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Bergkirchen:Dachaus Bauern beharken sich

Eine Veranstaltung über die Zukunft des Milchpreises führt zu einer heftigen Auseinandersetzung über die Zukunft der Landwirtschaft.

Eine Debatte über die Entwicklung des Milchpreises hat einen massiven Dissens innerhalb der Bauern über die Zukunft der Landwirtschaft offenbart. Er betrifft sowohl die Haltung zur Agrarpolitik vor allem auf dem Sektor der Milchproduktion als auch zum europaweit äußerst umstrittenen Handelsabkommen TTIP mit den USA. Der CSU-Landtagsabgeordnete Anton Kreitmair, Präsident des Oberbayerischen Bauernverbands und Sprecher im Landkreis, verteidigte es. Sein Stellvertreter in Dachau, Simon Sedlmair, widersprach. Der Bund Deutscher Milcherzeuger hob zur Grundsatzkritik an konventioneller Landwirtschaft an.

Die beiden Bauernverbände aus Dachau und Fürstenfeldbruck hatten zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung über die Zukunft des Milchpreises in Oberbachern eingeladen. Als Referentin war Monika Wohlfahrt, Geschäftsführerin der ZMB, Zentrale Milchmarkt Berichterstattung GmbH in Berlin, gekommen. Dabei handelt es sich nach Informationen von Bauernpräsident Kreitmair um ein von der deutschen Milchwirtschaft gegründetes Unternehmen, das die Preisentwicklung verfolgt und kommentiert.

Die Nachfrage nach Milchprodukten ist gesunken

Wohlfahrt sagte: "Es gibt keine Anzeichen für eine rasche Wende." Statt knapp 40 Cent wie noch im Vorjahr erhalte der Landwirt jetzt im Durchschnitt nur noch 29 Cent. Mehrere Gründe führte sie für den Preisverfall an. Einen davon sieht sie im Ende der Milchquote durch die Europäische Union und daraus folgenden Produktionssteigerungen innerhalb von Europa. Vor allem aber sei die Nachfrage nach Milchprodukten auf dem Weltmarkt gesunken. Weitere Faktoren, die den Preis negativ beeinflussen, sieht Wohlfahrt im veränderten Konsumverhalten, auch hin zu einer veganen Ernährung ohne tierische Produkte. Zudem würden die Folgen der Kampagnen gegen Lebensmittelverschwendung oder gegen Massentierhaltung spürbar. Stärker gefragt würden Nischenprodukte, wie etwa laktosefreie Milch. Auch das Interesse an Bioprodukten steige an. Derzeit fließen nach ihren Informationen etwa 2,3 bis 2,4 Prozent der deutschen Milch in den Biomarkt. Der Preis, den der Landwirt für Biomilch bekommt, sei mit knapp 50 Cent mittlerweile fast doppelt so hoch wie der für konventionell erzeugte Milch. Deshalb rechnet Wohlfarth mit einer steigenden Zahl von Betrieben, die auf Bio-Landwirtschaft umstellen werden.

"Anscheinend ist heute nur noch der Biobauer ein guter Bauer"

Den Dissens zwischen den Landwirten löste Wohlfahrts optimistischer Ausblick auf die Jahre bis 2025 aus, wonach eine wachsende Weltbevölkerung gerade in Schwellenländern zu einer verstärkten Nachfrage führen wird. Der Sprecher des Bunds Deutscher Milcherzeuger (BDM) in Fürstenfeldbruck, Johann Schamberger, und sein Stellvertreter Georg Spicker sind skeptisch. Sie wünschen sich eine erneute Deckelung der Produktion; also eine Rückkehr zur eben erst veränderten EU-Agrarpolitik. Außerdem forderten sie einen kritischen Blick der konventionellen Landwirtschaft auf sich selbst. Spicker sagte, dass der Nachweis des Pestizids Atrazin im Grundwasser nahe lege, dass "in den letzten 40 Jahren in der Landwirtschaft vielleicht nicht alles richtig gelaufen ist".

Über diese Schelte waren der oberbayerische Bauernverbandspräsident und CSU-Landtagsabgeordnete Kreitmair sichtlich verärgert. Der Fürstenfeldbrucker BBV-Kreisobmann Johann Drexl klagte, dass anscheinend "heute nur noch der Biobauer ein guter Bauer ist." Schließlich führte die Debatte noch zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bauernverbands in Sachen TTIP. Kreitmair verspricht sich davon "große Chancen". Simon Sedlmair fürchtet dagegen die möglichen Folgen von TTIP für die Landwirtschaft. Außerdem ärgert er sich über Auflagen für die Tierhaltung und den Immissionsschutz. Deswegen lösten, so Sedlmair, vor allem kleinere Bauern ihre Betriebe auf.

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