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Kommunalwahl in Hebertshausen:"Ein gutes Leben für alle"

Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Ökologie und Ökonomie sind Hauptthemen im Wahlprogramm des Freien Bürgerblocks

Von Petra Schafflik, Hebertshausen

Als erste politische Gruppierung in Hebertshausen hat jetzt der Freie Bürgerblock (FBB) beim traditionellen Neujahrsessen sein Wahlprogramm präsentiert. Die Wählergemeinschaft, die sich schon seit fast 50 Jahren ausdrücklich nur der Kommunalpolitik verschrieben hat, präsentiert ihre Ideen und Ziele in drei Themenblöcken, die mit Umwelt und Energie, Verkehrsinfrastruktur und hohe Lebensqualität für alle überschrieben sind. Ganz explizit, das betonte Vorsitzender Erich Schneider, "führen wir nur neue Ideen und zusätzliche Projekte auf, verzichten auf die Nennung von Vorhaben, die im Gemeinderat bereits Thema waren." Gerade weil der FBB-Fraktionsvorsitzende Martin Gasteiger als zweiter Bürgermeister von Rathauschef Richard Reischl (CSU) sehr intensiv und auch eng in die Amtsgeschäfte einbezogen werde, "hatten wir auch eine gewisse Einwirkung auf die Tagesordnung des Gemeinderats", wie Gasteiger erklärte. Anträge der Freien brauchte es oftmals nicht, um ein Thema auf die Agenda zu bringen. Obwohl damit das eine oder andere Anliegen abgearbeitet wurde, bleiben Herausforderungen. Die will der Freie Bürgerblock "im Schulterschluss mit den Bürgern" angehen, um die Zukunft eines lebenswerten Hebertshausen zu gestalten, wie Vorstand Erich Schneider den Mitgliedern und Bürgern erklärte, die sich im Sportheim um zwei große Tische drängten. Unter den Zuhörern verfolgte auch Altbürgermeister Michael Kreitmeir (FBB) die Präsentation, der selbst von 2002 bis 2014 die Amtsgeschäfte geführt hat. Allen erläuterte Schneider die Leitthemen des Wahlprogramms: Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, Ökologie und Ökonomie.

Bevor es an die Themen der Zukunft ging, richtete Martin Gasteiger den Blick auf Projekte, die im kooperativ arbeitenden Gemeinderat erfolgreich abgeschlossen wurden. Gerade in die Kinder- und Jugendarbeit hat die Gemeinde viel Energie und Geld gesteckt, Kinderhaus, Krippe und Jugendzentrum gebaut. "Da sind wir Vorreiter im Landkreis, betreuen noch Kinder anderer Gemeinden, die in Not sind." Auch die Versorgung mit leistungsfähigem Glasfasernetz sei überall gesichert. Und selbst wenn nur ein einziges neues Baugebiet ausgewiesen wurde in der abgelaufenen Wahlperiode, habe man mit dem integrierten städtebaulichen Konzept "die Weichen gestellt" für die ortsprägende Entwicklung eines weitläufigen Areals mitten im Dorf. Und bei diesem Projekt gebe es auch kein Innehalten in der neuen Legislaturperiode. "Wir ziehen durch."

Ganz oben auf der Liste des Freien Bürgerblocks steht wieder das soziale Miteinander im Dorf. Erst durch die Akzeptanz für gesellschaftliche Vielfalt werde "ein gutes Leben für alle" sichergestellt, so Vorsitzender Schneider. Auch konkrete Ziele will der Freie Bürgerblock anpacken: Bezahlbarer Wohnraum soll über Grundstücke zum Kauf oder in Erbpacht über das Einheimischenmodell speziell für junge Familien ermöglicht werden. Für finanziell schwächere Bürger will man preiswertere Wohnungen bauen. "Wohnen darf nicht zum Luxus werden." Zudem gebe es Nachholbedarf beim Angebot für Ältere, "wir denken in Richtung Seniorenheim oder Betreutes Wohnen". Der Ausbau der Nahversorgung steht auf der Agenda des Freien Bürgerblocks, "das reduziert den Individualverkehr und ermöglicht es Älteren oder nicht mobilen Bürgern, sich eigenständig zu versorgen."

Ernst nimmt der Freie Bürgerblock die Herausforderungen des Klimawandels, mit durchaus ehrgeizigen Zielen. "Hebertshausen soll bis 2026 energieoptimiert, bis 2032 CO₂-neutral sein." Öffentliche Gebäude will man prüfen, Bürger in Sachen energetische Sanierung mit Fach- und Infoveranstaltungen unterstützen. "Mit kleinen Schritten lässt sich viel erreichen." Zur Stromversorgung aus erneuerbarer Energie vor Ort beitragen könnte ein Wasserkraftwerk, installiert am Mühlbach im Zug der Baulandentwicklung an der alten Holzschleiferei. Beim Thema Verkehrsentwicklung nimmt der FBB überraschend Abstand von der Ortsumgehung von Hebertshausen, die seit Jahren von Bürgern wie Gemeinderat gefordert wird. "Wir wollen keinen Neubau durch das landschaftlich wertvolle Moos." Zudem brächte eine Umgehung zwar eine deutliche Entlastung für Hebertshausen, doch das benachbarte Ampermoching müsste dafür mehr Verkehr verkraften. Besser sollte die Belastung insgesamt eingedämmt werden.

Die Freien wollen dafür den Schwerverkehr reduzieren, in dem auch Durchgangsstrecken auf Staatsstraßen ins Lkw-Mautsystem integriert werden. Und auf kurzen Ortsverbindungen wie zwischen Ampermoching und Hebertshausen soll Tempo 50 gelten. Auch ein Car-Sharing-Standort soll Bürgern den Verzicht aufs Auto schmackhaft machen.

© SZ vom 31.01.2020
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