Karlsfeld. Im Alleingang

Erst will die Karlsfelder CSU von einem Leitbild zur Ortsentwicklung nichts wissen und blockt die SPD im Gemeinderat ab. Nun legt sie selbst ein Konzept vor.

Von Andreas Glas und Gregor Schiegl

In Karlsfeld werden gerade ein großes Einkaufszentrum und ein Ärztehaus hochgezogen. "Durch die schrittweise bauliche und gestalterische Aufwertung der Münchner Straße verbessern sich das gesamte Erscheinungsbild und das Image unserer Gemeinde", sagt die CSU.

(Foto: joergensen.com)

- Sicher ist: Eine Raumstation will die CSU in Karlsfeld nicht bauen. Dass am Anfang der Vorstellung ihres Ortsentwicklungskonzepts auf der ersten Präsentationsfolie eine Rakete in den Himmel stieg war eher symbolisch zu verstehen. Bis weit in die Zukunft reicht das Konzept "Karlsfeld 2030", das am Dienstagabend auf einer CSU-Mitgliederversammlung im Seehaus beschlossen wurde. Ein Konzept, so Gemeinderat Stefan Handl, "das langfristig klare Aussagen enthält, wo der Zug uns hinführen soll." Die Kernaussage von "Karlsfeld 2030": Die CSU will in den kommenden Jahren Flächen schonen, setzt aber gleichzeitig auf Wachstum.

Seit Monaten hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Reinhard Pobel für ein gemeinsames Leitbild des Gemeinderats geworben, nun hat die CSU also ein eigenes Konzept entwickelt, im Alleingang. Das Raketen-Konzept behandelt ein breites Universum an Themen: von den Gemeindefinanzen über Verkehr, Wirtschaftsentwicklung, Energieversorgung, Soziales und Umwelt bis hin zur Kultur.

Zu den wichtigsten Themen des Konzepts gehört die Frage nach dem Ausbau des Wirtschaftsstandorts Karlsfeld. "Aus der Bevölkerung und aus dem Gemeinderat hört man ja manchmal: Am besten wir entwickeln uns gar nicht mehr", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe, und stellte klar: "Wir vertreten einen anderen Standpunkt. Wir wollen nicht die ganze Gemeinde mit Gewerbegebieten zubauen, aber wir wollen uns fortentwickeln." Teil von "Karlsfeld 2030" sei es deshalb, weitere Gewerbeflächen zur Verfügung zu stellen und wirtschaftsfreundliche Politik zu betreiben. "Eine nachhaltige Entwicklung wird unsere Gemeinde gut tun", sagte Kolbe.

Auch dem Verkehr hat sich die CSU im Ortsentwicklungskonzept gewidmet. Ziel ist es, die Verkehrsbelastung in den kommenden Jahren schrittweise zu reduzieren, damit "Karlsfeld als Verkehrsnadelöhr des Landkreises Dachau nicht im Berufsverkehr erstickt". Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die CSU auf den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Neben einem engeren S-Bahn-Takt will man sich für einen eigenen U-Bahn-Anschluss einsetzen: "Wir müssen versuchen, die Leute auf kürzestem Weg in die Busse und Bahnen zu bringen. Nur dann wird die Gemeinde Karlsfeld von den Autos entlastet werden", sagte Kolbe. Der zweite Bürgermeister Wolfgang Offenbeck bezeichnete das Verkehrskonzept seiner Partei als nicht konkret genug: "Der Bürger wird sich fragen: Was will die CSU und was wollen die anderen Parteien? Wir müssen dieses Verkehrskonzept konkreter machen, damit man sich mehr drunter vorstellen kann." Kolbe entgegnete, dass man derzeit Verkehrserhebungen durchführe, deren Ergebnisse die Basis seien, um das Konzept "in der heißeren Phase des Wahlkampfs fortzuschreiben und ein Wahlprogramm zu entwickeln".

Ein weiterer Schwerpunkt von "Karlsfeld 2030" ist die Kultur. Das Kulturprogramm der Gemeinde sei "verbesserungswürdig" und es fehle an Räumlichkeiten, sagte Kolbe. Deshalb sieht das Ortsentwicklungskonzept der CSU mittelfristig den Bau eines "Karlsfelder Haus der Kulturen" vor. Er sei gespannt, sagte Kolbe, "wie lang es dauernd wird", bis das Kulturzentrum gebaut werde, "aber wir werden die dicken Bretter bohren und das Geld dann entsprechend locker machen."

SPD-Fraktionssprecher Pobel äußerte sich ironisch zum Ortsentwicklungskonzept der CSU: Lange habe er für ein gemeinsames kommunales Leitbild mit Bürgerbeteiligung geworben, "jetzt legt die CSU das Leitbild selbst fest". Es sei gut möglich, dass sich darin viele vernünftige Ansätze finden, sagte Pobel. Dennoch wolle er für Karlsfeld an seiner Forderung nach einem Leitbild-Prozess festhalten wie ihn die Gemeinde Vierkirchen bereits führt: "Das zentrale Thema für mich ist: Wie nehme ich die Bürger mit?" Es werde interessant werden zu sehen, wie offen der parteiintern beschlossene CSU-Plan für weitere Anregungen und Wünsche der Bürger sei.

Ähnlich äußerte sich Mechthild Hofner, Sprecherin der Bündnis-Fraktion: "Das würde ein Eigentor werden, wenn die CSU nicht auch die Eckpunkte des Bürgerforums 'Dorf und Metropole' berücksichtigt." Grundsätzlich begrüßte Hofner das Ortsentwicklungskonzept aber: Einen langfristigen Plan zur nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde fordere das Bündnis schon seit Jahren, weil die Politik zu oft "wie aufgescheuchte Hühner" agiere. Für Hofner hat der Alleingang der CSU bereits mit Wahlkampf zu tun: "Die schauen, dass sie sich jetzt wirklich alles auf ihre Fahnen schreiben." Das Bündnis werde sein eigenes Strategiepapier beizeiten fortschreiben. "Aber wir werden jetzt nicht der CSU hinterhecheln", sagte Hofner.