Prozess "Drang nach Sexualität"

Doppelmord: Polizistin nennt Beweggründe des Angeklagten

Von Andreas Salch, München/Petershausen

In dem Prozess um den Mord an zwei Frauen in Petershausen an Fasching vergangenen Jahres hat am Montag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II eine Beamtin der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ausgesagt. Sie war die Sachbearbeiterin in dem Fall und berichtete, welche Angaben der Angeklagte Frank H. ihr und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft bei den Vernehmungen machte. Dabei habe der 54-Jährige den Mord an den beiden Frauen, die er am Faschingssamstag 2018 zu sich nach Hause eingeladen hatte, eingeräumt, so die Ermittlerin der Kripo.

Zwei Tage nach der Tat hatten zunächst zwei Beamte der Polizeiinspektion Dachau die Wohnung von Frank H. geöffnet, weil die Mütter der Getöteten Vermisstenanzeigen erstattet hatten. Als die Polizisten den freiberuflichen Meteorologen in seiner Wohnung fanden, habe er sich das Leben nehmen wollen, sagte die Sachbearbeiterin der Kripo Fürstenfeldbruck. Frank H. hatte sich einen Strick um den Hals gelegt. Zu den Beamten habe er gesagt, er habe "Zärtlichkeit gewollt" und es tue ihm leid, was er getan habe.

Ähnliche Angaben habe H. auch ihr gegenüber und der Staatsanwaltschaft gemacht, so die Beamtin. Als Grund für die Morde habe er unter anderem einen "unglaublichen Drang nach Sexualität" genannt. Außerdem, so die Zeugin, habe der 54-Jährige erklärt, dass er sich beobachtet fühle, es nicht schaffe, seine Wohnung aufzuräumen, arbeitsunfähig sei sowie unter Zwängen und schwersten Depressionen leide. Er nehme jedoch keine Antidepressiva, habe Frank H. angegeben - und zwar wegen der damit verbundenen Nebenwirkungen. Das einzige was er beruflich noch mache, seien "Bio-Wetterberichte" für einen Bekannten.

Bei der Durchsuchung von H.s Wohnung seien mehrere Pornovideos gefunden worden, sagte die Kriminalpolizistin, darunter auch solche mit Sadomaso-Szenen. Unter den sichergestellten Videos haben sich auch Psychothriller befunden. Auf ihnen sollen Szenen zu sehen sein, die der Tat ähneln, die Frank H. zur Last gelegt wird.

Für die Plädoyers in dem Prozess wird die Öffentlichkeit voraussichtlich ausgeschlossen, da dabei Dinge aus dem Intimleben des Angeklagten zur Sprache kommen. Ein Urteil soll an diesem Mittwoch verkündet werden.