Daherkomma:In der Ski-Gondel dem Großstadtstress entkommen

Daherkomma: In der Gondelstadion des Daherkomma am Herkomerplatz kann man auch Käsefondue Essen.

In der Gondelstadion des Daherkomma am Herkomerplatz kann man auch Käsefondue Essen.

(Foto: Catherina Hess)

Das "Daherkomma" in Bogenhausen ist eine lauschige Drink-Insel, ideal zum Runterkommen nach der Arbeit oder für ein romantisches Dinner. Nur bei der Bedienung braucht es Geduld.

Von Philipp Crone

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es nicht mehr.

Wenn man bei einem Spritz zu lauwarmer Loungemusik in ein Kissen gelehnt bei Wohnzimmertemperaturen dem Münchner Feierabendverkehr und seinen hektischen Protagonisten zusehen kann, trägt das sehr zur eigenen Entspannung bei. Insofern ist das "Daherkomma", das ehemalige Toilettenhäuschen am Herkomerplatz, ein geeigneter Ort, um sich von dem zu erholen, was man durch die Scheiben in seiner reinsten Form sieht: den täglichen Großstadtstress.

Der Gast kann dabei wählen, ob er in einem wirklich winzigen Glaskubus sitzen möchte, wofür vor der Bar ein paar ausrangierte Ski-Gondeln stehen, oder doch in einem etwas Größeren, mit den Maßen einer alpinen Hütte. Und so wie auf dem Berg ist das Ambiente auch gehalten. Holz wo man hinsieht, auch an den Wänden. Wobei es kaum Wände gibt, hauptsächlich Glasfassaden. Und so schauen die beiden jungen Damen mit je einem Spritz (9,50 Euro) zur blauen Stunde den Verkehr von der Oberföhringer bis runter zur Montgelasstraße an, während draußen in Kabine eins eine Familie noch beim Kaffee sitzt. Die Gondeln sind beheizt und mit kleinen Tischen ausgestattet. Wer also eine in München einzigartige Umgebung für ein romantisches Dinner sucht, wird hier fündig. Dazu ist die Karte, ob Getränke oder Speisen, auch den Bergbedürfnissen einer Hütte angepasst: Geschnetzeltes (9,50) oder Gnocchi (8,50), eher deftig als raffiniert.

Und so sitzt der Gast auf einer leicht von der Stadt entrückten Insel, hat vielleicht gerade die mechanischen Türen einer Gondel geöffnet, sich drinnen in die gut geheizte Kleinkabine gehockt, und blickt nun raus. Hier lässt es sich sitzen, eher gefühlig zweisam als krachledern in Männer- oder Frauenrunden. Und ein bisschen Geduld braucht es auch und Ablenkung durch die Aussicht. Denn das Personal hält es auch eher mit dem robusten Hüttenumgang. Duzige Ansprache und auch Geduld beim Bedienen, aber vielleicht gehört das zum Konzept, dass man zunächst den Gast die Eindrücke genießen lässt, ehe man ihm den feinen Moscow Mule (9,50) oder einen gut gemischten Hugo (6,90) serviert.

Daherkomma: Wer keine Ski-Gondeln mag, kann im "Daherkomma" auch drinnen sitzen.

Wer keine Ski-Gondeln mag, kann im "Daherkomma" auch drinnen sitzen.

(Foto: Robert Haas)

Ob Schoko-Trüffeltorte mit einem feinen Wiener Meinl-Espresso am Nachmittag oder einem Fleischpflanzerl-Hauptgericht samt Hofbräu-Weißbier am Abend in einer Gondel, die leicht wurschtige österreichische Art wird hier gelebt und tut gut in all der Hektik. Und am Ende verlässt man mit einem "Küss die Hand" die Insel wieder.

© SZ vom 25.11.2016/eca
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