausbildung statt Abschiebung" fordern andere. Unter den Demonstranten ist auch die SPD-Landtagsabgeordnete Isabell Zacharias. Erst gestern habe sie von dem Protestzug erfahren, der nahe des Hauptbahnhofs beginnt und vor der Ludwig-Maximilians-Universität endet, und schnell ein paar Termine abgesagt, um dabei sein zu können. "Bildung, Ausbildung und Arbeit sind Menschenrechte, die für alle gelten, auch für Geflüchtete", sagt sie. Umso mehr sei sie genervt von der uneinsichtigen Haltung der bayerischen CSU.

Die Idee zu der Demonstration hatte die Schülermitverwaltung der Berufsschule zur Berufsintegration an der Balanstraße. Mit dem Bündnis für junge Geflüchtete organisierte sie den Demonstrationszug. Denn die jungen Leute wollen sich nicht mehr nur ihrem Schicksal ergeben, sondern aktiv um ihre Zukunft kämpfen - gemeinsam mit vielen Jugendlichen aus München. "Das sollte der bayerischen CSU-Regierung zu denken und vor allem Anstoß zum Handeln geben", sagt Bettina Raum, Sprecherin vom jungen Bündnis für Geflüchtete. Die jungen Menschen jedenfalls seien sich einig: "Wir unterstützen Integration."