SZ-Adventskalender:Klavier? Ich?

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SZ-Adventskalender: Klappt sogar schon vierhändig. Ruth Rohse kann sehr zufrieden sein mit ihren Schülern Marcus Löser und Eldar Cazac.

Klappt sogar schon vierhändig. Ruth Rohse kann sehr zufrieden sein mit ihren Schülern Marcus Löser und Eldar Cazac.

(Foto: Toni Heigl)

Mit Klassikkonzerten motiviert "Musik für Schüler" Kinder und Jugendliche der Indersdorfer Mittelschule, selbst ein Instrument zu erlernen oder zu singen. Mit Erfolg. Der SZ-Adventskalender unterstützt das Projekt

Von Jacqueline Lang

Ganz egal ob Klassiker wie "Für Elise" oder eher moderne Stücke wie der Titelsong des Videospiels "Angry Birds" - Hauptsache, die Musik berührt. Doch damit Jugendliche ein Gefühl für unterschiedliche Arten von Musik entwickeln können, bedarf es entsprechender Zugänge. Denn längst nicht in jeder Wohnung steht ein Klavier, längst nicht in jeder Familie sind Besuche von Konzerten Teil der Freizeit. Nicht immer fehlt es dabei nur am Geld. Es fehlt den Eltern oft auch an Zeit und eigenen Berührungspunkten. Genau hier will das Projekt "Musik für Schüler" der Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation ansetzen. Seit 2019 werden über die Stiftung, die vom SZ-Adventskalender für gute Zwecke unterstützt wird, auch an der Mittelschule Markt Indersdorf Klavierstunden und Chorproben angeboten. Trotz der durch die Pandemie erschwerte Umsetzung des Projekts zeigt sich: Die Musik hat ihre Spuren hinterlassen.

Seit nunmehr drei Jahren geben professionelle Musikerinnen und Musiker für die fünften Klassen zu Beginn eines jeden Schuljahres ein Konzert an der Indersdorfer Mittelschule. Das solle, so sagt Laurentius Dreßel, Lehrer und Leiter des Projekts, "die Begeisterung für klassische Musik wecken". Wer mag, hat im Anschluss die Möglichkeit, entweder bei Christianne Braun-Breuer im Chor zu singen oder Klavierunterricht bei Ruth Rohse zu nehmen. Natürlich lassen sich längst nicht alle langfristig dafür begeistern, ein Instrument zu lernen oder zu singen, doch Stiftung wie Lehrkräften geht es um jeden einzelnen Mittelschüler, jede einzelne Mittelschülerin. Warum es wichtig ist, gerade diese Schulform und Jugendliche, die sie besuchen, zu fördern? "Sonst gehen die Mittelschulen fast immer leer aus", sagt Dreßel.

Eldar Cazac geht mittlerweile in die 8. Klasse. Vor drei Jahren gehörte er zu den Ersten, die bei Rohse eine Klavierschnupperstunde genommen haben. Wenn man dem heute 14-Jährigen zusieht, wie er mittlerweile ganz selbstverständlich auf dem Klavierhocker im Musikraum Platz nimmt und ohne großes Nachdenken die Titelmusik von "Requiem for a Dream" spielt, kann man nicht umhin, sich als Zuhörerin zu freuen, dass dieser Junge die Möglichkeit bekommen hat, sein Talent zu entdecken.

Ohne das Projekt "Musik für Schüler" wäre Eldar wohl nie auf die Idee gekommen, Klavierunterricht zu nehmen. Und nicht nur das, ohne Rohse, Dreßel und die Stiftung hätte Eldar wahrscheinlich auch noch kein Klavier, an dem er zuhause üben kann. Gerade im Lockdown und mit zwischenzeitlich nur möglichem Online-Unterricht sei das Gold wert gewesen, sagt seine Klavierlehrerin. Sie lobt, wie äußerst "unbürokratisch" alles abgelaufen sei. "Das ging wirklich alles sehr schnell."

Die Stiftung unterstützt finanziell, vor allem aber geht es ihr darum, musikalisches Interesse zu fördern. Das tut sie auch im Fall des zwölfjährigen Marcus Löser. Der Sechstklässler hat ebenfalls in der fünften Klasse mit dem Unterricht bei Rohse angefangen, schon jetzt kann er den Soundtrack von "Star Wars" fehlerfrei spielen und ist mit großem Eifer bei der Sache. Finanzielle Unterstützung hat er nicht gebraucht, ein Klavier gab es bei ihm daheim schon vor dem Unterricht. Eldar und Marcus, sie unterscheiden sich auf den ersten Blick in vielerlei Hinsicht, doch in der Begeisterung für das Tasteninstrument sind die beiden vereint - und das ist, was zählt.

Klavierunterricht, im Einzelunterricht oder zeitweise auch online, das lässt sich auch unter den geltenden Corona-Auflagen relativ gut umsetzen. Der etwa 15-köpfige Chor indes muss nun schon wieder pausieren, an neuen Digitalangeboten feilt Chorleiterin Braun-Breuer gerade. Die sich ständig verändernden Regelungen hätten die Chorplanung zusätzlich erschwert, so Projektleiter Dreßel. Und obwohl er größtes Verständnis für die Corona-Maßnahmen hat, gibt er zu, dass die Pandemie den Erfolg des an der Indersdorfer Mittelschule noch relativ jungen Projekts etwas ausgebremst hat. Schließlich seien die Konzerte nur in kleineren Gruppen möglich gewesen, auch die Möglichkeit für Eldar und Marcus, vor Klassenkameradinnen und Klassenkameraden zu spielen, sei nur eingeschränkt da gewesen. Außerdem sei man "schon voll in der Planung" gewesen für ein weiteres Projekt der Stiftung, das sich "Musik am Nachmittag" nennt. Die Idee dahinter: Kinder und Jugendliche besuchen Menschen in Alten- und Pflegeheimen und singen für sie Volkslieder. Bis es zu dieser Art des gelebten Generationenaustausches kommen kann, werden allerdings wohl noch ein paar Monate ins Land ziehen. Dreßel kann nur hoffen, dass die Chorkinder bis dahin nicht das Interesse verloren haben.

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Natürlich gibt es neben der Pandemie auch noch andere Gründe, warum Kinder sich nicht dauerhaft für das Singen im Chor oder das Spielen eines Instruments begeistern lassen. Für Rohse geht es aber ohnehin vor allem um das Schaffen eines "Erfahrungsraum", in dem es anders als im regulären Schulunterricht zunächst kein "richtig oder falsch gibt". Selbst jene, die nur mal reingeschnuppert hätten, würden sich, da ist sie sich sicher, noch an die Schnupperstunden erinnern und mit ihnen an die Musik.

Vor allem Schüler wie Eldar sind für sie aber der Beweis dafür, dass die Kraft der Musik weit über den Musikraum hinaus reicht. Der Achtklässler sei gerade am Anfang sehr schüchtern gewesen, habe sich nicht getraut, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Mittlerweile sei er Klassensprecher und ein selbstbewusster Junge mit tollen kognitiven Fähigkeiten. Selbstverständlich sei das nicht allein ihrem Unterricht zu verdanken, so Rohse, aber die Musik erfordere eben doch das Lernen mit allen Sinnen und wer diese Erfahrung mache, "der wächst über sich hinaus". Die Stiftung, die Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung alljährlich mit großen und kleinen Spenden unterstützen, machtgenau das möglich: dass Jugendliche wie Eldar und Marcus diese Erfahrung machen und dabei so viel mehr als nur etwas über Mozart und Bach lernen können.

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