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Gestickte Kunstwerke:Textildesign aus Kinderhand

Punkelrosi

Malu Klohn will mit ihren liebevoll bestickten Kissen und Taschen auch ihre Wertschätzung für die kleinen Künstler zum Ausdruck bringen.

(Foto: Marius Klohn/oh)

Unter dem Label "Punkelrosi" stickt Malu Klohn Bilder ihrer Tochter Frida und anderer kleiner Künstler auf Kissen und T-Shirts.

Der kleine Fuchs hat ein kreisrundes Gesicht, blaue Knopfaugen und auf dem Kopf etwas, das wie eine grüne Mütze aussieht. Gemalt hat ihn Frida. Die Sechsjährige hat sich dazu entschieden, das Fell des freundlich dreinblickenden Tieres mit einem orangenen Buntstift zu malen, jedoch nicht ganz gleichmäßig, einige Stellen bleiben weiß. Gar nicht so einfach, dieses kleine Kunstwerk detailgetreu zu kopieren. Genau das aber macht Fridas Mama: Malu Klohn stickt die Bilder von Frida und vielen anderen Kindern nach Wunsch auf Kissen, T-Shirts oder Jutebeutel.

Die Idee, die Zeichnungen ihrer Tochter Frida auf Stoff zu verewigen, kam der 35-jährigen Dachauerin vor drei Jahren. Damals experimentierte ihre dreieinhalbjährige Tochter immer häufiger mit Buntstiften und präsentiere die Werke stolz ihrer Mama. Die großgewachsene Blondine, die hauptberuflich als Sozialpädagogin arbeitet, aber schon immer gerne kreativ gewesen ist, schnappte sich ihre Nähmaschine und versuchte sich an einer Technik, die sich Freihandnähen nennt. Statt in vorgegebenen Bahnen kann Klohn so kreuz und quer nähen und den Linien, die ihr die Tochter auf dem Papier gezogen hat, mit der Nadel nachempfinden.

Anfangs wollte Klohn einfach die kleinen Kunstwerk ihrer eigenen Tochter festhalten, weil sie in ihren Augen "toll und wertvoll" sind. Nachdem Frida aber zum ersten Mal mit einem T-Shirt, dessen Brust eines ihrer Werke zierte, in den Kindergarten ging, stieg die Nachfrage auch bei den Erziehern und Eltern anderer Kinder. Punkelrosi war geboren. "Der Name ist, wie so vieles, von meiner Tochter inspiriert", sagt Klohn. Denn Punkelrosi, so heiße deren Lieblingskuscheltier: eine kleine Maus mit einem gepunkteten Kleid.

Beigebracht hat Klohn sich das freihändige Nähen selbst

Studiert hat Klohn eigentlich Soziale Arbeit in Regensburg. Ihr Job als Sozialpädagogin macht ihr auch heute noch Spaß, ihre Kreativität ausleben kann sie in diesem Beruf allerdings nicht. Das hat der Mutter von mittlerweile zwei Töchtern lange gefehlt. Sich zu überlegen, wie sie die häufig farbenfrohen Kinderzeichnungen festhalten kann, das ist für sie deshalb auch nach drei Jahren noch eher Leidenschaft als Arbeit. Allein davon leben könnte sie ohnehin nicht, sagt Klohn. "Für eine Zeichnung brauche ich zwischen zwei und vier Stunden." Am Ende verkauft sie ihre Werke, die alle in liebevoller Handarbeit von ihr selbst gefertigt werden, je nach Größe und Produkt zwischen 49 und 65 Euro.

Die Kissen, auf denen sie stickt, näht sie selbst, T-Shirt und alles andere kauft sie zu, "weil sich meine Arbeitszeit sonst überhaupt nicht mehr rechnen würde" - immerhin ist ja jedes Teil ein Unikat. Klohn verwendet Stoffe in Fairtrade- und Bioqualität und verarbeitet recycelte Materialien. Gegen Drucke hat sie sich bewusst entschieden, "das verwäscht sich sehr schnell". Beigebracht hat Klohn sich das freihändige Nähen selbst mit ein paar Youtube-Tutorials. Damit sich der Stoff frei und in alle Richtungen bewegen könne, "muss der Transporteur der Nähmaschine versenkt werden", erklärt sie. Zudem brauche man einen Freihandnähfuß und einen Stickrahmen, um den Stoff sicher führen zu können. Der Rest sei einfach Übung. Mittlerweile muss sie nicht mehr lange überlegen, wie sie anfängt, sondern näht mit ihrer Nadel fast genauso frei wie die Kinder mit ihren Bunt- und Filzstiften malen.

In der Vorweihnachtszeit sind ihre Arbeiten besonders gefragt

Klohn arbeitet von zuhause. Meistens macht sie sich abends ans Werk, wenn die Kinder im Bett sind. Die meisten ihrer Aufträge bekommt sie nach wie vor über Mund-zu-Mund-Propaganda - auch wenn mittlerweile längst nicht mehr nur befreundete Eltern aus dem Kindergarten bei ihr bestellen. Die gestickten Kunstwerke verschickt sie längst deutschlandweit und vor kurzem kam eine Bestellung sogar aus Schweden. Auf ihrer Homepage muss man dafür nichts weiter tun, als ein Foto des Bildes hochladen, das man gestickt haben möchte, dann macht sich die kreative Dachauerin an die Arbeit. "So ein Kissen ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für Oma und Opa." Ihr Hauptgeschäft macht Klohn deshalb auch in der Vorweihnachtszeit. Anfang des Jahres kämen dann nur sehr wenige Aufträge, aber über das Jahr verteilt fertige sie im Schnitt acht bis zehn Stücke pro Monat.

Ob es ihr immer noch Freude bereit, nicht nur die Kunstwerke ihrer eigenen Kinder, sondern die völlig Fremder auf den Stoff zu bringen? "Ich bin von Kinderzeichnungen einfach wahnsinnig fasziniert", sagt Klohn. Sie betrachte ihre Arbeit auch als "Wertschätzung der Kreativität der Kinder" - weil die Bilder so nicht in der Schublade oder in der Altpapiertonne landen, sondern "für die Ewigkeit" festgehalten werden. Und die Kinder, verstehen die überhaupt, dass das ihr Bild ist, was nun ein Kissen oder ein T-Shirt schmückt? "Kinder können sich meistens sehr genau an ihre Bilder erinnern", ist Klohn überzeugt. Außerdem würden die Eltern ja meistens mit den Kindern zusammen ein Bild aus der Sammlung aussuchen, "den Zusammenhang verstehen Kinder dann meist sofort" - und sind, das freut Klohn am meisten, "total stolz" auf ihr ganz eigenes Design.

© SZ vom 02.04.2020/gsl

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