Boxweltmeisterschaftskampf in Dachau:Volltreffer

Lesezeit: 3 min

Wie Publikumsliebling Juan Carlos Gomez aus Kuba bei der Box-Gala in Dachau sein Comeback im Ring feiert und Alexander Petkovic seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht verteidigt.

Von Christine Heumann

Boxweltmeisterschaftskampf in Dachau: Alexander Petkovic im Fight gegen Chupaki Chipindi.

Alexander Petkovic im Fight gegen Chupaki Chipindi.

(Foto: Toni Heigl)

Freitagabend, kurz vor 21 Uhr. Ringsprecher Daniel Stock rückt noch einmal seine schwarze Fliege zurecht. Alles muss sitzen, wenn gleich die Live-Übertragung von Eurosport beginnt. Der TV-Sender berichtet von dem Box-Spektakel, das an diesem Abend in der Halle des ASV Dachau stattfindet. In 54 Ländern ist der Auftritt des Wahlmünchners Alexander Petkovic zu sehen. Er will seinen WM-Titel im Schwergewicht nach Version der Global Boxing Union (GBU) gegen Chupaki Chipindi aus Tansania verteidigen. Davor - im zweiten Hauptkampf - versucht der ehemalige Weltmeister im Cruisergewicht, der Kubaner Juan Carlos Gomez, ein Comeback. Sein Kontrahent ist der Bosnier Adnan Buharalija.

Stock treibt das Publikum dem Beginn der Live-Schalte entgegen. "It's Showtime" übt er mit den gut 500 Zuschauern ein. Er skandiert "It's" mit einem ganz langen "I" - die Halle lässt ein donnerndes "Showtime" folgen. Unter dieses Motto hat Juan Carlos Gomez seinen Comeback-Versuch gestellt. Der Kubaner ist der heimliche Star des Abends. Der Liebling der Zuschauer. Denn Gomez war nah am Abgrund. 2009 hatte er in Stuttgart gegen Vitali Klitschko verloren - seitdem ging's bergab. Jetzt, mit 40 Jahren, will er noch einmal durchstarten. Der Kampf in Dachau ist seine letzte Chance. Eineinhalb Jahre lang hat er dafür hart gearbeitet, hat von fast 130 Kilo auf ein Kampfgewicht von 91 abgespeckt.

Der Ringsprecher ruft erst Adnan Buharalija in die blaue Ecke. Angeführt von Security zieht der Bosnier in die Halle. Ein drahtiger Typ mit strammen Wadln, um die ihn auch manch ein Fußballer beneiden würde.

Dann wandern alle Augenpaare zu der Tür, aus der jeden Augenblick Juan Carlos Gomez treten muss. Kubanische Rhythmen erklingen. Künstliche Nebelschwaden tauchen die Halle in ein geheimnisvolles Licht. Und jetzt kommt der Mann, den sie in Boxerkreisen den schwarzen Panther nennen. Hunderte Kameras und Handys blitzen auf. Gomez' bulliger Körper steckt in einem weiß-blau glänzenden Mantel. Auf dem Kopf trägt er seine blaue Baseballkappe. Im Rhythmus der Musik tänzelt er durch die Halle, lacht, und genießt jede Minute. Stock ruft: "The black panther ist back." Gomez breitet die Arme aus, als wolle er die ganze Welt umarmen. It's Showtime. Ein Nummerngirl in einem Hauch von Höschen, engem Top und irren High-Heels kündigt die erste von zehn geplanten Runden an.

Gomez zieht den Mantel aus. "Mann,. die Hose ist geil", schreit ein Zuschauer. Das Beinkleid des ehemaligen Weltmeisters ist knielang, hat wie Kubas Nationalflagge horizontale Streifen in Blau und Weiß, vorne überdeckt durch ein rotes Dreieck mit einem weißen, fünfzackigen Stern.

Der Kampf beginnt. Gomez legt los, der Bosnier wehrt sich. Noch. Die Zuschauer quittieren jeden Treffer des Kubaners mit Johlen und Klatschen. Nach einer Linken muss Buharalija auf die Bretter. Der Gong rettet ihn. Nächstes Nummerngirl, nächste Runde. Wieder trifft Gomez, wieder geht der Bosnier zu Boden. "Des war a Maß", sagt ein Zuschauer in schönstem Bayerisch. Er ist beeindruckt. Der Bosnier steht wieder auf, macht weiter. Gomez wittert seine Chance. Er torpediert seinen sieben Jahre jüngeren Kontrahenten mit Schlagkombinationen. Trifft ihn an Kopf und Körper. Der Ringrichter geht dazwischen und beendet den Kampf. Technischer K.o. nach 2.55 Minuten in der zweiten Runde. Gomez freut sich wie ein kleines Kind. Nach einer kurzen Erholungsphase gratuliert Buharalija artig, er hebt den Panther hoch - und drückt ihm einen Schmatz auf die Wange. Juan Carlos Gomez hat sein Etappenziel auf dem Weg zurück erreicht.

Langsam rutschen die Fans von Alexander Petkovic nervös auf ihren Stühlen hin und her. In einen weißen Kurzmantel mit schwarzer Kapuze gehüllt zieht erst sein Gegner Chupaki Chipindi in die Halle ein. Dann kommt der Wahlmünchner bosnischer Herkunft. Ganz in Schwarz. Zwei Freunde erwarten ihn im Ring mit einem selbst geschriebenen Rap vom "Weißen Tiger". Und weil es um den Titel eines Weltmeisters geht, wenngleich in einem eher mäßig bedeutendem Verband, wird's ganz offiziell. Die Zuschauer stehen auf, lauschen den Nationalhymnen aus Tansania und Bosnien-Herzegowina. Dann eröffnet der Gong die erste Runde. Petkovic hatte angekündigt, den Kampf vorzeitig entscheiden zu wollen. Doch Chipindi, den sie die "Schwarze Gazelle" nennen, kann mithalten. Er landet sogar einige Treffer. In der zweiten und dritten Runde wird Petkovic stärker. Er trifft mit seiner Rechten. Den Schlägen des Gegners weicht er nun geschickt aus. Es sieht aus wie ein Spielchen, das er mit dem Mann aus Tansania spielt. In der vierten Runde holt Petkovic zum entscheidenden Schlag aus. Chipindi hängt in den Seilen, lässt sich auszählen. K.o.-Sieger nach 1.40 Minuten der vierten Runde, alter und neuer GBU-Weltmeister im Schwergewicht ist: Der "Weiße Tiger" Alexander Petkovic. Er klettert auf die Seile, posiert für sein Publikum und präsentiert das Objekt der Begierde - den Gürtel des Weltmeisters.

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