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Haimhausen:Wasserkraftschnecke versorgt 22 Haushalte mit Strom

Das "Lieblingsprojekt" von Andrea von Haniel erzeugt Strom und ist ein Symbol für das gute Zusammenspiel von Gemeinde, Behörden und Verbänden.

(Foto: Felkel, oh)

Die Anlage bei der Marienmühle am Schwebelbach ist ein weiteres neues Vorzeigeprojekt in der Gemeinde Haimhausen.

Von Rudi Kanamüller, Haimhausen

Saubere Luft, saubere Umwelt, saubere Energie: Die Tischdekoration mit leeren Schneckenhäusern und Mini-Sonnenblumen auf den Tischen im Saal der ehemaligen Gaststätte Marienmühle im Haimhausener Ortsteil Ottershausen hat die Geschäftsführerin der E-Werke Haniel, Andrea von Haniel, bewusst gewählt. Die Umwelt-Symbole stehen auch für das neueste Vorzeigeprojekt in Sachen regenerativer Energien der Haimhausener E-Werke Haniel: die neue Wasserkraftschnecke an einem Seitenarm des Schwebelbaches bei der Marienmühle. Jetzt wurde es im Beisein von Behördenvertretern, Gemeinde, Landratsamt, Verbänden und Mitarbeitern offiziell eingeweiht.

Die Anlage, die Wasserkraft in Energie umwandelt, versorgt 22 Haushalte eines nahen Wohngebiets mit lupenreinem Ökostrom. Dabei entwickelt die Wasserkraftschnecke eine Leistung von neun Kilowatt. Damit können im Jahr etwa 78 000 Kilowatt-Stunden Ökostrom erzeugt werden. Haimhausens Bürgermeister Peter Felbermaier erinnerte daran, dass in Haimhausen bereits seit mehr als 100 Jahren Strom aus Wasserkraft erzeugt wird. Die neue Wasserkraftschnecke, die sich am Oberlauf des Schwebelbachs befindet, sei auch ein Symbol für das Zusammenspiel von Gemeinde, Behörden und Verbänden, auch wenn diese Zusammenarbeit "oft schwierig" sei und die "Mühlen", besonders bei Genehmigungsverfahren, "manchmal sehr langsam" mahlten. Die Gemeinde, so Felbermeier, habe bereits 2006 mit der Inbetriebnahme einer großen Fotovoltaik-Anlage begonnen, neue Wege zu gehen. Zwischenzeitlich gebe es weitere Vorzeigeprojekte in der Gemeinde. In diesem Zusammenhang lobte Felbermeier das Engagement und die Kreativität der Mitarbeiter der E-Werke Haniel, die sehr innovativ seien. Felbermeier: "Wir sind froh und stolz, dass wir sie am Ort haben."

Einfache, aber robuste Technik

E-Werke-Geschäftsführerin von Haniel schilderte die Ursprünge und ersten Anfänge des Projekts Wasserkraftschnecke. Die Idee hatte als erstes der technische Leiter der E-Werke, Johann Kiendl. Kiendl regte an, das neben dem Werkskanal abfließende Wasser für die Stromerzeugung durch eine Wasserkraftschnecke zu nutzen, weil für den Betrieb einer Turbine die Fließgeschwindigkeit des Gewässers nicht ausreichend sei. Allerdings wurde die Idee aufgrund wirtschaftlicher Berechnungen und hohen Baukosten wieder verworfen. Erst Jahre später, als die Sanierung der etwa 50 Jahre alten Schleusenanlage anstand, wurde das Thema Stromerzeugung durch eine Wasserschnecke wieder aktuell. Um auf Nummer sicher zu gehen, ob das "Lieblings-Projekt" von Andrea von Haniel überhaupt realisierbar und genehmigungsfähig ist, habe man alle Beteiligten, Behörden, Bund Naturschutz, Fischer, Landratsamt, Gemeinde an einen Tisch geholt. Das Projekt wurde vorgestellt und alle Eventualitäten vorbesprochen. Ein Verfahren, das sich ausgezahlt hat. Ende Januar 2016 wurde das Projekt genehmigt. Am 21. März dieses Jahres fand der Spatenstich statt. Seit Mai arbeitet die mehr als sieben Tonnen schwere Wasserschnecke. Nach den Worten von Andrea von Haniel handelt es sich dabei um eine "einfache, aber robuste Technik" für die nächsten 50 Jahre, von der alle was haben: die Gemeinde, die noch mehr regenerative Energien bekomme und die Fische, die problemlos und sicher durch die sich langsam drehende Wasserschnecke schwimmen könnten.

Der Schwebelbach selbst dient den E-Werken Haniel als Werkskanal für das EW 2, das sich in einem Nebengebäude der Marienmühle befindet. Die neuen Wehrklappen der Schleuse haben nun beheizbare Flügelwände. Der Schwebelbach führt in kalten Jahreszeiten oft Grundeis mit sich und hatte früher häufig die Wehranlage blockiert. Zusätzlich ist das EW2 bereits jetzt mit einem Umgehungsbach ausgestattet, durch den Fische und Wasserlebewesen ungehindert hindurch wandern können. Der Nebenarm des Schwebelbaches, an dem die Wasserkraftschnecke eingebaut wurde, diente bislang dem Hochwasserschutz und als Biotop.

© SZ vom 22.07.2016/gsl

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