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Dachau:Widerstand gegen drittes Windrad

Die Pläne der Stadtwerke Dachau für eine weitere Anlage in Pellheim stoßen auf massive Kritik und das nicht nur bei Anwohnern.

Kaum sind die Pläne der Dachauer Stadtwerke für ein Windrad im Norden der Stadt bekannt, regt sich Widerstand. Bürger aus dem Dachauer Ortsteil Pellheim sind sauer, dass sich mit der geplanten Anlage das dritte Windrad rund um ihr Dorf drehen würde. Auch Bürgermeister der angrenzenden Nachbargemeinden reagieren überrascht. Sie haben erst aus der Zeitung vom Projekt erfahren. Eine vorherige Information hätte sich gehört, findet Hebertshausens Rathauschef Richard Reischl (CSU). "Schließlich geht es nicht um ein Gartenhäusl." Richtig verärgert ist der Röhrmooser Bürgermeister Dieter Kugler (CSU). "Wir sind stärker betroffen als Dachau selbst." Denn das geplante Windrad soll im Sigmertshausener Holz stehen. Dieses Wäldchen liegt auf Dachauer Stadtgebiet, doch wie der Name ahnen lässt, liegt der Röhrmooser Ortsteil Sigmertshausen mit seinen 700 Einwohnern ganz nah. Seinem Gemeinderat will Kugler deshalb empfehlen, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um das Windrad an diesem Standort zu verhindern. "Wir müssen die Interessen unserer Bürger wahren."

Einige Röhrmooser glauben immer noch an einen Faschingsscherz, erzählt Bürgermeister Kugler, weil das Projekt am Unsinnigen Donnerstag beschlossen wurde, ohne Vorabinfo an die Nachbarn. Doch natürlich haben die Dachauer Stadtwerke sich keinen Witz erlaubt, sondern planen tatsächlich ein 230 Meter hohes Windrad am nördlichen Stadtrand. Die Wahl des Standorts findet Kugler unglücklich. Ans äußerste Ende eines Ortsgebiets kommen in der Regel Negativeinrichtungen. "Damit wird der Windkraft ein schlechtes Image zugeschustert, das ist ein falsches Signal." Und es werden Bürger der Nachbargemeinde stärker belastet als die eigenen Einwohner. Denn nur wenige kleine Ortsteile von Dachau liegen ähnlich nah am Windkraftstandort wie Sigmertshausen. "Die Stadt wird doch noch andere Flächen haben." Da müsse man nicht beim Nachbarn vor der Haustür bauen, sagt Kugler.

"Wir wurden kalt getroffen"

Hebertshausens Bürgermeister Reischl ärgert die fehlende Kommunikation. "Wir wurden kalt getroffen." Sachlich sieht Reischl das Vorhaben eher unproblematisch. Einzig Oberweilbach liege mit 1,5 Kilometer Distanz recht nah zum Windrad. Hebertshausen werde jedenfalls "keine Rechtsmittel einlegen." In Ruhe auf sich zukommen lassen will auch Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner (FW) die Sache. Von seinen Bürgern wurde noch keine Kritik laut. Deshalb will er das Thema erst einmal im Gemeinderat diskutieren. Da die geplante Anlage der Stadtwerke die gesetzliche 10-H-Regelung nicht einhält, wonach ein Abstand von 2,3 Kilometern zur nächsten Siedlung Vorschrift wäre, muss die Stadt ein Bebauungsplanverfahren durchführen. Darin werden die angrenzenden Kommunen um ihre Stellungnahme gebeten. Verhindern können sie das Vorhaben im Rahmen des Planungsprozesses aber nicht. Ihre Zustimmung ist für die Genehmigung nicht zwingend erforderlich. Deshalb will sich Bürgermeister Kugler juristischen Beistand holen.

Auch in Dachau regt sich Widerspruch. Als direkter Anrainer ist Landwirt Gerhard Kreitmair aus Viehhausen alles andere als begeistert von der Idee, dass sich 800 Meter vor seinem Hof demnächst ein riesiges Windrad drehen soll. Für seinen idyllisch gelegenen Einödhof fürchtet er Lärm und Schlagschatten. Auch Kreitmair will sich juristisch beraten lassen. Doch Widerstand gegen das Projekt, das ahnt er bereits, kosten ihn "Nerven und Geld". Unmut regt sich auch in Pellheim. Im Süden des Dorfs drehen sich mit dem Windrad der Ziegelei Hörl in Webling und der Anlage von Landwirt Gasteiger in Etzenhausen bereits zwei Windräder. Mit dem Projekt der Stadtwerke käme das dritte hinzu - in einem Abstand von gut einem Kilometer zum Dorf. "Die Pellheimer sind vor den Kopf gestoßen", sagt Guido Metz. "Pellheim wird zur Rumpelkammer Dachaus."

Das Konzept

Das Windrad, das die Dachauer Stadtwerke nach dem Willen des Stadtrats am nördlichen Stadtrand bauen sollen, wird eine Höhe von 230 Metern haben. Geplant ist die Anlage mit einer Leistung von 3300 Kilowatt und einem Windertrag von etwa 7,7 Millionen Kilowattstunden jährlich. 2000 Vier-Personen-Haushalte könnten so mit elektrischer Energie aus Wind versorgt werden. Bürger sollen sich am Projekt finanziell beteiligen können, eine Kooperation mit der Dachauer Bürgerstrom-Genossenschaft ist dafür geplant. pes

Über das Windrad werden die Anwohner wohl auch bei der Bürgerversammlung diskutieren, die am Montag, 6. März in Pellheim stattfindet, Gasthof Liegsalz, Dorfstraße 4. Beginn 19.30 Uhr.