Kita-Gebühren:Die Gebühren für die Kinderbetreuung steigen

Karlsfelder Gemeinderat beschließt eine Erhöhung um 25 Prozent von Januar 2022 an. Grüne sprechen sich dagegen aus

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Eltern müssen künftig deutlich tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ihren Nachwuchs in einer Karlsfelder Krippe, einem Kindergarten oder im Hort beaufsichtigen lassen wollen. 25 Prozent mehr sollen sie von Januar 2022 an für die Betreuung von Drei- bis Sechsjährigen und die Grundschulkinder bezahlen. Für ein Kind, das unter der Woche Vollzeit, also bis zu zehn Stunden im Kindergarten ist, bedeutet das pro Monat einen Aufschlag von knapp 44 Euro im Vergleich zum aktuellen Gebührensatz. 219 Euro müssten die Eltern dann insgesamt jeden Monat zahlen. Im Hort sieht es ähnlich aus.

"Das ist eine hohe Mehrbelastung", gab Heike Miebach (Grüne) im Finanzausschuss am Dienstag zu bedenken. Zumal viele Familien Kinder in ähnlichem Alter haben und damit "doppelt und dreifach belastet sind". Doch bei der Abstimmung konnte sie sich nicht durchsetzen. Gegen die Stimmen der Grünen steigen die Gebühren nun um 25 Prozent, lediglich für die Betreuung in der Krippe soll die Erhöhung moderater ausfallen: Dort will die Gemeinde künftig 20 Prozent mehr verlangen. "Wir müssen die Gebühren im Blick auf den Haushalt angleichen", sagte Finanzreferent Stefan Theil (CSU).

In diesem Jahr schaffte es die Gemeinde nicht, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Die coronabedingte Möglichkeit, einen Kredit für die laufenden Kosten aufzunehmen, half ihr im Frühjahr über die Runden. Sogar bei den Vereinszuschüssen setzten die Gemeinderäte diesmal den Rotstift an. Einig waren sie sich, dass nun auch die Eltern stärker zur Kasse gebeten werden müssten. "Das ist eine der wenigen Stellschrauben", bemerkte Venera Sansone (SPD). Zuletzt wurden Gebühren 2020 erhöht. Damals hatte man schon beschlossen, alle zwei Jahre die Preise auf den Prüfstand zu stellen, denn die Kinderbetreuung gehört zu den größten Ausgabeposten der Gemeinde. Inzwischen beläuft sich das Defizit pro Jahr laut Vizebürgermeister Stefan Handl (CSU) auf sieben Millionen Euro. Theil merkte an, dass Karlsfeld zudem "gehörige Personalkosten zu stemmen hat", denn alle Mitarbeiter der Kommune bekommen nun die Ballungsraumzulage ausbezahlt. 12,4 Millionen Euro Personalkosten muss die Gemeinde schultern.

"Es freut uns, dass Karlsfeld da nachgezogen hat", sagte Jutta Marb, die Leiterin des Kornelius-Kindergartens, der SZ. "Sonst würde sich die Personalsuche noch schwieriger gestalten." Sie sucht gerade dringend Ersatz für zwei Kolleginnen, die in Rente gehen. "Wir wollen eine hochwertige Betreuung, das kostet eben", sagte Theil nach der Sitzung. Außerdem seien viele Eltern froh, wenn die Erzieher nicht ständig wechselten. Auch wenn manch einer nun über die Erhöhung stöhne, so müsse man sehen, dass Karlsfeld in Sachen Kinderbetreuung im Landkreis trotzdem noch nicht die "Poleposition" hat. In Petershausen und Hebertshausen liegen die Preise laut Theil höher.

Heike Miebach wies darauf hin, dass der heftige Preissprung vor allem diejenigen treffe, die ohnehin schon benachteiligt seien: Alleinerziehende und Menschen, die im Schichtdienst arbeiteten. Sie müssten lange Zeiten buchen, um flexibel genug zu sein für ihren Job. Deshalb plädierten die Grünen für dieselbe Erhöhung wie bisher: zehn Prozent für die Krippe, 15 Prozent für den Hort und 20 Prozent für einen Platz im Kindergarten. Wenn das System umstrukturiert werde, könne man immer noch mehr verlangen, sagte Miebach. Daran arbeitet der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen. Es geht darum die einheitlichen Gebühren für alle Einrichtungen im Ort aufzubrechen, um das Defizit zu senken. "Das jetzige System ist bei der Flut an Kindern, die wir haben, nicht mehr zeitgemäß", erklärte Theil. Entsprechende Gespräche laufen bereits. Die Grünen plädieren dafür, einkommensabhängige Gebühren einzuführen. Spruchreif wird die Veränderung frühestens nächstes Jahr.

Bis auf wenige Ausnahmen haben heuer alle Kinder einen Betreuungsplatz bekommen. Die Warteliste werde aber in den nächsten Tagen aufgelöst, sagte Handl. Insgesamt stellt Karlsfeld etwa 1500 Plätze zur Verfügung.

© SZ vom 16.09.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB