Röhrmoos Tanz um die Mitte

Seit 20 Jahren ringt Röhrmoos um ein neues Ortszentrum. Immer noch sind viele Fragen offen. Aber nun muss im Gemeinderat alles ganz schnell gehen.

Von Wolfgang Eitler

Nachdem Bürgermeister Hans Lingl (Freie Wähler) die Pläne einer Ortsmitte in ausschließlich internen Sitzungen des Gemeinderats vorangetrieben hat, wäre es auf der ersten öffentlichen Beratung am Dienstagabend beinahe zum Eklat gekommen. Lingl scheiterte mit seinem Vorschlag, dem einzigen, der überhaupt beraten wurde. Mitten in das teils bestürzte Schweigen hinein gelang dem Münchner Rechtsanwalt Walter Labbé ein Kompromiss. Daraufhin sprach sich der Gemeinderat einstimmig für eine Ortsmitte aus, tritt aber in wesentlichen Punkten nochmals in Verhandlungen ein.

Bürgermeister Hans Lingl vor dem Areal, auf dem das Röhrmooser Ortszentrum geplant ist.

(Foto: DAH)

Unter Tagesordnungspunkt 9, dem letzten am Dienstagabend, stand: "Information über die "Vorstudie ,Ortsmitte Röhrmoos'". Als allerdings mit dem Münchner Rechtsanwalt Walter Labbé der offizielle Vertreter der Eigentümer dieses großen Areals mitten in Röhrmoos auftrat, war klar, dass es am Dienstagabend um mehr ging. Labbé forderte den Gemeinderat auf, definitiv zu entscheiden, "ob Sie eine Ortsmitte wollen". Bürgermeister Lingl schloss sich dieser Vorgabe an: "Es geht heute wirklich um eine Grundsatzentscheidung."

Seit 1990 diskutiert der Gemeinderat über eine Ortsmitte direkt am Rathaus. 1992 fand ein städtebaulicher Wettbewerb statt. Die Eigentümer blockierten. Seit einem Jahr hat sich unter der Besitzerfamilie eine Einigung abgezeichnet. Die wurde am Dienstagabend definitiv verkündet. Damit schien die entscheidende Hürde überwunden zu sein.

Aber in der einstündigen Sitzung endete die Abstimmung über ein grundsätzliches Votum mit einem Patt. Die CSU stimmte geschlossen dagegen, unterstützt von Josef Schmid und Anton Dürr (beide Freie Wähler). Damit war die geforderte Grundsatzentscheidung abgewiesen. Lingl sagte sichtlich betreten: "Das ist sehr bedauerlich, damit sind wir wieder an der Stelle Null angelangt." Volker Nist, der wie Lingl den Freien Wähler angehört, hatte den Stimmungswandel registriert. Deshalb hatte er zuvor noch angeregt, auf eine Entscheidung zu verzichten und die Problempunkte der Vorstudie ohne Zeitdruck zu klären. Darauf reagierte Rechtsanwalt Labbé mit dem Vorschlag, ein grundsätzliches Votum für die Ortsmitte unter den Vorbehalt neuer Beratungen zu stellen. Er wurde einstimmig angenommen.

Die Vorstudie für eine Ortsmitte sieht einen Kreisel auf der Kreisstraße DAH3 vor, der das Zentrum künftig erschließt. Diese Lösung birgt aus Sicht des Planers Eberhard von Angerer aus München mehrere Vorteile. "Die Blumenstraße würde östlich der heutigen Sparkasse in die DAH3 einmünden. Dadurch entstünde ein Areal, das beide Seiten der Kreisstraße zu einem in sich geschlossenen Bereich gestaltet. Der würde vom Rathaus auf der nördlichen Seite bis zu dem Geschäftshaus mit Metzgerei und Apotheke auf der südlichen reichen. Die Sparkasse würde dann direkt an der Kreisstraße neu bauen. Allerdings müsste die bisherige Zubringerstraße an den S-Bahnhof zum Kreisel verschwenkt werden. Der Verkehr mit etwa 2000 Fahrzeugen täglich würde also durch eine künftige Ortsmitte geführt werden müssen.

Die CSU hatte große Bedenken. Volker Nist schlug vor, die Bahnhofstraße als Einbahnstraße Richtung Großinzemoos zu erhalten. Aber Bürgermeister Lingl war skeptisch. Denn verantwortlich für das Verkehrskonzept ist der Landkreis, der auch die Hälfte der Umbaumaßnahmen zahlen würde. Unter der Voraussetzung einer Verbesserung des Verkehrs. Die bestehende Kreuzung gilt als Unfallschwerpunkt im Landkreis.