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Demo in Dachau:"Die Krise heißt Kapitalismus"

Fahrrad Demo

Sicherheit geht vor: Die Demonstranten radeln durch Dachaus Straßen (hier die Sudetenlandstraße) und tragen dabei einen Mund- und Nasenschutz.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Demonstranten radeln für gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Dachau und kritisieren Ungerechtigkeiten, die während der Pandemie sichtbar geworden sind.

Von Eva Waltl, Dachau

Aus Musikboxen hallte eine Männerstimme. Hygienemaßnahmen wurden vorgetragen, das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung empfohlen. Während des Radelns könne die Maske aber abgenommen werden, so die Stimme. Berührungen müssten vermieden und Abstand eingehalten werden. Auf einem Schild, das an einem Lastenfahrrad montiert wurde, prangte in großen Buchstaben: "Wer hamstert, ist nur zu faul zu plündern! Solidarität statt Panik." Der selbstverwaltete Jugend- und Kulturverein Freiraum Dachau e.V. rief am Freitagabend zu einer Fahrraddemonstration auf. Das Motto: "Die Krise heißt Kapitalismus - make the rich pay for Covid-19."

Nach Angaben der Polizei lag die Teilnehmerzahl bei 38. Das Ziel der Demonstranten: Auf Ungerechtigkeiten und Missstände aufmerksam machen, die während der Pandemie sichtbar geworden sind. Die Initiatoren kritisierten, dass auf der einen Seite Unternehmen von der Krise profitieren würden, wohingegen auf der anderen Seite viele Arbeiter einer erhöhten Arbeitsbelastung und erschwerten Bedingungen ausgesetzt seien - bei gleichbleibender Bezahlung. Die Organisatoren wünschten sich gesellschaftliche Solidarität. Diese, so hätten die vergangenen Monate gezeigt, sei möglich. Man hätte sich "instinktiv umeinander gekümmert." An diesem Verhalten müsse man anknüpfen.

"Solidarität mit Erntearbeitern"

Teilnehmerin Elisabeth Schlosser trug ein Schild mit dem Schriftzug "Solidarität mit Erntearbeitern". Sie nahm an der Demonstration teil, um sich solidarisch zu zeigen, wie sie sagte. "Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen. Viele Berufsgruppen, die jetzt noch relevanter sind, sind unterbezahlt." Reinigungskräfte, Krankenpfleger seien besonders wichtig. Jetzt in der Krise habe man ein Gefälle noch stärker bemerkt und darauf müsse man aufmerksam machen, so Schlosser.

Alle Teilnehmer trugen Mund- und Nasenschutz und achteten auf die eineinhalb Meter Abstand, auch während des Radelns. Die Fahrradkolonne formierte sich in der Brunngartenstraße und startete um kurz nach 19 Uhr in Richtung Münchner Straße, sie durchlief die Frühlingsstraße, wo die vielen Büsche und Bäume Schatten spendeten. Weiter ging es auf der Schleißheimerstraße in Richtung Ostenstraße über Sudetenlandstraße. Angeführt wurden die Demonstranten von Einsatzkräften der Polizei. Diese sperrten die Straßen ab und wiesen Autofahrer an, die Demonstranten vorbeizulassen.

© SZ vom 10.08.2020
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