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Kunstausstellung in Dachau:Skandinavische Dialoge

Eines haben die Kunstwerke gemein:dieReduktion auf wenige starke Farben.

(Foto: Toni Heigl)

Inge Jakobsen, Karin Schuff und Maria Wallenstål-Schoenberg pflegen unterschiedliche künstlerische Stile, doch sie bedienen sich einer gemeinsamen Bildsprache. In ihrer Ausstellung "Polaritäten II" erzeugt das spannende Wechselwirkungen

Von Eva Waltl, Dachau

Drei Künstlerinnen, Inge Jakobsen, Karin Schuff und Maria Wallenstål-Schoenberg, alle aufgewachsen im kühlen Licht des Nordens, präsentieren von Freitag an in der Galerie der Künstlervereinigung Dachau (KVD) ihre Werke. "Polaritäten" heißt ihr gemeinsames Projekt mit Ausstellungen in Deutschland und den skandinavischen Ländern. Dachau ist der zweite Ort, an dem die Werke der drei Frauen gezeigt werden, deshalb auch der Titel "Polaritäten II", in dem auch schon die Verschiedenheit der Künstlerinnen anklingt. Weder Material, noch Farbe, noch Form gleichen einander. Jedes Bild besticht durch seine eigene Charakteristik. Das Konzept "Vielfalt" gelingt.

Drei Künstlerinnen - drei Temperamente. In ihrer Vielfalt liege auch die Verbindung der drei Frauen, so Inge Jakobson: "Wir haben gewisse Ähnlichkeiten in Bezug auf unsere Arbeitsweisen. Wir arbeiten alle drei stark mit Gegensätzen." Ruhe und Bewegung, groß und klein, hell und dunkel, Spannung und Balance. Der Gegensatz vereint die unterschiedlichen Stile der Kunstschaffenden, und das Ergebnis sind drei "total unterschiedliche Positionen", wie ihre Kollegin Karin Schuff betont.

Die Ausstellung "Polarität" wird an unterschiedlichen Orten gezeigt.

(Foto: Toni Heigl)

Inge Jakobsen ist bekannt für ihre großflächigen Arbeiten, die Farben und Flächen in abstrakten Formen verbinden, mal konfrontativ, mal harmonisch. Jakobsen versucht, sich dabei selbst immer wieder zu überraschen. "Ich komme dann in eine andere Dimension", sagt sie. Welcher Stil ihre Farb- und Formkompositionen am treffendsten beschreibt? "Nicht konkret, aber konstruktiv", sagt Jakobsen. Ihre Werke haben keine Narrative, sind nicht figurativ - ihren Ausdruck entwickeln sie aus dem spannungsreichen Wechselspiel von Farbe und Form. Das entwickelt sich auch zwischen den Arbeiten der unterschiedlichen Künstlerinnen. Ein Bild zeigt gerade Linien, schwarz-weiß, auf dem nächsten wurden unterschiedliche Rottöne mit expressivem Pinselstrich aufgetragen. Einmal dient eine große Leinwand als Material, einmal dickes Holz. Gegensätze. Polaritäten. Widerspruch und Dialog.

Die Werke sind überall unterschiedlich.

(Foto: Toni Heigl)

Von der künstlerischen Vision bis zum fertigen Werk durchlaufen die Frauen verschiedenste Phasen. Gemein ist ihnen, dass zu Beginn bereits der Grundgedanke im Kopf existiert. "Ich habe den malerischen Prozess im Kopf schon abgeschlossen", so Jakobsen. Skizzen helfen ihr dabei. Im zweiten Schritt wird oftmals überarbeitet. Karin Schuff kennt das: "Man sieht das Werk und muss dann neu Stellung nehmen." Und man müsse erkennen und weiterarbeiten, spinnt Wallenstål-Schoenberg den Gedanken weiter. Nicht jedes Material ist offen für diese kreative Transformation. "Aquarell verzeiht nicht", sagt Schuff. Für Aquarellmalerei braucht man "Ruhe im Kopf", weiß Wallenstål-Schoenberg. Nicht jeder Anfang führt zu einem Ende. "Manchmal geht es gar nicht", ergänzt Schuff. Diese Erkenntnis sei im künstlerischen Prozess ebenso wichtig. Das Bild müsse man dann abspannen und akzeptieren, dass es eben nicht funktioniere.

Die Künstlerinnen Karin Schuff, Inge Jakobsen und Maria Wallenstål-Schoenberg.

(Foto: Toni Heigl)

Ihre Ausbildung haben die drei Frauen an Kunstakademien in Stockholm, Uppsala oder München erhalten. Alle drei teilen den "skandinavischen Background", so Schuff. Aufgewachsen in Stockholm, lebt und arbeitet Karin Schuff heute in Dachau und auf der schwedischen Insel Ljusterö. Inge Jakobsen ist in Dänemark groß geworden und zog mit knapp 30 Jahren nach München. Maria Wallenstål-Schoenbergs Geburtsort ist Uppsala, Schweden; seit etwa 20 Jahren lebt und wirkt sie als Malerin in München.

Die drei Künstlerinnen versuchen den jeweiligen Ausstellungsort mit einzubeziehen, was zur Folge hat, dass jede "Polaritäten"-Ausstellung verschiedene Werke aus ihrem Fundus zeigen kann. Ob die ausgewählten Werke in Dachau für den Rezipienten funktionieren, entscheidet letztendlich der Betrachter. "Er fühlt sich angesprochen oder eben nicht", erklärt Wallenstål-Schoenberg. Man benötige kein Hintergrundwissen, um die Werke zu verstehen. Die Bilder stünden für sich, ergänzt Schuff. Kunst bedeute seit jeher immer auch sinnliches Erleben. Die Augen sehen, die Hände spüren und der Geist fühlt. "Wir bieten einen Dialog an, und der Betrachter kann sich beteiligen", so Wallenstål-Schoenberg.

Die Künstlerinnen brennen darauf, nach einer langen Zeit der durch die Corona-Pandemie erzwungenen Ruhe wieder richtig Spannung aufzubauen. Polarität. Gegensatz. Während der vergangenen Monate litt die Kunstbranche schmerzlicher als viele anderen Branchen. Ateliers standen leer, Ausstellungen wurden abgesagt, Aufträge blieben aus. "Es ist eine Ausnahmesituation", sagt Schuff. Alle drei Künstler nutzten die Zeit für intensives Arbeiten. "Ich stelle in Dachau einige Aquarelle aus, die ich während des Lockdowns gemalt habe", erklärt Wallenstål-Schoenberg. Bei der Arbeit mit Aquarell benötigt man ein großes Maß an Konzentration und Ruhe. Die Künstlerin habe dafür die unsichere Zeit der vergangenen Monate genutzt. "Wenn etwas Schlechtes passiert, findet man auch immer etwas Gutes", so Schuff.

Vernissage ist am Freitag, 11. September, um 19.30 Uhr im Rahmen der "Langen Nacht der offenen Türen". Letzter Ausstellungstag in der KVD-Galerie ist am Sonntag, 4. Oktober. Ein Hygienekonzept wurde von der KVD erstellt. Maximal zwölf Besucher dürfen sich gleichzeitig in der Galerie aufhalten.

© SZ vom 10.09.2020

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