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Haupt- und Finanzausschuss Dachau:Kommt Eishalle, kommt Name

Eiskunstlaufpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler

Traumpaar auf dem Eis: Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler beim Training in Cortina d'Ampezzo. 1964 wurden die beiden Weltmeister.

(Foto: dpa)

Die ÜB will die geplante Eishalle nach dem ehemaligen Sportstar Hans-Jürgen Bäumler benennen. Den anderen Parteien geht das aber zu schnell.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Der Eiskunstläufer Hans-Jürgen Bäumler, 78, hat in seiner Karriere so ziemlich alles gewonnen, was man gewinnen kann. An der Seite von Marika Kilius wurde der gebürtige Dachauer zwischen 1958 und 1964 mehrfach Deutscher Meister, Europa- und Weltmeister. Das deutsche Eiskunstlauf-Traumpaar holte Silber bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley und 1964 in Innsbruck. Nun plant die Stadt, eine neue Eishalle in Dachau zu bauen. Und wenn man schon einen gebürtigen Dachauer hat, der einst Eiskunststar war, dann sollte die neue Eishalle auch dessen Namen tragen. Oder?

Das findet zumindest die Fraktionsgemeinschaft aus ÜB und FDP. Die ÜB beantragte, die neue Dachauer Eishalle nach Hans-Jürgen Bäumler zu benennen. "Einen Verkauf der Namensrechte" an ein großes Unternehmen dürfe es jedenfalls bei einer städtischen Eishalle nicht geben, sagte Jürgen Seidel (FDP) in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und warb für den Antrag seiner Fraktionskollegen von der ÜB, der in der Sitzung behandelt wurde. Doch vor dem Hintergrund, dass aufgrund jüngster Entwicklungen noch völlig unklar ist, ob und wo die neue Eishalle gebaut werden soll, ging das den anderen Fraktionen viel zu schnell. Die Stadträte beschlossen mehrheitlich, den Antrag zu vertagen. Jürgen Seidel und Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau) waren gegen die Vertagung. Es sei ihm "einfach zu früh", die Eishalle nach jemanden zu benennen, wenn diese noch gar nicht gebaut sei, sagte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). "Wir haben noch genügend Zeit."

Es ist unklar, wie es mit der Eishalle in Dachau weitergeht

Derzeit ist völlig unklar, wie es mit dem Projekt der neuen Eishalle weitergeht. Nach langem Hin und Her entschied sich eine Mehrheit im Stadtrat im vergangenen Jahr dafür, die neue Eishalle auf dem Gelände des ASV zu bauen. Nun überraschte OB Hartmann die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses mit einer neuen Information. Die Mitglieder des Eishockeyvereins hätten ihm geschrieben, so Hartmann. Diese würden anbieten, den Bau der Kunsteisbahn selbst zu übernehmen, wenn die Stadt einen Millionenzuschuss gewähren würde. Allerdings würden sie den Bau an der Wallbergstraße realisieren, so Hartmann. Doch wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt Dachau ist fraglich, ob sich die Stadt überhaupt eine neue Eishalle in den nächsten Jahren leisten kann. Da die Stadt wegen der Corona-Krise weniger Einnahmen generiert, kamen einige Vorhaben des aktuellen Bauetats in der Ausschusssitzung noch einmal auf dem Prüfstand, darunter auch die Eishalle. Die Stadträte beschlossen, diese auf Eis zu legen. In diesem Jahr werden keine Mittel mehr fließen, um das Vorhaben planerisch voranzutreiben.

Klar ist: Sollte eine neue Eishalle wirklich gebaut werden, könnte es Streit darum geben, wie diese heißen soll. Michael Eisenmann (Bündnis) zweifelte daran, ob Bäumler überhaupt ein passender Namensgeber für die Halle wäre. "Er hat für Dachau wenig beigetragen", sagte Eisenmann. Und auch Christa Keimerl (SPD) sagte: "Jungen Leuten ist Bäumler kein Begriff." Dem hielt Florian Schiller (CSU) entgegen, dass man deshalb ja Gebäude nach Menschen benennen, damit diese nicht in Vergessenheit geraten würden.

© SZ vom 27.07.2020
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