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Geburtshilfe:Weniger Büroarbeit für Hebammen

Antje Jacob

Antje Jacob baut die Koordinierungsstelle für Hebammen im Landkreis Dachau auf.

(Foto: Privat/oh)

Die Koordinierungsstelle ist seit April aktiv, doch der Aufbau wird noch bis September dauern

Die Hebammenkoordinierungsstelle für den Landkreis Dachau hat ihren Betrieb aufgenommen. Ziel ist es einerseits, dass schwangere Frauen einfacher eine Hebamme finden können. Andererseits sollen die ohnehin überlasteten Hebammen vor allem von Schreib- und Organisationsaufgaben befreit werden. Seit dem 1. April bemüht sich Antje Jacob als Koordinatorin nun darum, die Hebammen zu vernetzen, für das Projekt zu begeistern und Strukturen zu schaffen. Bis Frauen aber tatsächlich über die Koordinierungsstelle eine Hebamme vermittelt bekommen, wird es noch dauern.

Trotzdem sei es wichtig, endlich zu starten: "Wir neigen immer zum Reden und nicht zum Tun, obwohl wir es dringend brauchen", so Jacob. Sie spricht damit auch den im Landkreis drohenden Hebammenmangel an. Mit der neu geschaffenen Koordinierungsstelle, der eine intensive Planung durch erfahrene Hebammen vorausging, soll das nun verhindert werden.

Derzeit arbeitet Jacob vor allem intensiv daran, die Daten der Hebammen zu erfassen. Bei einem Treffen Ende Juni soll das Projekt den Hebammen dann nochmals offiziell vorgestellt werden. "Es ist ja nicht so, dass die Hebammen auf meinen Anruf warten und sofort mitmachen wollen. Sie müssen sich auch erst Gedanken über eine mögliche Zusammenarbeit machen", erklärt Jacob.

Wichtig für das gesamte Vorhaben, so Jacob, sei das Miteinander: Das Netzwerk werde auf Augenhöhe agieren, keinesfalls solle der Eindruck entstehen, dass von Seiten der Koordinierungsstelle Vorschriften gemacht würden. Fixe Einsatzpläne werde es deshalb nicht geben, erklärt Antje Jacob.

Das nötige Fingerspitzengefühl für die Arbeit in der Hebammenkoordinierungsstelle hat Jacob bereits. Sie ist Leiterin des Vereins Rundum, der das Familienzentrum in Petershausen betreibt, in dessen Räumen auch die neue Koordinierungsstelle untergebracht ist. Außerdem arbeitet sie schon seit vielen Jahren im Büro der Petershausener Hebamme Elke Schäl.

Um die Hebammen zu entlasten, könnten neben der Abwicklung von Betreuungsanfragen auch andere Dienste an die Koordinierungsstelle und deren Partner ausgelagert werden. Beispielsweise ist die Zusammenarbeit mit Stillberatern angedacht, die in den Monaten nach der Geburt auf die Fragen der Mütter eingehen. Für die Hebammen bliebe so mehr Zeit für die Betreuung von Mutter und Kind unmittelbar vor und nach der Geburt. Außerdem könnte die Hebammenkoordinierungsstelle Fortbildungen, Notfalleinsätze oder Sprechstunden planen und landkreisweit organisieren. Jacob geht davon aus, dass das Büro spätestens von September dieses Jahres an mit der tatsächlichen Vermittlung und Planung beginnen kann.

Das ist offenbar auch dringend nötig: Aus der Angst heraus, keine Hebamme zu finden, würden viele Frauen bis zu 20 Geburtshelferinnen anschreiben oder anrufen, oft auch aus weiter entfernten Gebieten. "Auf diese Anfrage einer einzigen Frau müssen dann alle 20 Hebammen reagieren und das nachdem sie möglicherweise den ganzen Tag im Landkreis unterwegs waren und Wöchnerinnen betreut haben. Das ist ein enormer bürokratischer Aufwand", schildert Jacob das derzeitige Problem der Hebammen im Landkreis.

Finanziert wird die Koordinierungsstelle über die bayernweite "Förderung der Geburtshilfe" und durch den Landkreis Dachau. Auch der Bayerische Hebammenlandesverband unterstützt die Stelle, sodass das Vermittlungsangebot sowohl für schwangere Frauen und Wöchnerinnen als auch für die Hebammen kostenlos ist. Die Fördergelder wurden vorerst bis 2021 bewilligt, wie es danach weitergeht, ist derzeit noch nicht absehbar. Laut Jacob hat das Projekt aber eine Zukunft - und das nicht nur, weil man für einen guten Start der Kinder ins Leben sorge.