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Dachau:Stadtwerke setzen auf Windkraft

Der kommunale Eigenbetrieb der Stadt Dachau hat ein Konzept zur Energiewende vorgelegt und will die eigene Stromerzeugung bis 2025 verdoppeln. Der Anteil aus regenerativen Quellen soll auf 53 Prozent steigen.

Von Helmut Zeller

Windkraft soll im Zentrum der Energiegewinnung stehen.

(Foto: Jørgensen)

Der Weg zur Energiewende in Dachau ist abgesteckt: Bis zum Jahr 2025 wollen die Stadtwerke Dachau ihren Strom zu 53 Prozent aus erneuerbaren Energien decken, zehn Prozent mehr als die Bundesregierung vorgibt. Das Büro "eta Energieberatung" in Pfaffenhofen legte am Dienstag dem Werkausschuss des Dachauer Stadtrats ein Gutachten vor, das bei allen Fraktionen Zustimmung fand. Der Strom soll demnach vor allem aus Windkraft, Sonnenenergie und aus KWK-Anlagen zur Kraft-Wärme-Koppelung gewonnen werden. Die Eigenerzeugung soll bis 2025 um 71 Gigawattstunden auf 127 Gigawattstunden steigen. Dafür werden die Stadtwerke, ein kommunaler Eigenbetrieb, ungefähr 22,8 Millionen Euro investieren. Stadträtin Sabine Geißler (Bündnis für Dachau) lobte, dass das Konzept eine lokale und regionale Stromerzeugung betone.

Auch die Beteiligung in große Gaskraftwerke wird in dem Konzept des Pfaffenhofener Ingenieurbüros als sinnvoll beurteilt. Allerdings nur dann, wenn sich der Markt wieder von dem massiven Preisverfall erholt hat und die politischen Rahmenbedingungen stimmen, wie SPD-Stadtrat Florian Hartmann korrigierend erklärte.

Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) bezeichnete das Gutachten als einen Leitfaden, der noch keine konkreten Aussagen über künftige Investitionen treffe. "Aber jetzt wissen wir, wovon wir reden." Bei Investitionen in die eine oder andre Form der Stromerzeugung, so Bürgel, müsse man schon genau die jeweiligen Bedingungen auf dem Markt prüfen. Von dem geschätzten Investitionsvolumen von fast 30 Millionen Euro können die Stadtwerke etwa ein Viertel aus eigener Kraft aufbringen. Ob die Stadtwerke diese Ausgaben stemmen können, hängt natürlich auch von anderen Aufgaben des kommunalen Eigenbetriebs ab. Aber die Richtung ist jetzt vorgegeben.

Der Gutachter Volkmar Schäfer beschrieb den Stadträten die gegenwärtige Situation: Die Eigenerzeugung bei Strom liegt 2011 bei 13,6 Megawattstunden; so betreiben die Stadtwerke lokal zum Beispiel Wasserwerke und sechs Anlagen zur Fotovoltaik. Der Anteil des Stromes aus regenerativen Stromquellen liegt bei 40 Prozent. Bis 2025 will der Stromversorger bei einer Eigenerzeugung von 34,5 Megawatt diesen Anteil auf 53 Prozent steigern. Das wären gut zehn Prozent mehr, als die Bundesregierung als Zielvorgabe gesetzt hat. Die ungefähr 43 000 Einwohner der Stadt Dachau verbrauchen 29 Megawatt oder 151,8 Gigawattstunden. Wie der technische Werkleiter Gerald Nübel erklärte, besteht "ein grundsätzlicher Konsens": die Windkraft soll regional und überregional im Zentrum stehen. Gerade regionale Windkraftanlagen seien für die Stadtwerke interessant, sagte Schäfer. Sein Gutachten sieht eine Modellrechnung vor, derzufolge an fünf Standorten im Landkreis jeweils fünf Anlagen 50 bis 70 Megawatt Strom erzeugen könnten. Neben der Onshore-Windkraft rät das Gutachten noch zu lokalen Fotovoltaik-Anlagen und lokalen Anlagen der Kraft-Wärme-Koppelung für Gewerbegebiete und Wohnsiedelungen. Biogas, feste Biomasse, Offshore-Windkraft oder Geothermie dagegen kommen laut Schäfer nicht in Betracht. Der Ausbau der Wasserkraft im Landkreis ist begrenzt. Das Unternehmen plant noch eine Restwasserturbine am Wehr in Günding. Auf diesen Feldern der Stromerzeugung setzen die Stadtwerke auch auf eine Bürgerbeteiligung.

Die Hauptpartner der Stadtwerke Dachau bleiben die Trianel GmbH und die Energieallianz Bayern. Die Dachauer sind an mehreren Windparks und Gaskraftwerken beteiligt. Einen breiten Technologiemix und mehrere Beteiligungen sollen die Stadtwerke auch weiter verfolgen, um das geschäftliche Risiko zu mindern, wie der Experte Schäfer riet. In der Sitzung des Werkausschusses kam auch die Beteiligung der Stadtwerke am Kohlekraftwerk in Lünen zur Sprache. Entsprechend dem Ergebnis des Bürgerbescheids von 2010 ist der kommunale Eigenbetrieb verpflichtet, alle Beteiligungen an Kohlekraftwerken abzustoßen. Nübel erklärte dazu: Die Stadtwerke würden das tun, sobald sie dazu Gelegenheit hätten.

© SZ vom 01.08.2013
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