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Asyl:Raus aus den Blechcontainern

Containerstandort

In den Blechcontainern ist es im Winter frostig kalt, im Sommer brütend heiß. Aber bald schon werden die zurzeit 74 Bewohner in Holzbauten umziehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

74 Geflüchtete leben in Petershausen seit 2015 in unzumutbaren Notbehausungen. Darunter sind auch anerkannte Asylsuchende, die keine Wohnung finden. Jetzt werden Holzhäuser errichtet, die auch Obdachlosen Platz bieten

Als von 2015 an immer mehr Geflüchtete in den Landkreis kamen, wurden in vielen Ortschaften rasch Notunterkünfte installiert. Auch in Petershausen steht seitdem am Heimweg eine Anlage mit drei Wohncontainern, in denen immer noch 74 Menschen leben. Denn auch für anerkannte Asylsuchende ist es enorm schwierig, eine Bleibe auf dem Wohnungsmarkt zu finden. Die auf kurze Zeit gedachten Gemeinschaftsunterkünfte werden also noch länger benötigt. Allerdings sollen jetzt die Blechcontainer ersetzt werden durch solidere Holzgebäude, wie sie in Karlsfeld bereits 2016 als Modellprojekt gebaut wurden. Der Landkreis sucht dafür nun in allen Gemeinden geeignete Grundstücke. Unter den ersten, die diese Option nutzen, ist Petershausen.

Die Gemeinde stellt ein Areal am Ortsausgang an der Marbacher Straße bereit, auf dem zwei Holzgebäude für 100 Bewohner entstehen sollen. Das hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen. Die Gebäude werden nach einem bis Ende 2019 befristeten Sonderbaurecht für Flüchtlingsunterkünfte errichtet und dürften somit bald stehen. Die Nutzungsdauer ist auf 20 Jahre ausgelegt. Der örtliche Helferkreis begrüßt die Entscheidung des Gemeinderats. "Das ist optimal, so wie es gelaufen ist", sagt Sprecher Joachim Jacob, der die Debatte im Gemeinderat verfolgt hat. Rasch war man sich im Gremium einig, dass die Chance auf eine bessere Unterbringung für die Geflüchteten genutzt werden solle. Nicht nur, weil die momentan vorhandenen Container kein gutes Wohnumfeld bieten. Sondern auch, weil das Baurecht für die aktuelle Anlage in drei Jahren ausläuft. Alle Geflüchteten, die ein Bleiberecht haben und als sogenannte Fehlbeleger in der Unterkunft leben, müsste die Gemeinde dann möglicherweise auf eigene Kosten unterbringen, erklärte Bürgermeister Marcel Fath (FW).

"Dieses Risiko ist zu hoch", sagte Andrea Stang (FW). Blieb die Frage, ob man ein Haus für 50 oder zwei Häuser für 100 Menschen will. Fath sprach sich für die größere Lösung aus. Dann stelle das Landratsamt eine Fachkraft, einen "Kümmerer", in Vollzeit für die Bewohner als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch könne man dann vielleicht noch einen Schulungsraum für die Volkshochschule in einem der Holzgebäude einrichten und einige Räume mit einheimischen Obdachlosen belegen. "Einen Kümmerer braucht man unbedingt", meinte Wolfgang Stadler (SPD). Auch Günter Fuchs (CSU) fand: "Zwei Häuser sind für alle ein Gewinn." Eine gemischte Belegung, "das ist die Grundlage der Integration". Allerdings dürften die Gebäude, die der Freistaat errichtet, nur für Geflüchtete und einheimische Obdachlose genutzt werden, sagte Fath.

Doch es gab auch Stimmen dagegen. 100 Bewohner seien für den kleinen Ort zu viel, sagte Lydia Thiel (CSU). Ein Gebäude reiche aus. "Die anderen werden schon irgendwo untergebracht." Auch Gerhard Weber (CSU) plädierte für ein Haus. Den Kümmerer könne man sich mit einem Nachbarort teilen. Allerdings funktioniere das schlecht, betonte Stadler.

Kurz diskutiert wurde über den Standort. Neben dem gemeindlichen Grundstück am Ortsausgang Richtung Obermarbach stand auch eine private Fläche am Westring gegenüber dem geplanten Feuerwehrhaus zur Auswahl. Beide liegen ortsnah, S-Bahnhof und Einkaufsmöglichkeiten sind zu Fuß erreichbar. Fath plädierte mit einigen FW-Gemeinderäten für das Areal am Westring, um sich eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebiets nicht zu verbauen. Die Mehrheit entschied aber für das Gemeindegrundstück, das eigens für die Unterbringung von Geflüchteten angekauft worden war.

Das Votum des Gemeinderats stößt beim örtlichen Helferkreis auf volle Zustimmung. Sprecher Joachim Jacob kennt die Wohnsituation in der Karlsfelder Anlage als "sauber und ordentlich". Eine Wohngruppe mit drei Zimmern verfügt dort über Bad, Küche und Aufenthaltsraum, aktuell müssten sich alle Bewohner eines Containers eine Küche teilen. "Das macht viel aus." Zudem sei es in den schlecht isolierten Blechbehausungen im Sommer brütend heiß, im Winter extrem kalt, ein Raum für Kurse fehle und der vom Landkreis gestellte Kümmerer sei nur stundenweise vor Ort. Die nun geplanten Holzgebäude seien da unter jedem Aspekt eine gute Lösung. "Nun hoffen wir, dass es schnell geht."