Einzelhandel:Ein Supermarkt als Ökosystem

Einzelhandel: Nachhaltig, ganz aus Holz, soll der Supermarkt mit Wohlfühlklima in Haimhausen werden.

Nachhaltig, ganz aus Holz, soll der Supermarkt mit Wohlfühlklima in Haimhausen werden.

(Foto: Ratisbona)

Noch in diesem Jahr soll mit dem Bau eines besonders nachhaltigen Edeka-Marktes in Haimhausen begonnen werden. Die Betreiber stehen auch schon fest.

Von Alexandra Vettori, Haimhausen

Nichts weniger als der deutschlandweit erste Supermarkt, der den "Cradle-zu-Cradle"-Gedanken (C2C) umsetzt, soll am Kramer Kreuz in Haimhausen entstehen. Übersetzt heißt das "Wiege zu Wiege" und bedeutet, dass nachhaltige Kreislaufwirtschaft oberste Priorität hat - ein neuer Ansatz im Bausektor. Die Idee stellte der Professor für Eco-Design, Michael Braungart, kürzlich im Gemeinderat vor, er gilt in Deutschland als "Vater des C2C". Mit dabei war Architekt Thomas Kuri, der das nachhaltige Supermarkt-Leuchtturmprojekt bauen soll.

Aus recycelbarem Baumaterial, am liebsten kompostierbar, klimaneutral, aber auch mit maximaler Biodiversität im Außenbereich, so soll der Haimhausener Supermarkt werden. "Supermarkt als Ökosystem", bezeichnete Braungart das, was ihm vorschwebt. Gebaut wird der Markt von Ratisbona, einem auf Handelsimmobilien spezialisierten Projektentwickler aus Regensburg, der eigentlich schon im Vorjahr loslegen wollte. Hieß es noch im Vorjahr, der Betreiber sei das Unternehmen Feneberg, so wird es jetzt einfach ein Edeka-Markt. Im Gemeinderat wurden auch die verantwortlichen Kaufleute bekannt gegeben; es sind die Geschwister Birol, die auch den Edeka-Markt im Nachbarort Fahrenzhausen betreiben.

Der Supermarkt-Bürgerentscheid ist fast fünf Jahre her

Im Ortszentrum von Haimhausen gibt es bislang einen kleinen Gemischtwarenladen, der Wunsch nach einem großen Supermarkt besteht trotzdem schon seit vielen Jahren. Allerdings konnte sich die Kommunalpolitik auf keinen Standort einigen, auch das Baugebiet am Kramer Kreuz am südöstlichen Ortsrand war lange umstritten. Bis 2019 ein Bürgerentscheid zu dem Thema angesetzt wurde, bei dem sich schließlich 70 Prozent der Wählerinnen und Wähler für das Kramer Kreuz aussprachen.

2022 stellte Ratisbona dann die ersten Entwürfe vor, denen aber zumindest keine sichtbaren Taten folgten - der hohen Baupreise wegen. Immerhin hat die Gemeinde im Hintergrund schon den Bebauungsplan fertiggestellt, theoretisch besteht Baurecht. Laut Ratisbona wird der Bauantrag derzeit erarbeitet und dann auch gestellt.

Dass Haimhausen schon über einen ganz normalen Supermarkt froh wäre, machte CSU-Gemeinderat Josef Heigl klar: "Die spannendste Frage für alle Bewohner von Haimhausen ist: Wann ist der Supermarkt fertig?" Architekt Kuri sagte: "Im zweiten Halbjahr 2025"; nach seinen Angaben will man Ende des Jahres mit dem Bau beginnen.

Sogar im Markt soll ein Baum wachsen

Thomas Kuri kam regelrecht ins Schwärmen, als er den nachhaltigen Supermarkt für Haimhausen beschrieb: Der ganze Nahversorger soll aus Holz entstehen mit einem bewachsenen Flachdach über einigen Parkplätzen, das Schatten spendet und Lebensraum für Insekten und Vögel bietet. Auch ein Atrium im Markt ist geplant, mit einem echten Kirschbaum als Zentrum. Sämtliche Baumaterialien sollen kreislauffähig sein, also wiederverwendet werden können, als Dämmung stellt er sich Pilzmaterial statt Styropor vor. Die Artenvielfalt auf dem Grundstück, das derzeit ein Acker ist, sagte Kuri, werde nach dem Bau höher sein als davor. Auch die Regale sollen aus Holz sein, und bei den Kassenzetteln bemüht man sich um giftfreies Papier.

Die künftigen Betreiber, die Geschwister Birol aus dem Nachbarort Fahrenzhausen, präsentierten sich ebenfalls bei der Sitzung. Anna Birol und ihre beiden Brüder haben im Februar vergangenen Jahres den Markt in Fahrenzhausen von ihrem Vater übernommen und werden Haimhausen als zweiten Standort betreiben. "Das Neue an dem Projekt in Haimhausen macht es noch interessanter", sagte Anna Birol. Sicher werde es am Anfang zu einem "Kannibalisierungseffekt" kommen, schließlich liegen die beiden Märkte keine fünf Kilometer auseinander und beide quasi an der Bundesstraße B 13. Letztlich aber, sind die Geschwister überzeugt, rechnen sich zwei Supermärkte: "Uns drei reicht ein Markt nicht, wir brauchen was Neues."

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