"Wir schließen":Ladeninhaber verhüllen Schaufenster

"Wir schließen": Von links: Alexander Broschell (Leiter Abteilung Wirtschaftsförderung), Isabel Seeber (Vorsitzende Dachau handelt) und Kristin Sattler (Mitarbeiterin Wirtschaftsförderung) mit dem braunen Packpapier, mit dem viele Geschäfte in Dachau verhüllt werden.

Von links: Alexander Broschell (Leiter Abteilung Wirtschaftsförderung), Isabel Seeber (Vorsitzende Dachau handelt) und Kristin Sattler (Mitarbeiterin Wirtschaftsförderung) mit dem braunen Packpapier, mit dem viele Geschäfte in Dachau verhüllt werden.

(Foto: Stadt Dachau)

50 Dachauer Geschäfte wollen mit einer PR-Aktion ihren Kunden bewusst machen, wie wichtig der Einzelhandel für eine lebendige Innenstadt ist.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Wer an diesem Samstag in der Münchner Straße, Dachaus Geschäftsmeile, oder der Dachauer Altstadt einkaufen will, steht vor augenscheinlich verschlossenen Läden. Viele Geschäfte haben dort über Nacht ihre Schaufenster und Eingänge mit braunem Packpapier verhüllt. Auf Schildern heißt es in roter Schrift: "Wir schließen."

Doch kein Grund zur Panik. Es handelt sich nur vermeintlich um ein massenhaftes Ladensterben. Tatsächlich haben alle Geschäfte regulär geöffnet. Mit einer bis Freitagabend geheim gehaltenen Verhüllungsaktion wollen die Stadt Dachau und der Gewerbeverein "Dachau handelt" den Einwohnern bewusst machen, wie bedeutend der Einzelhandel für eine lebendige Innenstadt ist. Fast 50 Händler in der Münchner Straße und der Altstadt machen mit. Man wolle den Kunden symbolisch vor Augen führen, wie es in Dachau aussehen würde, wenn Läden, Dienstleister oder Gastrobetriebe schließen würden, sagt Alexander Broschell, der städtische Wirtschaftsförderer.

"Wir wollen zeigen, dass das, was viele als Selbstverständlichkeit hinnehmen, keine ist"

Er hatte den Einfall, die Schaufenster zu verhüllen, als er sich vor einigen Monaten mit dem Inhaber eines Uhrengeschäftes in der Münchner Straße unterhielt. Dieser musste damals seinen Laden zeitnah schließen. Broschell sagt, der Eigentümer habe ihm erzählt, dass viele Kunden aus Solidarität in sein Uhrengeschäft kämen, seitdem bekannt sei, dass er zumache. So sei er auf die Idee mit der Verhüllungsaktion gekommen, sagt Broschell. "Das Ziel ist, dass die Leute darüber nachdenken, was es für Folgen hat, wenn man nicht mehr in den Geschäften vor Ort einkauft." Es seien schließlich die Kunden, die mit Einkäufen vor Ort dem "Aussterben des stationären Handels" entgegenwirken.

"Dachau handelt" unterstützt die Aktion. Denn die Situation für den stationären Handel habe sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft, sagt Isabel Seeber, die Vorsitzende des Gewerbevereins. "Der Online-Boom in Corona-Zeiten", aber auch Personalmangel, steigende Energiekosten sowie die sinkende Kaufkraft durch Inflation setzten Händler und Gastronomen zusätzlich unter Druck. Die verhüllten Schaufenster sollen die Dachauer wachrütteln. "Wir wollen zeigen, dass das, was viele als Selbstverständlichkeit hinnehmen, keine ist."

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