Nach langer Debatte Neues Landratsamt an altem Standort

Modern und transparent präsentiert sich der Siegerentwurf des Stuttgarter Büros h4a für den Neubau des Dachauer Landratsamts. Durch die leicht zurückgesetzten oberen Etagen wirkt das fünfstöckige Gebäude auch nicht erdrückend.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Mitglieder des Kreistages sprechen sich dafür aus, das jetzige Gebäude abzureißen und wieder am Bürgermeister-Zauner-Ring zu errichten.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Das Landratsamt bleibt auch in ferner Zukunft, wo es ist: in Dachau am Bürgermeister-Zauner-Ring. Die Mitglieder des Kreistages haben sich in ihrer Weihnachtssitzung am Freitagvormittag bei nur einer Gegenstimme dafür ausgesprochen, das Behördengebäude abzureißen und an Ort und Stelle neuzubauen. Auch die Fraktion der Freien Wähler, die noch im Kreisausschuss gegen den Standort stimmten, trugen nun die Entscheidung mit. Der Beschluss ist ein Fixpunkt in einer jahrelangen Debatte. Landrat Stefan Löwl (CSU) sprach von einem "Weihnachtsgeschenk" für die Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Die Verwaltung will nun von Anfang März an mit den Stuttgarter Architekten verhandeln, die sich mit ihrem Entwurf eines neuen Landratsamtes in einem Wettbewerb von mehr als 20 Bewerbern durchsetzen konnten. Geplant sind zwei fünfstöckige Gebäude mit einer schwungvollen Form und einer Glasfassade. Insgesamt sollen in dem modernen Bau 450 Menschen arbeiten können. Zudem ist eine Tiefgarage mit 320 Stellplätzen geplant. Die Kosten kann derzeit niemand vernünftig abschätzen. "Dieser Standort mit diesem Haus ist optimal", sagte Löwl. Ein Problem werde die Bauphase sein. Schließlich muss der Betrieb währenddessen irgendwie weiterlaufen. Vor dem Hintergrund der jahrelangen Debatte sagte Löwl: "Wir haben es uns nicht einfach gemacht."

Landrat Stefan Löwl: "Wir haben es uns nicht einfach gemacht"

Seit 2012 diskutiert man über Sanierung und Neubau des Landratsamtes. Das bestehende Gebäude ist 40 Jahre alt und platzt aus allen Nähten, was insbesondere die Mitarbeiter täglich zu spüren bekommen. Auf Grundlage wirtschaftlicher Gutachten hatte man sich gegen einen Umbau entschieden und damit für einen Neubau. Die Frage, wo das neue Landratsamt entstehen soll, hat für Streitereien unter den Kreisräten gesorgt. Standorte wie das ehemalige MD-Gelände oder ein landkreiseigenes Grundstück gegenüber dem Gesundheitsamt schieden aus unterschiedlichen Gründen aus. Die Verwaltung prüfte auch eine Fläche in Breitenau. Gleichwohl lehnte die Gemeinde Bergkirchen das Vorhaben auf diesem Grundstück ab. Übrig blieb der jetzige Standort am Bürgermeister-Zauner-Ring, dem auch die Stadt Dachau positiv gegenübersteht.

Gleichwohl gab es bis zu letzt immer wieder kritische Stimmen. Die Freien Wähler stimmten noch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses gegen die Planung. Sie warfen Löwl und der Verwaltung vor, andere Lokalitäten nicht ausreichend genug geprüft zu haben. Fraktionschef Michael Reindl warnte außerdem vor einem "Verkehrschaos". Doch Löwl ging auf die Freie-Wähler-Fraktion zu und konnte sie bei einem Treffen im Anschluss der Ausschusssitzung davon überzeugen, dass andere Grundstücke in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung stehen. Nun in der Kreistagssitzung sagte Reindl: "Es hätte sicherlich optimalere Standorte gegeben." Er sehe nach wie vor die Verkehrssituation "problematisch" und bemängelte fehlende Erweiterungsmöglichkeiten für die Zukunft. Aber seine Fraktion werde zustimmen. Reindls Parteikollege Franz Eichinger ergänzte, nach dem Gespräch mit dem Landrat wisse man nun, "dass sämtliche Standorte bis ins Detail geprüft wurden".

So sahen das auch die anderen Kreisräte. Nur Heinz Eichinger (SPD) stimmte gegen eine Teilziffer des Beschlusses, weil er den Standort für "nicht zukunftsorientiert" hält.

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