Klimawandelweg in Altomünster:Botschaften der Krise

Klimawandel Weg

Rund um das Kloster sind etwa 20 Plakattafeln angebracht.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Nachhaltigkeitsgruppe "Plan A", Studierende der Technischen Hochschule Ingolstadt und Jugendliche des JUZ Altomünster machen mit Plakattafeln an öffentlichen Plätzen auf die Folgen der Klimakatastrophe aufmerksam. Das Projekt soll aufrütteln.

Von Horst Kramer, Altomünster

Rund um das Altomünsterer Klosterareal sind sie zu finden: Etwa 20 Plakattafeln, die sich mit einem der wichtigsten Themen des 21. Jahrhundert beschäftigen, dem Klimawandel. Es handelt sich dabei nicht um Wahlplakate oder sonstige Botschaften einer politischen Gruppierung, die vor der Bundestagswahl auf sich aufmerksam machen will. Vielmehr geht es unter anderem um die Folgen einer Vier-Grad-Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts, den CO₂-Fußabdruck von Billigtextilien oder die Bedeutung von Mooren für die Verbesserung des Klimas. Die Tafeln sind Teil des "Klimawandelwegs", der vor Kurzem in Altomünster präsentiert wurde.

Studierende der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) haben die Plakattafeln grafisch und inhaltlich gestaltet. Die Verbindung zu den Studentinnen und Studenten hat die Professorin Ingrid Stahl hergestellt, eine Altomünstererin, die sich in der Nachhaltigkeitsgruppe Plan A ihres Heimatorts engagiert und in Ingolstadt "Mensch-Maschine-Interface-Design", kurz MMI lehrt. In dem Studiengang geht es darum, wie Hardware oder Software gestaltet sein müssen, damit sie von den Nutzenden problemlos verstanden und bedient werden können. Verständlichkeit und Übersichtlichkeit spielten dabei eine große Rolle, erzählte die gelernte Diplom-Designerin für "Visuelle Kommunikation", die in Augsburg, Belfast und der Ohio Stade University studiert hat. Seit 1994 sitzt sie auf dem MMI-Lehrstuhl in Ingolstadt.

Klimawandel Weg

Von einem Baum im Altohof hängen Holzscheiben, auf denen Jugendliche aus Altomünster ihre Botschaften geschrieben haben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Sommer gab sie 50 ihrer Studierenden die Aufgabe, ein beliebiges Thema über den Klimawandel auszuwählen und in einem vorgegebenen Plakatformat zu erarbeiten. Diese sollten wissenschaftlich valide und mit Quellenangaben nachvollziehbar sein. Dass 20 dieser Plakate nun auf einem "Klimawandelweg" im Altomünsterer Ortszentrum zu sehen sind, hat wiederum mit dem Kunstweg im Altoforst zu tun, den im vergangenen Winter die Kulturreferentin der Marktgemeinde, Susanne Köhler (FDP), und die Kabarettistin Martina Schwarzmann initiiert hatten und der zu einem überraschenden überregionalen Erfolg wurde. Zu diesem Weg hatten auch einige Plan-A-Mitglieder eigene Werke beigesteuert - mit Motiven, welche die Gruppe beschäftigen: Klimawandel, nachhaltige Lebensformen oder gesunde Ernährung.

Der Klimawandelweg greift das Konzept der öffentlichen Kunst für alle auf, nur dass es statt um individuelle Befindlichkeiten um nachvollziehbare und nachprüfbare Informationen im öffentlichen Raum geht. So beschreibt jedenfalls die Plan-A-Migründerin Tanja Lademann die Grundidee des Klimawegs. Ein drittes Element steuerten Jugendliche aus dem Altomünsterer Jugendzentrum bei: Sie schmückten zwei Ahornbäume im Altohof (hinter dem Rathaus) mit kleinen Holzscheiben, die sie mit Klima-Botschaften und ihren Wünschen beschrifteten. "Keine Massentierhaltung" steht auf einer, "Liebe das Leben" auf einer anderen. Zahlreiche Scheiben sind noch nicht beschriftet. "Dort können Leute, die den Klimawandelweg besucht haben, ihre Verbesserungsideen aufschreiben", erläuterte eine der Jugendlichen.

Der Dritte Bürgermeister der Marktgemeinde, Josef Riedlberger (CSU), begrüßt und unterstützt das Projekt. "Wir müssen sehr viel mehr tun, um den Klimawandel zu begrenzen", sagt Riedlberger. "Das wird aber nicht zu Hause von der Couch gehen", so der Energie- und Landwirtschaftsexperte, alle müssten ihr Verhalten ändern. Er warb nachdrücklich für die Aufstellung von weiteren Windrädern und für Bürgerwindkraft-Gesellschaften.

Ingrid Stahl, Josef Riedlberger, Tanja Lademann sowie Plan-A-Mitgründer Professor Florian Hörmann und weitere Interessierte gingen den Klimawandelweg bereits ab. Im Altohof informiert ein Plakat zum Beispiel darüber, dass 2050 mehr Plastik im Meer herumschwimmen wird als Fische. Bei einem anderen Plakat geht es um Nachhaltigkeit. Vieles auf dem Weg ist auch für Experten neu oder überraschend, manches kurios. Etwa eine Tafel im St. Birgittenhof, die auf die Bedeutung von Fledermäusen beim Klimawandel aufmerksam macht.

Die Route führt vom Altohof hinunter zur Nerbstraße, dann Linkerhand auf dem Fußweg oberhalb des Parkplatzes bis zu einem Richtungspfeil, der nach links weist. An der Schultreppe geht es hinauf zur berühmten "ganz alten Schule", die seit Jahren aufwendig restauriert wird. In deren Blühwiesen-Vorgarten heißt es auf einer Tafel: "Die Deutschen unterschätzen die Kosten ihres Autos um 52 Prozent." Einige Meter weiter behandelt ein Plakat nachhaltige Baumaterialien. Durch den "dunklen Gang" geht es in den kleinen Hof zwischen Kirche und Kloster. Dort ist ein Plakat aufgestellt, das indirekt für weniger Fleischkonsum wirbt. Von hier geht es zurück zum Altohof.

Die Plakate sind übrigens wasserfest, erläutert Professorin Ingrid Stahl. Sie habe das schon in der Praxis getestet, denn als sie und ihre Mitstreiterinnen die Plakate und Bilder aufgestellt haben, hätte es heftig gegossen, erzählt die Professorin. "Fassen Sie das mal an", fordert sie die Anwesenden bei einem Plakat auf, das sich thematisch um Bausand dreht: Es ist komplett trocken.

© SZ vom 24.08.2021
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