Landkreis Dachau:"Kinder zeigen viel weniger Nebenwirkungen"

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Landkreis Dachau: Besonders gefährdete Menschen profitieren wahrscheinlich von einer vierten Impfung gegen das Coronavirus.

Besonders gefährdete Menschen profitieren wahrscheinlich von einer vierten Impfung gegen das Coronavirus.

(Foto: Moritz Frankenberg/dpa)

Seit Mitte Dezember können auch Kinder ab fünf Jahren geimpft werden. War die Nachfrage anfangs noch groß, muss die Kinderärztin Andrea Nestler mittlerweile immer häufiger Impfstoff wegschmeißen.

Von Shafia Khawaja, Dachau

Seit Mitte Dezember impft Andrea Nestler Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren in ihren Praxen in Karlsfeld und Markt Indersdorf: "Die ersten Termine waren schnell ausgebucht. Man hat gemerkt, dass die Leute darauf gewartet haben und sich freuen." Zu Beginn hat die Kinderärztin noch 50 bis 60 Kinder pro Woche geimpft. Mittlerweile ist das Interesse abgeflacht und nur noch 10 bis 20 Kinder erhalten pro Woche einen Piks.

Der ständigen Impfkommission (STIKO) nach soll eine Impfung mit zwei Dosen des Biontech-Impfstoffs in reduzierter Dosierung durchgeführt werden. Für Kinder von fünf bis elf Jahren hat die STIKO jedoch keine "generelle Impfempfehlung" ausgesprochen. Empfohlen wird die Impfung für Kinder dieser Altersstufe nur dann, wenn die Kinder vorerkrankt sind oder Kontakt zu Menschen haben, die einem hohen Risiko für einen schweren Covid-Verlauf ausgesetzt sind - zum Beispiel Immunsupprimierte.

Daher liegt es im Ermessen der Eltern, ob sie ihre Kinder impfen möchten oder nicht. "Ich empfehle es schon, weil es das Leben der Kinder erleichtert und sie sich durch den Impfstatus freier bewegen können", meint Nestler. Die Impfung gebe außerdem innere Sicherheit, das eigene Kind vor einem schweren Verlauf zu schützen. Trotzdem betont die Ärztin, dass es sich dabei immer um eine individuelle Entscheidung handle.

"Es ist nicht so, dass Eltern uns den Impfstoff aus den Händen reißen"

Eltern, die wünschen, dass ihr Kind geimpft wird, bekommen zeitnah einen Termin bei Nestler. Häufig werden die Impftermine aber abgesagt, weil sich die Kinder infizieren oder kurzfristig woanders einen Termin bekommen, schließlich haben derzeit alle impfenden Ärzte im Landkreis Kapazitäten. "Es ist nicht so, dass Eltern uns den Impfstoff aus den Händen reißen. Oft müssen wir sogar Impfstoff wegschmeißen", beklagt Nestler. Denn: Pro Fläschchen, das aufgezogen wird, bekommt die Ärztin zehn bis elf Dosen Impfstoff raus. Im Schnitt impft sie aber nur acht bis neun Kinder am Tag.

Den Nachfragerückgang, der nicht nur ihre Praxis betrifft, sieht Nestler in zwei Faktoren begründet: Zum einen kann man trotz doppelter oder dreifacher Impfung an Omikron erkranken. Zuvor sei man davon ausgegangen, dass man durch eine Impfung auch gegen alle neuen Varianten des Virus geschützt ist. Zum anderen bestehe das Gefühl, dass sich schon viele im Umkreis infiziert hätten: "Es ist nicht mehr dieses Tabu wie am Anfang. Es erscheint nicht mehr so bedrohlich, weil ein Ende der Welle vielleicht in Sicht ist", so Nestler. Die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen sind im Landkreis aber weiterhin hoch: Aktuell liegt die Inzidenz laut Informationen des Landratsamts bei Kindern von sechs bis elf Jahren bei 3767.

An den Schulen ist seit 1. Februar keine Klassenquarantäne mehr vom Gesundheitsamt angeordnet. Wird ein Kind positiv getestet, bleibt es zuhause, alle anderen müssen sich täglich testen. "Es obliegt der Schulleitung, ob die Klasse ins Homeschooling geschickt wird oder nicht. Eine Klassenquarantäne ist nicht mehr möglich, weil manche Kinder schon geimpft oder genesen sind", erklärt Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamts. Bevor die Regelung Anfang Februar eingeführt wurde, musste die ganze Klasse in Quarantäne, sobald zwei positive Fälle dem Gesundheitsamt gemeldet wurden.

Corona sei bei Kindern ohne Vorerkrankungen nicht lebensbedrohlich, die Impfung gebe aber zusätzliche Sicherheit wirbt Andrea Nestler im Gespräch für die Impfung von Kindern: "Die Impfungen werden gut vertragen. Die Kinder zeigen auch viel weniger Nebenwirkungen als Erwachsene - das ist sehr erfreulich."

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