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Verkehr in Karlsfeld:Protest gegen Parkhaus

Die Gemeinde Karlsfeld ist entsetzt über Pläne der Stadt München, in der Nähe des Bahnhofs Platz für 300 Autos zu schaffen. Bürgermeister Stefan Kolbe kündigt an, sich dagegen zu wehren.

Vor knapp einem Jahr hatte Karlsfeld erst den Bau eines großen Parkhauses mit 600 Stellplätzen auf dem Gelände von Erlbau & Streicher gegenüber vom Bahnhof abgelehnt. Jetzt strebt der Bezirksausschuss Allach-Untermenzing ein drei- bis vierstöckiges Parkhaus auf dem Park-and-Ride-Platz westlich der Bahn an. In Karlsfeld ist man entsetzt über diese Pläne. "Da werden wir uns auf die Hinterbeine stellen", kündigte Bürgermeister Stefan Kolbe in der Gemeinderatssitzung an. Unternommen hat das Rathaus laut Bauamtsleiter Günter Endres bisher noch nichts.

Am Karlsfelder Bahnhof einen Parkplatz zu finden, ist schwierig. Manch ein Autofahrer dreht seine Runden noch, wenn die Bahn längst weg ist, in der Hoffnung, vielleicht die nächste zu erwischen. Dennoch war man sich im Gemeinderat einig, dass neue Parkplätze nicht die Lösung des Problems sein können. Der Grund: Man will keinesfalls noch mehr Verkehr anlocken. Stattdessen hat man sich trotz knapper Kasse entschieden, die Fahrradständer für eine halbe Million Euro zu modernisieren und auszubauen, um den Pendlern eine Alternative zum Auto schmackhaft zu machen.

Doch in München überzeugt dieses Konzept offenbar nicht. Die CSU hatte im Bezirksausschuss den Antrag für das neue Parkhaus bereits im Dezember gestellt. Als Grund führte sie damals schon an, dass nach einem Gutachten des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) bis 2025 etwa 400 Pkw-Stellplätze am Karlsfelder Bahnhof gebraucht würden. Offenbar hat man bereits seine Fühler ausgestreckt und bei der Bahn angefragt, ob auf der Fläche des Unternehmens ein Parkhaus mit 300 Stellplätzen realisiert werden kann. Wenn die Bahn AG einwilligt, könnte alles auf Münchner Flur gebaut werden. Eine Einbeziehung der Gemeinde Karlsfeld wäre dann nicht nötig.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat das Kommunalreferat der Stadt München schon einmal versucht, Grundstücksverhandlungen mit der Bahn AG zu führen. Das war vor fast drei Jahren. Damals wollte das Unternehmen die Fläche westlich der Bahn, wo 102 Park-and-Ride-Parkplätze sind, nicht verkaufen. Man plante eine Wohnanlage für Mitarbeiter und Auszubildende. Die Parkhauspläne wurden damals ad acta gelegt. Doch jetzt, da klar ist, dass die Bahn für ihr Vorhaben kein Baurecht bekommt, wagt das Kommunalreferat einen neuen Vorstoß. Ob und zu welchen Konditionen die Bahn AG verkauft, ist bislang noch offen. Doch der Bezirksausschuss 23 ist einstimmig für das Parkhaus. Aus Münchner Sicht ist es eine Planung für die Zukunft, denn wenn von 2025 an die S-Bahnen in Karlsfeld nicht mehr nur Richtung Innenstadt fahren, sondern auch über den Nordring zum Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) von BMW und dem Euroindustriepark im Münchner Norden rollen, wird der Halt Karlsfeld für viele Allacher und Untermenzinger deutlich interessanter. Auf diese Weise hofft man die Straßen, aber auch das S- und U-Bahnnetz zu entlasten.

In Karlsfeld indes fürchtet man den zusätzlichen Verkehr. Der morgendliche und abendliche Stau in der Eversbusch- sowie Bayernwerkstraße würde noch katastrophaler, wenn weitere 300 Pendler zum Parkhaus fahren würden, so Bernd Wanka (CSU). Besorgnis erregen auch die Pläne der Hirmerei. Auf dem rund 2,4 Hektar großen Gelände zwischen Eversbusch- und Otto-Warburg-Straße sollen unter anderem viele Wohnungen entstehen. "Dafür sind die Straßen nicht ausgelegt", sagt Wanka, der sich viel mit Verkehrsthemen beschäftigt. "Da müsste man den Verkehr im Allacher Norden neu sortieren."

"Für Karlsfeld ist das Parkhaus unattraktiv", erklärt der CSU-Fraktionschef. Die Karlsfelder müssten einen sehr komplizierten Umweg fahren, um zu dem Parkhaus zu kommen. Mit dem Vorhaben locke man nur den Verkehr aus München und dem Hinterland an. Davor müsse man jedoch die Anwohner westlich der Bahn schützen. Schon jetzt hätten sie Wartezeiten, wenn sie aus ihrer Siedlung hinausfahren wollten.

© SZ vom 26.02.2020
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