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Einsatz aus Nächstenliebe:Bekenntnis zur Organspende

C-Jugend-Fußballmannschaft der SpVgg Röhrmoos Organspende

Statt Sponsorenwerbung tragen die Trikots der C-Jugend die Aufschrift "Organspende rettet Leben".

(Foto: privat)

Als einer ihrer Mitspieler eine neue Niere braucht, beginnen die jungen Fußballer der Spielvereinigung Röhrmoos und ihre Eltern, sich mit dem schwierigen Thema Transplantation zu befassen. Sie werben dafür auf ihren Trikots - der FC Bayern ist aufmerksam geworden

Ivan Klasnić schaffte das, wovon viele Kinder und Jugendliche in Deutschland und auf der ganzen Welt träumen: Er wurde Fußballprofi. Mit Werder Bremen gewann er die Meisterschaft, den DFB-Pokal und wurde zum kroatischen Nationalspieler. Im Jahr 2007 änderte sich für ihn jedoch alles. Seine Niere funktionierte nicht mehr richtig. Er brauchte eine neues Organ. Die erste Transplantation schlug fehl, eine Niere seines Vaters konnte dem Sportler dann jedoch erfolgreich eingesetzt werden. Als erster Profifußballspieler überhaupt kehrte er nach der Transplantation auf den Platz zurück. 2013, sechs Jahre später, beendete er seine Karriere. Ein Nachwuchsspieler der Spielvereinigung Röhrmoos teilt das Schicksal des Profifußballers. Der Junge brauchte eine neue Niere. Dank der Organspende kann er nun den Traum vom großen Fußball weiter verfolgen.

"Das ist natürlich etwas, was man von einer Jugendmannschaft nicht unbedingt erwartet"

Für die C-Jugend der SpVgg Röhrmoos war die Krankheit ihres Mitspielers der Anlass, sich mit dem schwierigen Thema Organspende auseinander zu setzen. Seither tragen sie auf ihren Trikots ein eindeutiges Bekenntnis auf den Platz. "Normalerweise sind vorne auf den Fußballtrikots immer Sponsoren wie Supermärkte oder Sportgeschäfte aufgedruckt", sagt Günter Bakomenko, Vorsitzender des Vereins. Nicht so bei einigen jungen Fußballspielern in Röhrmoos. "Organspende rettet Leben" steht in neongelb leuchtenden Buchstaben auf den neuen, dunkelblauen Trainingsjacken der Mannschaft. "Das ist natürlich etwas, was man von einer Jugendmannschaft nicht unbedingt erwartet", erklärt Bakomenko. Für ihr Engagement erhielten sie sogareinen Sonderpreis der Volksbank Raiffeisenbank Dachau. Wie es ihrem Mitspieler ging, das haben die Kinder "damals natürlich hautnah mitbekommen", erzählt Bakomenko. Das nahmen einige Eltern zum Anlass, sich zusammen mit ihren Kindern für das wichtige Thema einzusetzen. Mit Botschaften auf Trikots und Trainingsanzügen wirbt die Mannschaft nun seit einigen Jahren für die Organspende. Bei Fußballspielen und Turnieren sorgt die Mannschaft für Aufmerksamkeit. "Das regt die Menschen an, sie sprechen einen an, fragen nach und man kommt ins Gespräch", sagt Bakomenko. Schließlich sei die Organspende etwas, das jeden betreffe und von dem jeder profitieren könne.

An der Hand des ehemaligen Kapitäns Philipp Lahm durfte er in die Allianz-Arena einlaufen

Das Thema Organspende werde zu selten angesprochen, sagt Bakomenko. Im Sport sieht er eine Chance, das Thema öffentlichkeitswirksam zu verbreiten. "Ich glaube, dass der Spruch auf den Trikots länger in den Köpfen der Menschen haften bleibt, als zum Beispiel eine Anzeige in irgendeiner Zeitung." Auch der FC Bayern München bekam das Engagement der Mannschaft aus Röhrmoos mit. Und hat den jungen Spieler, dem als Kind eine Niere transplantiert wurde, zu einem Bundesligaspiel eingeladen. An der Hand des ehemaligen Kapitäns Philipp Lahm durfte er in die Allianz-Arena einlaufen.

Von den neu bedruckten Jacken sollen am Ende alle profitieren, Zuschauer, Eltern und die jungen Spieler selbst. "Uns geht es auch darum, den Kindern Werte zu vermitteln. Sie sollen lernen, dass es nicht nur sie, sondern noch Menschen um sie herum gibt. Das vergisst man in dem Alter schnell mal", sagt Bakomenko, der in seiner Jugend selbst Fußball spielte. Die neuen Trainingsjacken sollen jedoch nicht die letzte Aktion der Mannschaft bleiben. "Wir machen auf jeden Fall weiter", erklärt Bakomenko.

Bis zu sieben Jahre auf eine Niere warten

Vielen kranken Menschen ist es nicht möglich, schnell ein Spenderorgan transplantiert zu bekommen. Patienten, die eine neue Niere benötigen, müssen bis zu sieben Jahre auf ein neues Organ warten. Bei anderen Organen ist das ähnlich. Grund dafür ist die geringe Spendebereitschaft der Deutschen. Wer ein Spenderorgan benötigt, wird auf eine deutschlandweite Warteliste gesetzt. Glaubt man aktuellen Zahlen, so warten in Deutschland ungefähr 10 000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Im vergangenen Jahr wurden dagegen nur rund 1500 Organe transplantiert. Auch die Zahl der gespendeten Organe sinkt kontinuierlich von Jahr zu Jahr. Immer weniger Menschen spenden ihre Organe. Zusätzlich zur geringen Spendebereitschaft haben Skandale über die Bevorzugung bei Listenplätzen das Bild der Organspende in der Öffentlichkeit stark beschädigt. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass Organspenden Leben retten.

Auch der Bayerische Fußballverband hat das erkannt und setzt sich immer wieder für die Organspende ein. An einem Aktionswochenende Ende April dieses Jahres verteilten über 500 Vereine in Bayern, von der C-Klasse bis zur Regionalliga, Organspendeausweise und Infomaterialien. Der Organspendeausweis liegt kostenlos in Apotheken, Arztpraxen, bei Krankenkassen und auch im Landratsamt Dachau aus.

© SZ vom 05.10.2017/lela
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