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Corona-Krise in Dachau:Neue Corona-Einschränkungen: Zwischen Frust und Gelassenheit

Diakonie Report

Gerade wurde die Maskenpflicht an Schulen verschärft.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die neuen Corona-Einschränkungen führen an Kitas und Schulen zu gemischten Gefühlen. Das Landratsamt arbeitet bereits an einer neuen Allgemeinverfügung.

Von Benjamin Emonts, Dachau

Schulleiter Peter Mareis hat sich am Donnerstagmorgen mit einer Durchsage an seine 1400 Schülerinnen und Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums gerichtet. Per Lautsprecher teilte er mit, dass sie fortan auch im Unterricht eine Maske tragen müssten, um der Ansteckungsgefahr zu begegnen. Alle sollten zusammenhalten, forderte er noch, um eine Situation wie vor wenigen Wochen zu vermeiden. Ein Wechsel- oder Heimunterricht, wie zu Zeiten des Lockdowns, sei schließlich das deutlich größere Übel als das Tragen von Masken.

Mareis Durchsage und ein Rundschreiben, das er bereits am Mittwoch an Lehrer, Schüler und Eltern verschickt hatte, sind als Reaktion auf die neue Allgemeinverfügung des Landratsamts Dachau zu sehen, die am Donnerstag in Kraft getreten ist und eine Woche Bestand haben sollte. Einige der Regeln hat der Freistaat Bayern am Donnerstagnachmittag allerdings schon wieder verschärft, sodass das Landratsamt bereits an einer neuen Allgemeinverfügung arbeitet, die schon an diesem Freitag in Kraft treten kann und zum Beispiel ein nächtliches Alkoholverbot, eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen und strengere Kontaktbeschränkungen umfasst. Gleich bleiben darin die verschärften Auflagen für Schulen und Kindertagesstätten. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurde die Allgemeinverfügung nicht veröffentlicht.

"Die Schüler akzeptieren die Maskenpflicht, aber sie leiden darunter und sind genervt"

Im Kreis Dachau müssen ab einem Inzidenzwert von 35 demnach Schüler von der fünften Klasse an auch im Unterricht und während der Ganztags- oder Mittagsbetreuung Masken tragen, sofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet ist. Am Donnerstag, 16.30 Uhr, betrug der Wert in Dachau 44,8. Der erforderte Mindestabstand ist wegen der großen Schülerzahlen an den hiesigen Schulen jedoch kaum realisierbar. Bislang galt die Maskenpflicht an Schulen nur außerhalb der Klassenräume.

Die Reaktionen auf die verschärften Regeln fallen nicht überall gleich aus. "Die Schüler akzeptieren die Maskenpflicht, aber sie leiden darunter und sind genervt", sagt Anja Kreter, die Rektorin der Mittelschule Dachau-Süd. Sechs Stunden eine Maske zu tragen, sei für Schüler und Lehrer sehr anstrengend. In den Klassenräumen sei es zudem kalt, weil pro Schulstunde fünf Minuten gelüftet werden müsse. Die Notwendigkeit der Maßnahmen jedoch stelle angesichts der steigenden Fallzahlen niemand in Frage. Erst am Mittwoch war an der Schule in Dachau-Süd erneut ein Corona-Fall bekannt geworden, bereits der dritte innerhalb weniger Wochen. Eine Lehrerin und eine Klasse mit 20 Schülerinnen und Schülern haben sich umgehend für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Probleme bereiten der Mittelschule auch die neuen Abstandsregeln im Sportunterricht, in dem nun ebenfalls ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden muss. "Das ist nicht realisierbar", sagt Kreter. Bis die Regelungen wieder gelockert werden, bestehe der Sport deshalb aus Spaziergängen durch den Stadtwald.

Relativ geduldig gehen sie am Effner-Gymnasium mit der neuen Situation um. "Die Schüler nehmen die Maskenpflicht mit großer Gelassenheit hin", sagt Schulleiter Mareis. Wenn es einzelnen Schülern zu viel mit der Maske werde, dürften sie das Klassenzimmer verlassen, um kurz durchzuatmen. Dieses Angebot aber werde kaum in Anspruch genommen.

Einrichtungen wie der Dachauer Hort "Froschvilla" sind seit Donnerstag angehalten, die Kinder in feste Gruppen einzuteilen, damit nachvollziehbar bleibt, mit wem welches Kind Kontakt hatte. "Wir müssen haargenau auf alles achten", sagt Leiterin Christel Waegele. Kinder entwickelten bereits Ängste, weil sie die Maßnahmen nicht verstünden.

© SZ vom 16.10.2020

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