Bürgerdialog Lebhafte Diskussion über Radschnellwege

Das Thema Radschnellwege stößt auf großes Interesse.

(Foto: Toni Heigl)

Der Bürgerdialog zum Thema Radschnellwege im Landkreis Dachau endet in einer kontroversen Verkehrsdebatte.

Von Julia Putzger, Dachau

Lange schlanke Beine, kurze Hose, verwegener Blick über die Lenkstange - vor rund 40 Jahren war Fahrradfahren laut Mobilitätsexperte Heiner Monheim das Symbol für Jugendlichkeit, Modernität und Unabhängigkeit. Eine Titelseite des Stern belegt dies. Eine solche Werbung, ein solches Image würde sich Monheim wieder wünschen. Die Leute müssten mit Kopf und Herz angesprochen werden. Nur mit gezielter Werbung könne man die Attraktivität des Radfahrens steigern, meint er.

Beim Bürgerdialog im Adolf-Hölzel-Haus in Dachau erinnerte er kurz an früher. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte das Rad den Verkehr. Pendler Spediteure und Hausfrauen schwangen sich auf den Sattel, wenn sie wohin wollten. Ein Auto konnte sich seinerzeit kaum jemand leisten. Heute ist das anders. Heute gilt es, das Rad als Alternative wieder attraktiv zu machen.

Der Radverkehr im Landkreis Dachau habe Potential, meint der Experte

Zentrales Thema dieser Debatte ist das Radverkehrsnetz im Landkreis, speziell auch der Bau von Radschnellwegen. "Wenn man über die Zukunft redet, muss man aber auch wissen, was zuvor passiert ist", sagte er.

Mobilitätsexperte Heiner Monheim will die Attraktivität des Radverkehrs steigern.

(Foto: Toni Heigl)

Bevor Monheim sich zur Veranstaltung einfand, verschaffte er sich mit seinem Klapprad einen Überblick über die Situation in Dachau und kam zu dem Schluss, dass die bereits vorhandene Infrastruktur durchaus Potenzial habe. Natürlich müsse man langfristig denken, kurzfristig sei aber beispielsweise das Konzept von sogenannten Fahrradstraßen erfolgversprechend, gab der Experte zu bedenken. Dazu werden Nebenstraßen mit Tempo 30 als Fahrradstraßen beschildert. Radfahrer haben dort dieselben Rechte wie auf speziell für sie ausgewiesenen Radwegen. Autos dürfen die Straße aber weiterhin benutzen, müssen aber aufpassen. So könne man schnell ein attraktives Netz schaffen, erklärte Monheim Landrat Stefan Löwl.

Kommt ein Radschnellweg von München über Karlsfeld nach Dachau?

Mit der konkreten Planung der Radinfrastruktur im Landkreis beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr auch das Büro Topplan. Eva Mast gab Einblick in den bisherigen Projektverlauf: Man habe sämtliche Strecken im Landkreis abgefahren und dabei Zustand, mögliche Gefahrenstellen, Lücken und Ausbaupotenziale dokumentiert. In den nächsten Monaten sollen 4000 neue Wegweiser angebracht werden, im Abschlussbericht werde man weitere Handlungsvorschläge liefern, unter anderem konkrete Vorschläge zum Routenausbau.

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Noch ganz am Beginn des Projekts stehen hingegen die Planerinnen der Münchner Radschnellwege. Ein solcher soll irgendwann von Dachau über Karlsfeld in die Münchner Innenstadt führen. Svenja Schreiber vom Planungsbüro Inovaplan und Sabrina Perlitius von der auf Radverkehr spezialisierten Planungsgesellschaft PGV-Alrutz erklärten dem Publikum im gut gefüllten Adolf-Hölzel-Haus die Besonderheiten der Radschnellwege. Diese sollten durch eine Fahrbahnbreite von vier Metern die Verkehrssicherheit von Radfahrern erhöhen, durch Vorrangregeln, Brücken oder Unterführungen die Kreuzungen schnell passierbar machen und somit zügiges Vorankommen sichern. Mindestens 2000 Fahrradfahrer sollen die "Premiumradwege" täglich nutzen, die laut Perlitius aber keine "Radautobahnen" sind: "Autobahnen sind fernab. Damit aber auch Abschnitte der Radschnellwege genutzt werden, müssen sie zentral verlaufen und brauchen Zuwege."

Lebhafte Diskussion über Radschnellwege

In der an die Vorträge anschließenden Diskussion ging es heiß her. Während die einen forderten, dass man beim Bau der Radschnellwege besonders an Kreuzungen keine Kompromisse eingehen dürfe, wetterten andere dagegen. Monheim schlug einen Mittelweg vor: Auf leisen Sohlen müsse man sich den Zielen nähern, andernfalls scheitere man sofort, warnte er die Hardliner. Er sagte aber auch, ein Radschnellweg müsse trotz allem natürlich halten, was er verspreche.

Ein Schwabhausener dagegen erinnerte, dass man sich nicht nur auf die Radschnellwege konzentrieren solle. Wichtiger ist ihm, dass man im ganzen Landkreis Dachau ein belastbares Netz schafft, das alle nutzen können. Auch über das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern war man sich nicht einig. Dass dringend etwas für den Radverkehr getan werden muss, war jedoch allen klar.

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