Kinderbetreuung:196 Kinder warten auf einen Kita-Platz

Während bei den Horten und Kindergärten das Angebot der Stadt knapp reichen dürfte, wird es bei den Krippen brenzlig.

Von Julia Putzger, Dachau

Etwa jeder sechste Erziehungsberechtigte, der sein Kind für eine Betreuung in einer Krippe, einem Kindergarten oder Hort in der Stadt angemeldet hatte, steht derzeit mit leeren Händen da: Für das Betreuungsjahr 2021/2022 befinden sich noch fast 200 Buben und Mädchen auf den Wartelisten der Stadt. Während zumindest im Hortbereich und bei den Kindergärten das Angebot knapp ausreichen sollte, dürfte es bei den Krippenplätzen brenzlig werden: 95 Anmeldungen sind noch offen, doch nur zwei weitere Plätze können nach aktuellem Stand noch vergeben werden.

Diesen Zwischenstand präsentierte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) den Stadträten im Familien- und Sozialausschuss. Die vergleichsweise frühe und detaillierte Auswertung ist heuer erstmals möglich, da die Anmeldung in diesem Jahr rein digital abgewickelt wurde, unter anderem um Doppelanmeldungen zu vermeiden. Mit Stand 4. Juni vermeldete die Stadt insgesamt 1105 Anmeldungen. 877 davon wurden bereits genehmigt, in 196 Fällen war eine Lösung noch offen, weitere 32 wurden vorerst zurückgestellt oder zurückgezogen.

Hätte die Stadt die Entwicklung vorhersehen können?

134 freie Plätze stünden insgesamt über alle Betreuungsarten hinweg noch zur Verfügung - rein rechnerisch. In der Realität schwindet diese Zahl rasch: Einerseits stehen acht Krippen- und 50 Kindergartenplätze in der neuen Kita am Amperweg erst im Frühjahr 2022 zur Verfügung. Andererseits fehlt es an Fachkräften für geplante Gruppen: Insgesamt 23 Krippenplätze in St. Franziskus und im Pfarrkindergarten St. Peter können wegen Personalmangels vorerst nicht vergeben werden. Letzte Hoffnung der Eltern sollen nun 15 freie Krippenplätze in Bergkirchen und Schwabhausen sein. Dem Bedarf von 95 noch offenen Anmeldungen wird das vermutlich nicht gerecht werden. Was die 68 noch offenen Kindergartenanmeldungen angeht, ist man in der Verwaltung optimistischer: Zwar stehen rechnerisch nur 40 zur Verfügung, "doch die Erfahrung der letzten Jahre" habe gezeigt, dass mittels Ergänzungsplätzen laut Betriebserlaubnis "fast immer für alle Kinder ein KiGa-Platz gefunden werden konnte", heißt es in der Sitzungsvorlage.

Doch wer ist Schuld an den fehlenden Betreuungsplätzen und hätte die Stadt die Entwicklung nicht eigentlich vorhersehen können? Genau das war in der Bedarfsabschätzung im Rahmen der Bevölkerungsprognose bis 2035 im vergangenen Sommer versucht worden. Doch während die Prognose für den Hort mit den realen Bedingungen ziemlich genau übereinstimmt, entwickelten sich Kindergarten und Krippe anders als vorhergesagt, nämlich 5,5 Kindergartengruppen weniger und dafür fünf Krippengruppen mehr als angenommen. Eine Ursache dafür könnte sein, dass die Familien, die laut Prognose zuziehen sollten, jüngere Kinder als erwartet haben. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit wäre, dass die Betreuungsquote im Krippenbereich schneller steigt als erwartet.

Ein letztes Trostpflaster bleibt der Stadt: Im bayernweiten Vergleich der Großen Kreisstädte hat Dachau sowohl in absoluten Zahlen als auch in Relation zur Einwohnerzahl die meisten Kitaplätze. All denjenigen, die derzeit noch auf eine Zusage für einen Betreuungsplatz hoffen, dürfte das aber nur wenig nützen.

© SZ vom 22.06.2021
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