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Dachau:Streit um Denkmalschutz

Der historische Wasserturm auf der MD-Industriebrache wird zum Zankapfel zwischen Bauträger Ullmann und der Mehrheit des Stadtrats. Die will ihn als markantes Zeichen der Silhouette Dachaus unbedingt erhalten.

Identitätsstiftendes Symbol für die ehemalige Papierfabrik mitten in der Stadt: Die Mehrheit im Bauausschuss hat beschlossen, dass der alte Wasserturm an der Ludwig-Thoma-Straße erhalten bleiben muss.

(Foto: © joergensen.com)

Die MD Papierfabrik war fast 150 Jahre lang der wichtigste Industriebetrieb Dachaus. 2007 wurde die Produktion auf dem Gelände am Fuße der Altstadt endgültig eingestellt. Doch im Stadtrat und in der Bürgerschaft besteht der große Wunsch, dass bei der Entwicklung der jetzigen Brache zumindest einige Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen, an die große Vergangenheit erinnern sollen. Dazu gehört der Wasserturm an der Ludwig-Thoma-Straße. Während beim Papiermuseum auf dem Areal Einigkeit besteht, dass es erhalten bleiben soll, ist der Wasserhochbehälter umstritten.

Bereits im März hatte der Bauausschuss des Stadtrats beschlossen, dass er als Industriedenkmal erhalten bleiben muss. Der Investor Herbert R. Ullmann würde ihn lieber abreißen und durch einen markanten Bau an gleicher Stelle ersetzen. Jetzt legten die Stadträte nach und forderten auf Antrag der CSU-Fraktion eine Prüfung des Bauzustands und gegebenenfalls erforderlicher Maßnahmen, um ihn langfristig zu erhalten.

Bauträger Ullmann, Geschäftsführer der Dachau Entwicklungsgesellschaft (DEG), hatte schon im Herbst 2012 bei einem Rundgang auf dem Gelände im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung gezweifelt, dass sich der Wasserturm erhalten lasse und auf den schlechten Bauzustand verwiesen. Zu Jahresbeginn 2013 hatte er einen Gutachter beauftragt, die Standsicherheit zu prüfen. Im Gutachten heißt es, dass Standsicherheit, Dauerhaftigkeit und Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt seien. Empfohlen wurde eine sofortige Sperrung der Anlage mit einem Betretungsverbot. Gefährlich lose Bauelemente sollten entfernt und der Turm in jährlichen Abständen inspiziert werden.

Die Stadtverwaltung hatte in einem Schreiben an die DEG die sofortige Beseitigung der im Gutachten aufgeführten baulichen Mängel angeordnet. Zugleich wurde empfohlen, Rat bei Fachleuten des Landesamts für Denkmalpflege einzuholen, wie eine fachgerechte Sanierungsplanung aussehen könnte. Obwohl der DEG für die Sofortmaßnahmen eine Frist bis 17. April gesetzt wurde, kam eine Reaktion erst am 27. Mai. Bei der Stadt ging ein Schreiben des DEG-Anwalts ein, dass die nach dem Gutachten "notwendigen Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr" durchgeführt worden seien. Unter anderem sei der Treppenaufgang mit Brettern vernagelt worden, zusätzlich habe man Flatterleinen und ein Verbotsschild angebracht. Eine langfristige Sicherung lasse sich jedoch "nicht losgelöst von der Konversion des gesamten MD-Geländes" betrachten. Die Frage sollte daher erst im Zuge des Bebauungsplanverfahrens geklärt werden.

Das aber war den Bauausschuss-Mitgliedern zu wenig. Es handle sich bei dem Wasserturm um "ein sichtbares Symbol" der ehemaligen Papierfabrik, sagte Kulturreferent Dominik Härtl (CSU). "Der Turm muss erhalten werden, Flatterbänder hinhängen reicht nicht", erklärte er. Keinesfalls wolle man in Dachau einen zweiten Purtlhof, sagte er in Anspielung auf ein denkmalgeschütztes Bauern-Anwesen im Landkreis, das vor einigen Monaten in sich zusammengefallen ist.

FDP-Stadtrat Alfred Stelzer sah das Ganze anders: "Das ist ein Schandturm, nicht der Eiffelturm." Zudem gebe es keinerlei Verwendung für den Wasserbehälter. Wie sein Parteifreund Ullmann, könnte er sich dort ein anderes Bauwerk als Ersatz vorstellen. Doch Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) erinnerte an den städtischen Wasserturm auf dem Schlossberg, für den man sich einst ebenfalls keine Verwendung hatte vorstellen können und den man der Spitzhacke überantworten wollte. Heute ist er ein beliebter Ausstellungsraum. "Dieser Wasserturm hat gezeigt, dass man was machen kann", sagte sie. Auch sie erinnerte an den Purtlhof und sagte: "Wir stellen den Antrag, damit nicht die biologische Lösung unser Anliegen obsolet macht."

Gegen den Antrag, die Bausubstanz zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen, stimmten neben Stelzer auch die SPD-Stadträte Franz-Xaver Böhm und Günter Heinritz sowie Helmut Höfelmaier (ÜB) ohne weitere Begründung.

© SZ vom 20.06.2013

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