Fußball in Dachau:Warum Giovanni Trapattoni recht hat

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Hallenturnier

Gegner auf dem Spielfeld und daneben: Günding (rot) und der TSV Dachau 1865.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dreiklang mit Dissonanzen: der Finaltag des XVI. Hallenmasters beim ASV Dachau und die Begleitmusik von den Rängen.

Von Christine Heumann, Dachau

Dachau - "Fußball ist immer ding, dang, dong", hat der frühere Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni mal gesagt. "Es gibt nicht nur ding." Richtig. Manchmal ist es offenbar schwierig, den Fußball in Worte zu fassen. Wir versuchen es trotzdem und projizieren das "Ding" einmal rein auf das Sportliche. Auf das, was wir auf dem Spielfeld sehen.

In diesem Punkt ist der TSV Dachau 1865 der Souverän des XVI. ASV-Hallenmasters gewesen. Der Bayernligist spazierte überlegen durch die Vorrunde, ließ im Viertelfinale dem FC Schwabing keine echte Chance und setzte sich auch im Halbfinale trotz 0:1-Rückstands am Ende klar mit 5:2 gegen den SV Günding durch. Für jedermann war sichtbar, die 65er sind stark, sie verfügen über ein Team mit hochklassigen Fußballern. Dass sie das Finale im Neunmeterschießen gegen Karlsfeld 4:5 verloren haben, kann passieren. Sie waren nah dran, nach 2007 endlich mal wieder das beste von insgesamt 32 gestarteten Teams zu sein und sich den begehrten Bittl-Voba-Cup zu schnappen. Sie scheiterten an der Mannschaft, die sich nach mäßiger Qualifikation am Finalwochenende deutlich zu steigern wusste, und die im entscheidenden Moment vielleicht auch das Glück, vor allem aber einen exzellenten Torhüter Dominik Krüger auf ihrer Seite hatte.

Nun zum "Dang", das wir als Begleitmusik des "Ding" interpretieren . Die lieferte 1865 im Viertelfinale des ASV Dachau gegen Karlsfeld von den Rängen. Der TSV-Tross positionierte sich das ganze Spiel über und praktisch bei jeder Schiedsrichterentscheidung lautstark gegen den Lokalrivalen. Die Arie "Die Nummer eins der Stadt sind wir", durfte in ihrem Repertoire natürlich nicht fehlen. Keine Kunst, denn der ASV spielte am Finaltag enttäuschend schlecht. Und auch keine Neuigkeit, denn der TSV 1865 ist als Bayernligist in der Tat Dachaus höchstklassigster Klub. Vielleicht sollte er diese Zeit aber einfach nur genießen, so lange er kann und solange seine Sponsoren ihm die Zugehörigkeit zu dieser Spielklasse ermöglichen. Diese Zeit sei ihnen auch gegönnt.

Nach dem "Dang" ließ das "Dong" nicht lange auf sich warten. Der Schlussakkord sozusagen, den aber nicht der ASV, sondern die Gündinger sangen. Sie hatten ihr Halbfinale gegen 1865 verloren, dafür aber das Spiel um Platz drei gegen den SV Sulzemoos gewonnen. Eine respektable Leistung des Kreisligisten, der angetrieben von seinen vielen Fans nicht mehr zu bremsen war. In der Euphorie ihres sportlichen Erfolgs waren die Gündinger Spieler dann auch als Zaungäste des Finales nicht zu stoppen. Jetzt gaben sie den 65ern eine Breitseite mit. "Und ihr wollt Bayernliga sein", skandierten sie, als die Dachauer 0:2 gegen Karlsfeld zurücklagen. Und sie verbargen auch ihre Freude nicht, dass die Eintracht das Neunmeterschießen gewann. Immerhin ist Karlsfelds Torhüter Dominik Krüger ja ein Gündinger, also einer von ihnen.

Die Spieler des TSV 1865 nahmen die Häme gelassen. Gelassener als ihre Anhänger. Die verübelten Günding den Hohn und vergaßen, dass sie es waren, die mit ihren Anti-ASV-Parolen die Steilvorlage dazu geliefert hatten. Fußball ist wirklich ding, dang, dong.

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