Dachau Schnell mit der Bahn ins Hinterland

Im 15-Minuten-Takt nach Altomünster - noch ist es ein Pendlertraum, aber es könnte bald Realität werden.

(Foto: Toni Heigl)

Landräte des Münchner Umlandes haben eine Vision für den Ausbau der S-Bahn entwickelt. In Dachau wünscht man sich eine Linie von Karlsfeld nach Odelzhausen.

Von Christiane Bracht, Dachau

Express-S-Bahnen, enge Takte, Querverbindungen und Züge, die auch nachts von München in den Landkreis fahren - für Pendler, die täglich am zugigen Bahnhof stehen und auf verspätete S-Bahnen warten, egal ob in Petershausen, Altomünster oder Dachau, klingt das wie ein Wunschtraum. Klar, bis all das in Erfüllung geht, vergehen noch Jahre, in manchen Fällen sogar Jahrzehnte, aber das Zukunftspapier der acht Landräte aus dem Münchner Umland weckt Hoffnungen. Nicht umsonst ist es mit "Visionen 2050" überschrieben. "Es ist das erste gemeinsame Positionspapier", sagt der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU). "Früher waren die Landkreise nur ein Anhängsel, aber jetzt werden wir wahrgenommen - jetzt diskutieren wir auf Augenhöhe." Bahnverkehr ist nun Chefsache im Ministerium, weiß Löwl, und dass kommt den Landkreisen zugute. Denn: "Die S-Bahn ist unser Rückgrat."

Neu an den Visionen ist vor allem, dass die S-Bahn auch über die Landkreise hinaus reichen soll. So gibt es jetzt erstmals Überlegungen, eine Verbindung über Altomünster nach Aichach zu schaffen und von Petershausen weiter nach Norden, nach Pfaffenhofen an der Ilm. Sogar eine völlig neue Linie von Karlsfeld nach Odelzhausen und weiter nach Dasing ist in den Visionen vermerkt. Gut, die Idee dieser Trasse parallel zur Autobahn A 8 ist nicht ganz neu. Sie wird seit Jahrzehnten immer mal wieder diskutiert und ist bislang regelmäßig verworfen worden, aber jetzt fasst man sie doch ins Auge, da der Verkehr dichter wird. "Die Realisierung der neuen Strecken wird Jahrzehnte dauern", stellt Löwl klar. "Aber man muss jetzt Konzepte erarbeiten und die Trassen freihalten. Denkbar ist vielleicht ein Bahnbus, der wie eine S-Bahn getaktet ist." Eine solche Verbindung könnte man "in Bälde" aktivieren.

Die Umsetzung eines S-Bahn-Nordrings ist nicht ganz einfach

Zu den großen Visionen gehört freilich auch die Anbindung an den sogenannten Nordring. Der Güterverkehr nutzt ihn bereits, aber für S-Bahnen ist die Strecke nicht ausgelegt, sagt Löwl. "Das Problem ist, dass von Dachau aus die ICE-Trasse gekreuzt werden muss, und das ist nicht so einfach." Es bedeutet, man muss einen Tunnel oder eine Brücke bauen. "Und der Karlsfelder Bahnhof liegt bereits hinter der Abzweigung", sagt der Landrat. Man müsste also je nach Konzept unterirdisch daneben eine weitere Station bauen, "sonst wären die beiden wichtigsten Arbeitgeber MTU und MAN abgekoppelt". Alternativ könnte man den zweiten Bahnsteig auch auf einer Brücke bauen. "Im Osten bis BMW ist der Nordring leichter zu aktivieren. Das wird sicher gemacht, wenn die zweite Stammstrecke fertig ist. Von heute an wird das in 15 oder 20 Jahren fertig sein", prognostiziert Löwl.

Den Zehn-Minuten-Takt, den andere Landkreise noch immer fordern, hat Dachau schon seit einiger Zeit zumindest morgens und abends im Berufsverkehr, insofern hat die Zukunft in Dachau längst begonnen. Aber einen 20- oder gar 15-Minuten-Takt bis Altomünster oder Petershausen zu schaffen, ist immer noch ein Ziel. "Das müssen wir hinbekommen", sagt Löwl. Das Problem sind die eingleisigen Strecken von Röhrmoos bis Petershausen und von Erdweg bis Schwabhausen. "Für einen schnelleren Takt brauchen wir in Markt Indersdorf ein Ausweichgleis", sagt der Landrat.

Zu den Visionen gehört nun auch ein neuer Bahnhof in Breitenau, zwischen Dachau Stadt und Bachern. Dort plant der Landkreis schon länger einen Umsteigebahnhof für Pendler aus dem Hinterland. Im Rahmen eines Verkehrskonzepts soll dort ein Parkhaus gebaut werden für die vielen Autos und ein Busbahnhof. "Vielleicht können wir dort auch noch eine Expresshaltestelle einrichten", sagt Löwl.

Mehr Querverbindungen

Zukunftsmusik sind auch noch die Querverbindungen zwischen den S-Bahnlinien. Daran plant das Landratsamt derzeit. Zwei Jahre wird es wohl noch dauern, bis die Vergabe auf der Tagesordnung des Kreistags steht.

Nächtliche S-Bahnen von München in den Landkreis könnten deutlich schneller eingerichtet werden. "Das ist allein eine Sache der Kosten", sagt der Dachauer Landrat. Er und seine Kollegen fordern in dem Papier eine stündliche Anbindung - zumindest donnerstags, freitags und samstags.

Was die Pendler sehr freuen dürfte, ist die Verbesserung der Kommunikation. Künftig soll man alle wichtigen Infos über verspätete Züge oder auch Ausfälle, Streckensperrungen und Umleitungen direkt aufs Handy gespielt bekommen - und zwar nicht erst, wenn das Problem bereits Geschichte ist, sondern in Echtzeit. "Das ist möglich, wenn alles digital vernetzt ist - in vier oder fünf Jahren vielleicht", erklärt Löwl.

Die Züge sollen sich übrigens auch den Pendlerströmen anpassen: Von 2025 an werden die Wagen sukzessive ausgetauscht und die Landräte wünschen sich dann doppelstöckige Züge, in die mehr Leute passen.