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Energiewende:Visionäre in Schwabhausen

Bürgermeisterkandidaten

Der Schwabhausener Bürgermeister Wolfgang Hörl macht sich für eine nachhaltige Energiepolitik stark.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Gemeinde hat noch im vergangenen Jahr die Weichen für eine energiepolitische Wende gestellt. Im Frühjahr wird auf der Grundlage umfassender Untersuchungen und Analysen der Weg dafür frei gemacht

Von Helmut Zeller, Schwabhausen

Auch in der Gemeinde Schwabhausen überschattet, wie sollte es anders sein, die Corona-Pandemie die Kommunalpolitik. Aber es gibt andere zukunftsträchtige Aufgaben als die Überwindung der Krise: den Klimawandel zum Beispiel. Auch eine Kommune wie die 6750 Einwohner zählende Gemeinde Schwabhausen kann und muss einen Beitrag gegen die zunehmende Erderwärmung mit ihren katastrophalen Folgen leisten. Das hat der neue Bürgermeister Wolfgang Hörl (Bürgerblock) sofort in Angriff genommen, nachdem er sich in der Kommunalwahl 2020 gegen seinen Konkurrenten Florian Scherf (CSU) in der Stichwahl klar durchgesetzt hatte. Schwabhausen startet in diesem Jahr in eine "nachhaltige Energiezukunft", wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Noch im Frühjahr soll der Gemeinde ein umfassender Maßnahmenkatalog vorliegen, der konkrete und praxisnahe Vorschläge enthält, wie der Weg in die nachhaltige Energiezukunft aussehen kann. Dabei werden auch Wirtschaftlichkeitsberechnungen erstellt und vorhandene Förder- und Zuschussmöglichkeiten aufgeführt. Für die Erstellung des Energienutzungsplanes ist ein Jahr vorgesehen. Die Gesamtkosten werden zu 70 Prozent gefördert. Wie Bürgermeister Hörl betont, hat die Kommune damit ein einfaches und flexibles Planungsinstrument in der Hand, damit alle bisherigen und künftigen Maßnahmen gebündelt und in einer effizienten und nachhaltigen Energiepolitik zusammengeführt werden können.

Begonnen hat es schon im vergangenen Jahr. Der Kemptener Verein "Renergie Allgäu e.V." hatte Ende Oktober begonnen, den aktuellen Strom- und Wärmebedarf aller privaten, kommunalen und gewerblichen Haushalte in der Gemeinde mit ihren 16 Ortsteilen, Weihern, Einöden und Pfarrdörfern zu erfassen und kartografieren. Aus diesen Zahlen und Ergebnissen werden dann Einsparpotenziale und Vorschläge für neue, nachhaltige Energiegewinnungsanlagen ermittelt. Im Mai 2021 soll der Gemeinde der detaillierte Maßnahmenkatalog vorliegen, mit konkreten Empfehlungen für die "Energiewende vor Ort".

Die Mitwirkung aller Gemeindebewohner ist für den Erfolg entscheidend

Im ersten Schritt wurde zunächst der energetische Ist-Zustand der Gemeinde erfasst. Mit einem vierseitigen Fragebogen an alle Haushalte und Gewerbebetriebe verschaffte sich Projektleiter Thomas Brutscher einen Eindruck vom aktuellen Strom- und Wärmebedarf, dokumentierte Gebäudedaten und bestehende Versorgungsnetzwerke. Dabei kam es entscheidend auf die Mitwirkung aller Bürger an. Denn je zahlreicher die Fragebögen ausgefüllt und zurückgesandt werden, desto aussagekräftiger sind die Basisdaten, mit denen der Verein weiter arbeiten kann. Seit Dezember erstellen die Experten von Renergie Allgäu auf Grundlage der gesammelten Ergebnisse sogenannte Potenzialanalysen. Dabei wird genau aufgeschlüsselt, durch welche Maßnahmen wie viel Energie eingespart werden kann. Und es gibt außerdem eine umfassende Untersuchung, wie und wo in der Gemeinde noch mehr erneuerbare Energie erzeugt werden kann. Dafür wird unter anderem ein gebäudescharfes Solarkataster erstellt, an dem jeder Hausbesitzer genau ablesen kann, ob sich sein Dach etwa für Solaranlagen eignet.

Aus den umfassenden und fachlich fundierten Untersuchungen erwarten sich Bürgermeister Hörl und die Gemeinderäte Ergebnisse, anhand derer optimale Entscheidungen für die energetische Zukunft ihrer Gemeinde getroffen werden können. Eine zukunftsgewandte Energiepolitik ist in Schwabhausen kein Neuland: Die Gebäude auf dem Schul- und Sportgelände werden durch eine oberflächennahe Geothermieanlage mit Flächenkollektoren umweltfreundlich mit Wärmeenergie versorgt. So konnten der CO2-Ausstoß und die Energiekosten um etwa 50 Prozent verringert werden. Die Gemeinde Schwabhausen hat den Ehrgeiz, bei der nachhaltigen grünen Energie die Rolle eines Vorreiter zu spielen.

© SZ vom 02.01.2021
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