Altomünster Vatikan löst Birgittenkloster auf

Schwester Apollonia ist die einzige Nonne ihres Ordenszweigs, die im Kloster Altomünster lebt. Drei müssen es laut Vatikan mindestens sein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Per Dekret aus Rom soll der einzige Standort des Ordenszweigs in Deutschland geschlossen werden. In Altomünster geht mit dem Weggang der letzten Nonne eine mehr als 500-jährige Geschichte zu Ende.

Von Viktoria Großmann

Der Vatikan will das Birgittenkloster Altomünster auflösen. Eine Ordensschwester der Franziskanerinnen in Schönbrunn ist per Dekret aus Rom mit der Schließung des Klosters, in dem nur noch eine Nonne des ursprünglichen Ordens lebt, beauftragt worden. Priorin Apollonia und der Leiter des Gästehauses im Kloster, Jörg Fehlner, wurden von der Nachricht am Mittwochvormittag überrascht. Eine Delegation aus dem Erzbistum München überbrachte sie persönlich. Das Kloster dieses Zweigs des Ordens der Heiligen Birgitta von Schweden ist das einzige in Deutschland und eines von nur vier in ganz Europa. In Altomünster ist der Orden seit 1497 ansässig, er ist allein dem Vatikan und nicht dem Bistum unterstellt.

Jörg Fehlner, studierter Theologe, arbeitet seit dem 1. April im Kloster. Er versteht das Vorgehen des erzbischöflichen Ordinariats und des Vatikans nicht. "Knall auf Fall ohne jede Ankündigung" habe ihn der Bescheid getroffen. Das sei typisch für die Verwaltungsstrukturen der Erzdiözese. "So geht man nicht mit Christenmenschen um", schimpft er. Während laut Dekret für Schwester Apollonia gesorgt werden soll, steht sein Arbeitsplatz auf dem Spiel. Fehlner will sich nun mit Anwälten beraten. Zwar müsse ein römisches Dekret grundsätzlich angenommen werden, doch: "Wir werden für das Kloster kämpfen."

Verwunschen-paradiesisch

Priorin Apollonia gestattet einen Rundgang durch das sonst fest verschlossene Birgittenkloster in Altomünster. Mehr als 100 Zuhörer lassen sich von Historiker Wilhelm Liebhart durch die wunderbaren Gärten und geheimnisvollen Gebäude führen Von Petra Neumaier mehr ...

Wie Fehlner sagt, gehen Vatikan und Erzdiözese von falschen Voraussetzungen aus. Im Dekret heißt es, die Auflösung sei "unvermeidlich", denn: "Die beiden verbleibenden Schwestern, von denen eine außerhalb des Klosters lebt, können keine ordentliche Leitung mehr bilden." Tatsächlich lebt eine der Nonnen in einem Altersheim in München. Auch neue Kandidatinnen helfen nicht, denn eine Schwester allein, könne keine Novizinnen ausbilden, erklärt ein Sprecher des Erzbistums.

Priorin Apollonia ist aber laut Fehlner keineswegs allein. So lebt seit diesem Jahr eine Schwester vom neueren, schwedischen Zweig der Birgitten in Altomünster. Im Dezember erwarte man eine dritte Novizen-Kandidatin. Hinzu komme, dass vier Frauen der Gemeinschaft Donum Domini, die ihren Sitz im Kloster Altomünster hat, überlegten, sich dem Birgittenorden anzuschließen. Die "Gemeinschaft Familie für das Leben", wie sich in einem Zusatz nennt, beruft sich auf den Heiligen Don Bosco und engagiert sich gegen Abtreibung. Kirchlich anerkannt ist sie laut Ordinariat nicht, wegen "konfuser Inhalte und schräger Statuten".

Rom gefallen die Neuerungen im Kloster nicht

In diesem Jahr wurde mit einer grundlegenden Sanierung des Klosters begonnen, seit dem 1. Juni veranstaltet das Unternehmen Burnout-Centrum aus Landsberg im Kloster Seminare, Fastenprogramme und Vorträge. Damit hat das Kloster eine neue, wichtige Einnahmequelle generiert. Man blicke in eine "aufblühende Zukunft", sagt Fehlner. Aufregung verursachte die Ankündigung, dass auch der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa unter den Referenten sein sollte. Fehlner kennt Mixa aus einer früheren Tätigkeit. Mixa war wegen Vorwürfen der Kindsmisshandlung und Veruntreuung zurückgetreten. Mittlerweile steht Mixa nicht mehr auf der Referentenliste auf der Homepage des Burn-out-Zentrums. Dieses bietet auch ein Psychologiestudium an, "ohne Numerus Clausus und Wartezeit", wie der Veranstalter wirbt, zertifiziert von einer Fakultät in Bulgarien.

In Rom sieht man die Neuerungen im Kloster offenbar kritisch. Im Dekret heißt es auch, Aufgabe der Franziskanerin, welche die Auflösung leitet, sei es "die unzulässige Einmischung Dritter zu kontrollieren". Das Ordinariat erklärte dazu nur, dass man sich allgemein bei Klosterauflösungen vor Geschäftemacherei schützen müsse. Fehlner, der kein Geistlicher ist, aber sich etwa für seinen Vortrag auf der Diva als Augustinermönch Abraham a Sancta Clara verkleidete, sieht das Kloster als "eine Zelle der katholischen Spiritualität", die erhalten werden müsse.