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Proteste gegen Baumfällungen:Phantomas fordert Dachau heraus

Zwei Flugblätter und eine obskure nächtliche Aktion: In Dachau protestiert ein Anonymus für den Schutz von Bäumen.

Phantomas wird ein Phantom bleiben. Zumindest vorerst. Seinen Namen will er jedenfalls nicht in der Zeitung lesen. Mit seinem Pseudonym hingegen hat er es in den vergangenen Tagen in Dachau schon zu einer gewissen Bekanntheit gebracht.

Phantomas setzt sich für den Erhalt der Bäume am Kaufhaus Rübsamen in der Dachauer Altstadt ein - es gibt aber gar keinen Beschluss, diese zu fällen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Da versammeln sich am Samstagabend gegen halb elf Uhr nachts plötzlich einige Menschen vor der Schranne in der Altstadt. Augenzeugen berichten, dass es so an die acht gewesen sein dürften. Sie brennen ein Feuerwerk ab, und lassen den Song "Spiel mir das Lied vom Tod" laufen.

Der Protest richtet sich, so war zu vernehmen, gegen die Fällung der Akazien am benachbarten Rübsamen-Kaufhaus. Dass es gar keinen Stadtratsbeschluss dafür gibt, interessiert nicht.

In der Schranne liegen danach Flugzettel. "Dachau ist tot. Lang lebe Dachau", steht darauf geschrieben. Viele Sätze sind nicht vollständig, der Inhalt erschließt sich kaum. Es ist von einer Gruppe die Rede, die sich "Pro Dachau" nennt und die offenbar gegen Baumfällungen kämpft.

Die gleichen Flyer finden sich in einigen Briefkästen in der Innenstadt, im Rathaus werden sie ebenfalls eingeworfen. Auch die Bürgerinitiative "Rettet die Bäume" (BI) entdeckt welche bei ihrer Veranstaltung am Dienstag. Noch in der Nacht distanziert sich BI-Mitglied Gerda Stempfl davon: "Wir haben alle Namen und Gesichter und wollen in keiner Weise mit jemandem in Verbindung gebracht werden, der seine Identität hinter einem Pseudonym verbergen muss."

Der Dachauer Phantomas ist in Anlehnung an die französische Kriminalkomödie "Fantomas" vom 1964 entstanden. Dort begeht Fantômas in wechselnden Masken Verbrechen - er ist genial und brutal zugleich. Sein Pendant in Dachau will vorerst unerkannt bleiben. Zum Schutz, wie der Mann sagt. Die Frage, ob er denn wirklich hinter den bisherigen Aktionen stecke, lässt er offen.

Er spricht in der Diktion der Briefe und kündigt weitere Proteste an. Was er plant, verrät er nicht. Am Donnerstag folgt ein neuer Flyer. Er richtet sich an alle Dachauer. "Lasst die Spiele beginnen", schreibt Phantomas, dem es jetzt nicht mehr um Bäume zu gehen scheint, sondern um Politik, Wirtschaft und Verantwortung. Seine Identität wie seine Ziele aber bleiben weiter im Dunkeln.

Illegale Protestaktionen aber sollte er sich gut überlegen - die nämlich können schnell ein Nachspiel haben. Rechtsamtsleiter Josef Hermann bestätigte auf Nachfrage der SZ, dass die Stadt Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gegen Elisabeth Schilhabel gestellt hat. Derzeit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft damit. Die fraktionslose Stadträtin wollte die Fällung von Bäumen an der Amperbrücke in der Münchner Straße verhindern.

Die Polizei führte sie ab. Die Anzeige ist nicht ganz unumstritten. "Das ist etwas überzogen", sagt Grünen-Fraktionssprecher Thomas Kreß. Für seine einstige Fraktionskollegin werde so eine unnötige Plattform geschaffen. Für Schilhabels verbale Entgleisungen gegenüber Dachaus Kommunalpolitikern kann sich Phantomas übrigens überraschenderweise nicht begeistern. "Man sollte schon Respekt zeigen", sagt er.

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