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Sozialer Wohnungsbau:Klein, aber fein

Die Wohnungen am südlichen Stadtrand sind acht von insgesamt 1334 städtischen Wohnungen mit günstigen Mieten.

(Foto: Toni Heigl)

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat in eineinhalb Jahren acht Sozialwohnungen gebaut. Bewohner zahlen zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter

Von Petra Schafflik, Dachau

Noch sägen Handwerker große Spanplatten zurecht, schrauben sie als provisorische Sicherung an die Balkonbrüstungen. Die geplante Lochblechverkleidung wurde nicht rechtzeitig geliefert, auch Mülltonnen- und Fahrradhäuschen fehlen, das Klingelbord ist ein Provisorium. Doch während Stadtbau-Chef Hendrik Röttgermann sich ein wenig ärgert, dass am Gebäude noch nicht alles perfekt ist zur Wohnungsübergabe, finden die künftigen Bewohner nur lobende Worte über ihr künftiges Domizil. Das ist ein Neubau mit acht Sozialwohnungen an der Josef-Effner-Straße, der am Donnerstag mit einem kleinen Festakt offiziell eingeweiht wurde.

"Es ist wirklich toll, dass wir hier einziehen können", sagt eine junge Frau, die so wie einige ihrer künftigen Nachbarn zur Feier gekommen ist. Derweil charakterisiert Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) das Projekt mit den hellen, funktionalen und durchdacht geplanten Wohnungen in einer ruhigen Siedlung in Dachau-Süd als "klein, aber fein". Der Neubau mit Sozialwohnungen konnte mit einer Bauzeit von eineinhalb Jahren von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau zügig realisiert werden, weil schon Baurecht bestand für das kleine Grundstück am südlichen Stadtrand. Denn im dortigen Wohngebiet sind in den 1980er Jahren zahlreiche städtische Sozialwohnungen wie auch soziale Eigentumswohnungen und Häuser entstanden. Allerdings datiert der Bebauungsplan von 1979, was sich für Architektin Birgit Zehrer durchaus als Herausforderung erwiesen habe, betonte Stadtbau-Chef Röttgermann. Der Bau atme nun mit steilem Satteldach und Gauben "den Geist der 80er-Jahre". Dennoch sei es gelungen, in der traditionell wirkenden Gebäudehülle einen modernen Kern zu realisieren: So ist das Haus barrierefrei, ein Aufzug führt vom Keller bis in die oberste Etage. Im Erdgeschoss gibt es Mietergärten, darüber Balkone, für Fahrräder ist ein Unterstand vorgesehen und hinter dem Haus liegt ein schöner Spielplatz. Auch umwelttechnisch ist das Haus auf dem neuesten Stand, geheizt wird mit einer Luftwärmepumpe plus unterstützendem Gaskessel. Mit Miete beträgt je nach Einkommen der Bewohner zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter.

Bei der Einweihungsfeier steht voller Vorfreude auch Demil Zakholy in der Musterwohnung. Gemeinsam mit ihrem Mann und den beiden Söhnen wird sie im ersten Stock einziehen. "Wir sind wirklich sehr froh", sagt die junge Mutter. Denn vier Jahre haben sie in einer Notunterkunft gelebt, mussten mit anderen Bewohnern Toilette und Bad teilen. Umso größer die Freude, dass es jetzt klappt mit dem Umzug. "Bei der Stadt möchte ich mich wirklich bedanken." Glücklich sind auch ihre künftigen Nachbarn, die bisher zu viert in einem einzigen Zimmer gelebt haben. Als Schichtarbeiter freut sich der Familienvater auf mehr Ruhe und darüber, dass seine Kinder nun mehr Platz zum Spielen haben. "Wir werden so schnell wie möglich den Umzug durchziehen." Alle haben das Ziel, Weihnachten schon in den neuen vier Wänden zu feiern.

Der jetzt eingeweihte Neubau mit acht Sozialwohnungen mag als Tropfen auf den heißen Stein wirken angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum in der Stadt. Doch tatsächlich verwalte die Stadtbau 1334 städtische Wohnungen, die mit Mieten von durchschnittlich 5,90 Euro deutlich unter dem Marktniveau vermietet werden, erklärte Oberbürgermeister Hartmann.

© SZ vom 30.11.2019

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