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SZ-Adventskalender:Wenn der Alltag zur Last wird

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Eltern mit kranken oder behinderten Kindern stehen tagtäglich vor kaum zu bewältigenden Herausforderungen und geraten rasch auch noch in finanzielle Not. Die SZ-Leser helfen mit ihren Spenden

Mit einem fröhlichen Lächeln kommt Christine Meier (alle Namen geändert) herein, den kleinen Max auf dem Arm. Ohne große Umschweife erzählt die 37-jährige Frau, die zupackend und energiegeladen wirkt, wie sie diesen Sommer regelrecht zusammengebrochen ist. "Alles wurde mir zu viel." Überfordert fühlte sich die vierfache Mutter von all den Aufgaben, die sie tagtäglich zu bewältigen hat. Da ist die Betreuung des zehnjährigen Fynn, der körperlich und geistig behindert ist. Gedanken macht sie sich auch um dessen Zwillingsschwester Lisa, die zwar gesund ist, aber besonderer Fürsorge bedarf. Aufmerksamkeit braucht der zweijährige Max aber ebenso wie Katharina, ihre Älteste, die viel zu oft wegen der Geschwister zurückstecken musste. Und dann ist da noch die eigene Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist und Tag für Tag mehr Unterstützung braucht. Wie im Hamsterrad fühlte sich Christine Meier "Ich konnte einfach nicht mehr."

Allen gerecht zu werden, das bedeutet für Christine Meier einen täglichen Marathon. Der Tag beginnt früh, kurz nach sieben Uhr wird Fynn schon vom Schulbus abgeholt. Davor heißt es waschen, anziehen, kämmen, Zähne putzen, frühstücken. "Kinder mit Handicap brauchen mehr Zeit", erklärt Christine Meier, die als ausgebildete Pflegehelferin auch einen professionellen Blick auf die Abläufe in ihrer Familie hat. Als extreme Frühgeburt wurden ihre Zwillinge damals in der 25. Schwangerschaftswoche geboren - "an der Überlebensgrenze". Während Lisa die vier Monate im Brutkasten gut überstanden hat, erlitt Fynn eine Gehirnblutung, kann daher eine Körperhälfte nur eingeschränkt bewegen, ist geistig behindert. Dazu kommt die aufwendige Betreuung der eigenen Mutter, die zur Körperpflege oder zum Essen angeleitet werden muss. "Ich als älteste Tochter bin da gefordert." Dass sie ihre behinderte Nichte noch tageweise betreut, erwähnt Christine Meier nur nebenbei.

Die vierfache Mutter will allen individuell gerecht werden. Sie steht vor einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Erst recht, wenn Geldsorgen dazu kommen. Ihren Beruf musste sie aufgeben, doch als sechsköpfige Familie mit nur einem Verdienst über die Runden zu kommen, ist schwierig. Jede Sonderausgabe bringt das Budget ins Wanke wie vergangenes Jahr, als Lisa ins Schullandheim fahren sollte und Katharina gleichzeitig ins Skilager. Da bat Christine Meier bei der Familienberatungsstelle im Landratsamt Dachau um Hilfe. Fast 500 Euro Reisekosten für beiden Mädchen hätten die Eltern so rasch nicht zahlen können.

Die Situation von Familie Meier ist im Landkreis kein Einzelfall, betont Susann Haack-Georgius, Leiterin der Familienberatungsstelle. Wo Eltern kranke oder behinderte Kinder betreuen, wird die finanzielle Lage "oft zum Desaster." Nicht nur teure Wohnungsumbauten oder individuell angepasste Hilfsmittel reißen ein tiefes Loch in die Haushaltskasse. "Das fängt bei einfachen Dingen schon an", sagt Haak-Georgius. So würden Brillen für Kinder formal von der Krankenkasse finanziert. Doch an der Schultafel lesen können die Kleinen nur mit entspiegelten Gläsern und die kosten einen Aufpreis. "Schnell sind Eltern mit 100 oder 150 Euro dabei."

Zusätzlich fordern Schulen neuerdings oft separate Sportbrillen für den Turnunterricht, für die Eltern noch mal ins Portemonnaie greifen müssen. Die Folge: Abgesehen von wenigen Topverdienern sei finanzielle Not der gesellschaftliche Normalzustand für Eltern mit behinderten oder chronisch kranken Kinder wie auch für kinderreiche Familien, sagt Haak-Georgius. Zudem fühlten sich Eltern permanent unter Druck. "Denn man muss mitspielen, sonst werden die Kinder benachteiligt."

Auch Christine Meier sorgt sich, dass ihre Kinder ausgegrenzt werden könnten. "Denn sie müssen wahnsinnig viel zurückstecken." Wenn Mitschüler sich am Schulkiosk einen Schokoriegel kaufen, fehlt Lisa das Geld. "Katharinas Freundinnen fahren in die Stadt zum Shoppen, das geht bei uns einfach nicht". Auch kostengünstige Angebote kann sich die Familie kaum leisten. Nach ihrem Zusammenbruch im Sommer riet der Hausarzt zu einer Mutter-Kind-Kur, die von der Krankenkasse prompt genehmigt wurde. Bald soll es losgehen: "Aber ich weiß nicht, wo ich die 210 Euro für die Zuzahlung hernehmen soll." Die Frauen- und Familienberatungsstelle hilft erneut. Das Geld stammt aus einem Spendentopf, der jedes Jahr auch mit Mitteln aus dem SZ-Adventskalender gefüllt wird. Aber Fynn und Max, die ihre Mutter zur Kur begleiten, benötigen noch warme Wintersachen und Sportkleidung für die Therapien. Mit einem kleinen Taschengeld könnte die Mutter sich in der Kur vielleicht einmal einen Café-Besuch leisten. Ein Vorschlag, der sie dann doch überrascht. "Für mich Geld auszugeben, das kenne ich gar nicht."