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Corona und die Kultur:Kunst auf dem Rechner

Ein Leben ohne Kunst und Kultur - auch jetzt für viele kaum vorstellbar. Was Münchens Museen und Ausstellungshallen digital zu bieten haben. Ein Überblick.

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Deutsches Museum:Reisen durch Zeit und Raum

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Quelle: Deutsches Museum

Auch wenn man das Deutsche Museum angesichts der Corona-Krise dieser Tage nur virtuell betreten kann, stellt sich doch dasselbe Gefühl ein, wie wenn man physisch ins Foyer eintritt: Überforderung. Denn das Online-Angebot des Museums ist fast so umfangreich wie die Sammlung des Hauses selbst. Allerdings sind die Inhalte nicht zentral von einer Website zugänglich. Man muss sich ein bisschen durchklicken. Aber hat man sich orientiert, liefert das Angebot Material für mehr als einen Nachmittag auf dem Sofa.

Von der Startseite der Website gelangt man über die Rubrik "Filme" zum YouTube-Kanal des Museums. Hierüber kommt man auch vom Sofa aus in den Genuss der wohl aufregendsten Attraktionen des Museums: die Vorführungen. Die Videos der Experimente mit flüssigem Stickstoff oder der Hochspannungsanlage sind eine spannende und zugleich lehrreiche Alternative zur zigsten Serienepisode auf Netflix. Außerdem liefert der Kanal einen kleinen Einblick in die aktuelle Ausstellung "Kosmos Kaffee". Mit einer Art Drohnenflug über die Ausstellung kann man sich einen Überblick verschaffen. Man kann aber auch Experten zuschauen, die im "Science Café" Cappuccino zubereiten. Wer sich dann, frisch inspiriert, auch zu Hause als Barista ausprobieren will, findet in den Podcasts des Museums den idealen Begleiter. Sie finden sich unter der Rubrik "Wissen zum Hören" und bieten die Möglichkeit, nebenbei etwas über Doppelpedalharfen oder Glasfaserkleider zu lernen.

Über den Reiter "Sammlungen" findet sich ein Link zu "Once Upon a Try", ein Online-Projekt von Google Arts and Culture. In Zusammenarbeit mit mehr als 100 Institutionen aus 30 Ländern werden dort die Fortschritte der Technologie gezeigt. Auch das Deutsche Museum ist mit 20 Geschichten vertreten, die entweder Einblick in alte Sonderausstellungen geben, wie etwa "energie.wenden", oder wurden wie "Hel-den des Alltags: legendäre Innovationen deutscher Erfinder" eigens für das Projekt erstellt.

Ein unter dem Reiter "Sammlungen" aufgeführter Link führt aber auch zur Digitalen Sammlung des Museums. Im Digitalen Katalog kann die Sammlung eingesehen werden, von Ferngläsern über Graphomaten bis zu Kameras. Wer sich von den gut 100 000 Exponaten erschlagen fühlt, dem sei die Rubrik "Stöbern und Entdecken" ans Herz gelegt, hinter der sich thematisch zusammengefasste Objektsammlungen verbergen. "Die 50er Jahre" etwa entführen auf eine Zeitreise, "Die Geschichte der Astronomie" gar in ferne Galaxien. Über den Bereich "Bibliothek" bekommt man Zugang zur größten Museumsbibliothek Deutschlands. Lange Nachmittage in Quarantäne bieten die Gelegenheit, naturwissenschaftlichen Lektürerückstand aufzuholen. Und wann bekommt man schon die Gelegenheit, im 1515 erschienenen "Almagestum" von Claudius Ptolemaeus, zumindest virtuell, zu blättern?

Wem das noch zu weit von einem echten Besuch entfernt ist, der sollte sich mittels des virtuellen Rundgangs auf einen Streifzug begeben, wenngleich der etwas schwer zu finden ist. Am besten füttert man eine Suchmaschine mit "virtueller Rundgang Deutsches Museum". Wenn man allerdings noch nie im echten Museum war, fällt auch hier die Orientierung recht schwer. Die teilweise etwas zu empfindliche Steuerung macht die Navigation durch die Räume nicht einfacher. Einen guten Einstieg bieten daher die drei interaktiven Audiotouren zu Schifffahrt, Luftfahrt und Raumfahrt. "Eine Reise durch Welt, Raum und Zeit" lautet deren Motto. So geleitet der Audioguide "Schifffahrt" einen vorbei an persischen Zaruks oder Kolumbus' Notizen. Im Untergeschoss blickt man sogar in ein "Auswanderer-Deck". Während der Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert von Europa nach Amerika gelangten die meisten Menschen im Bauch von Segelschiffen an ihr Ziel. Und wie sie können wir dieser Tage nur von der großen, weiten Welt träumen.

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Staatsgemäldesammlungen:Ein bunter Strauß

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Quelle: Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Es geht um Schuld und Scham bei Rubens' "Jüngstem Gericht", um Farben und Formen bei Mackes "Mädchen unter Bäumen", um die Entstehungsgeschichte zu Warhols "Letztem Abendmahl", um Hintergründe, Abhängigkeiten, künstlerische Selbstbehauptung und vieles mehr bei bekannten Werken zeitgenössischer Künstler wie auch Alter Meister. Warum beispielsweise ging Van Gogh nach Arles und warum malte er so etwas Alltägliches wie Sonnenblumen?

Wer Antworten darauf sucht, sollte sich 60 Sekunden Zeit nehmen, um sich mit Joachim Kaak, dem Referenten für die Neue Pinakothek, auf einen Online-Rundgang zu begeben. "#Kunstminute" heißen die 23 kleinen Filme, in denen die Referenten und Kuratoren der Staatsgemäldesammlungen auf Online-Streifzügen einzelne Werke erläutern. Weitere Kunstminuten, Diskussionsveranstaltungen und Vorträge gibt es zudem auf Youtube.

Darüber hinaus arbeiten die Staatsgemäldesammlungen schon länger daran, die 25 000 Kunstwerke in den 17 Museen in ganz Bayern in einer Online-Sammlung digital zugänglich zu machen. Vollmundig wirbt die Website: "Folgen Sie uns in den sozialen Medien auf Facebook, Twitter oder Instagram, gucken Sie unsere #Kunstminute und weitere Filme auf Youtube, lesen Sie in unserem Blog, stöbern Sie in unserer Online-Sammlung und erkunden Sie unsere Digitale Strategie." Mit verschiedenen Mitteln - und unterschiedlichem Erfolg - wird hier versucht, den Leitsatz der Strategie umzusetzen: "Originale digital erleben." Das gelingt in der Online-Sammlung beispielsweise nach wie vor nur bedingt. Denn noch immer reichen die Vereinbarungen (und vor allem das Geld dafür) nicht aus, um Kunstwerke, die noch dem Urheberrecht unterliegen, abzubilden.

Die Präsenz der Staatsgemäldesammlungen mit Alter und Neuer Pinakothek, Pinakothek der Moderne und Sammlung Schack in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter und Instagram ist vorhanden, wirkt aber eher bescheiden. Hier macht sich bemerkbar, dass kaum personelle Kapazitäten vorhanden sind, um die Social-Media-Kanäle auch aufwendig zu pflegen - und das in Zeiten, wo die digitalen Möglichkeiten von gestern schon morgen uralt wirken können. Der Blog bietet zahlreiche Stimmen zu einzelnen Sonderausstellungen und Aktionen wie beispielsweise zur großen Van-Dyck-Schau, die bis Februar in der Alten Pinakothek zu sehen war. Auch die Halbwertszeit von Blogs sinkt rapide und bedarf neuer Impulse.

Etwas enttäuschend wirkt der digitale Auftritt des Museums Brandhorst. Zwar lassen sich sowohl die Sammlung wie auch die aktuelle Ausstellung "Forever Young" online entdecken, und viele zeitgenössische Werke sind abgebildet. Doch in der Mediathek finden sich weder Videos noch Audiofiles, sondern nur Interviews in Schriftform. Die Graphische Sammlung, das Architektur- und das Designmuseum in der Pinakothek der Moderne sind digital schlichtweg unsichtbar. Hier herrscht dringend Handlungsbedarf.

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Stadtmuseum:Wo die Sterne leuchten

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Quelle: Stadtmuseum München

Den überbordenden Bestand des Münchner Stadtmuseums auch nur annähernd zu digitalisieren, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Doch die Online-Sammlung präsentiert wirklich viele Kunstwerke aus allen Sammlungsschwerpunkten des Hauses, deren Objekte aus den Bereichen Angewandte Kunst, Fotografie, Grafik, Gemälde, Mode, Puppentheater und Schaustellerei, Reklamekunst und Stadtkultur stammen. Nach diesen Hauptkategorien sind online auch die Bild-Alben strukturiert.

Da kann man anhand von Künstlerplakaten wunderbar eintauchen in längst vergangene Zeiten, feiert bei der Schaustellerei ein virtuelles Oktoberfest oder rast mit dem Karussell "Moonlift" dem "Wahnsinn" entgegen. Mit mehr als 400 Exponaten aus der Dauerausstellung "Typisch München" kann man auch online im "Mia san mia"-Gefühl schwelgen, aber auch aktuelle Stadtkultur und Migrationsgeschichte kommen nicht zu kurz. Und allein die Objekte aus dem Bereich Puppentheater oder die Zeitschriften aus der Von Parish Kostümbibliothek laden zu stundenlangem Verweilen ein. Wer nicht in bestimmte Alben und Schwerpunkte eintauchen will, findet unter der Rubrik "Inspiration" einige Anregungen, um unbekannte und skurrile Objekte zu erkunden.

Richtig viel Zeit muss mitbringen, wer die ganze Online-Sammlung erkunden will. Filme und andere Formate gibt es nicht. Aber nach verschiedenen Stichpunkten kann man nach Herzenslust stöbern, kann nach Künstlern und Zeiträumen gefiltert systematisch suchen - oder individuell Begriffe in die Suchmaske eintragen. Dass man bei Moriskentänzer Treffer landet, ist nicht verwunderlich. Aber was sich hinter "Maccaroni" verbirgt, ist doch erstaunlich.

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Villa Stuck:Immer wieder sonntags

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Quelle: Lisa Walker

"Jeder Tag in der Woche ist jetzt Sonntag." So lautet das Credo des Museums Villa Stuck dieser Tage. Das heißt nicht, dass die Mitarbeiter sich ausruhen, sondern dass man sich nun - wie bisher nur sonntags - die gesamte Woche über online präsentiert. Wer erwartet hatte, dass bei diesem Haus, das auch für seine Jugendstilsammlung und die historischen Räume bekannt ist, nur eine Online-Bilder-Sammlung zum Durchklicken oder -wischen vorhanden sein würde, reißt nun erstaunt Augen und Ohren auf.

Natürlich gibt es da die ganz normalen Informationen zum Museum und zu den Ausstellungen, begleitet von einigen Bilddateien. Aber in der Villa Stuck liegt das Hauptaugenmerk tatsächlich auf allen aktuell zur Verfügung stehenden Social-Media-Kanälen. Facebook, Instagram und Twitter werden bespielt und es gibt einen Blog. Das reichhaltigste Angebot finden die Besucher vor allem aber auf dem eigenen Youtube-Kanal. Dort sind zahlreiche Künstlergespräche veröffentlicht und im "100 Sekunden"-Format auch Videos von Künstlern, die durch die eigenen Ausstellungen führen. Auch "Making Of"-Filmchen und Kuratoreneinblicke, Aufzeichnungen von Aktionen und Festen und Ausschnitte aus dem Kinderprogramm "Fränzchen" finden sich dort auch.

Die Villa Stuck überzeugt vor allem damit, wie schnell und umfassend sie auf die Schließung des Hauses auf Grund des Corona-Virus' reagiert hat. Während andere Häuser hinsichtlich ihrer Begleitprogramme wie Vorträge und Führungen auf der Homepage meist lapidar mitteilen, dass diese abgesagt sind, hat die Villa Stuck zahlreiche Möglichkeiten entdeckt, auch online ein lebendiges Vermittlungsprogramm anzubieten.

Unter dem Hashtag #stuckathome wird ein Kalender angeboten, der so vielfältig ist, dass kaum ein Tag vergeht, an dem nicht irgendetwas aktuell passiert. Würde das alles tatsächlich an Sonntagen geschehen, hätten alle Beteiligten bald keinen freien Sonntag mehr. Ein festes Format ist etwa jeden Dienstag um 13.30 Uhr #askthedirector, bei dem Michael Buhrs im Livestream Rede und Antwort steht. Dass der erste Stream in der Reihe bereits am 17. März stattfand, zeigt, wie schnell die die Villa Stuck auf die Aussetzung des normalen Museumsbetriebs reagiert hat.

Außerdem sollen ständig neue "100 Sekunden"-Filme veröffentlicht werden, beispielsweise mit der aktuell ausgestellten Schmuckkünstlerin Lisa Walker. Künstlerinterviews und virtuelle Spaziergänge durch die historischen Räume stehen ebenso auf dem vorläufig bis 19. April datierten Programm wie ein Philosophisches Foyer mit Paulus Kaufmann in der "Friday Late"-Reihe am 3. April oder ein "Höhlenkonzert" in der Installation von Martin Heindl am 10. April. Das DJ Set von Oda Halitit, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden musste, wird am Freitag, 27. März, um 22 Uhr online gestellt. Und ganz wichtig: Die kommende Ausstellung "Die Demokratische Schnecke. Ein großes Märchen" wird derzeit überarbeitet, um sie ebenfalls online zu präsentieren.

Michael Buhrs, der Direktor der Villa Stuck, sieht alles als ein work in progress. Der #stuckathome-Kalender wird sich über die nächsten Tage wahrscheinlich noch an vielen Stellen verändern. Denn, so sagt Buhrs, "das ist für uns alles natürlich Neuland, aber wir fuchsen uns irgendwie rein".

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Haus der Kunst:Dabeisein und mitmachen

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Quelle: Connolly Weber Photography

Keine eigene Sammlung zu haben, kann mitunter auch Vorteile mit sich bringen. Während die Museen sich seit Jahren damit mühen, ihre Bestände zu digitalisieren, können sich Ausstellungshallen darauf konzentrieren, ihre jeweils aktuellen Präsentationen zu dokumentieren, die Begleitprogramme digital aufzubereiten und alle Social-Media-Kanäle zu bespielen. Die fehlende Sammlung mag also beim Haus der Kunst ein Grund sein, warum man ein so umfangreiches digitales Angebot machen kann. Dass dieses aber schon seit Jahren umfassend und sehr kreativ gestaltet wird, davon profitiert die Ausstellungshalle am Englischen Garten in diesen Zeiten ganz besonders.

Schon die Eröffnungsseite ist hier vorbildlich. Nach dem Motto: "Es gibt so viel mehr Geschichten zu erzählen, als auf den ersten Blick in unseren Ausstellungsräumen zu finden sind", lädt das Haus auf einem neuen Blog ein zu Einblicken hinter die Kulissen, zu Infos zu den Ausstellungen, den Künstlerinnen und Künstlern sowie der Arbeit rund um die Ausstellungshalle. Da gibt es beispielsweise Bilder und Hintergründe zur Ausstellung "Shifting Perspective" von Franz Erhard Walther.

Wer vor der Corona-bedingten Schließung des Hauses der Kunst keine Gelegenheit hatte, die Ausstellung "Innenleben" zu besuchen, kann es hier zumindest virtuell nachholen. Und nebenbei über physische wie psychische Innenräume philosophieren. In diesen Tagen ein mehr als naheliegendes Thema. Kuratorin Anna Schneider macht sich in Zusammenhang mit der "Innenleben"-Ausstellung Gedanken über Kosmopolitismus in der heutigen Gesellschaft. Dimona Stöckle hat den künstlerischen Produktionsprozess von Leonor Antunes begleitet, die anlässlich der Ausstellung und in Kooperation mit der Porzellan Manufaktur Nymphenburg eine Edition für das Haus der Kunst entwickelt hat.

Im Youtube-Kanal sind viele erläuternde Videos der Kuratoren mit visuellen Streifzügen durch die aktuellen, aber auch vergangenen Ausstellungen zu sehen. Künstlergespräche und Vorträge auf Symposien kann man dort - mitunter auch in epischer Länge - ebenso noch einmal ansehen wie Performances und Konzerte erleben.

Interaktiv ist die Instagram-Aktion zur Ausstellung "Innenleben". Die Frage: "Was sagt der Innenraum heute über unseren eigenen Seelenzustand, aber auch über unser Verhältnis zum Außen aus?" haben sich nicht nur die Macher der Ausstellung gestellt, sie haben sie auch der Öffentlichkeit gestellt und die Menschen gebeten, Fotos der eigenen Wohnung auf Instagram zu posten. Herrlich, was es dabei so alles zu entdecken gibt. Noch bis zum 29. März kann jeder auf Instagram, Twitter und Facebook mitmachen. Erste Eindrücke der #Interiorities-Aktion sind auch im gleichnamigen Blog-Eintrag auf der Website des Hauses der Kunst zu sehen.

Und schließlich gibt es auch noch etwas zum Anhören: Der Künstler Theaster Gates hat im Rahmen seiner Installation "Black Chapel" in der Mittelhalle des Hauses der Kunst die Schallplattensammlung des Sportlers Jesse Owens im Archivraum zugänglich gemacht, und DJ Jay Scarlett hat eine wunderbare Playlist zusammengestellt, die von Esther Phillips bis Billie Holiday reicht (nur schade, dass die Titel nur an- und nicht vollständig ausgespielt werden). Doch für alle Besucher, die bisher regelmäßig zu den Listening-Sessions ins Haus der Kunst pilgerten, sind es wenigstens kleine musikalische Happen, mit denen es sich ganz wunderbar in die Vergangenheit zurückträumen lässt, als Amerika noch eine aufregende und vielversprechende Verheißung war.

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Lenbachhaus:Prickeln in Pixeln

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Quelle: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus war schon immer ein Publikumsmagnet unter den Münchner Museen. Das liegt - nicht nur, aber auch - am Blauen Reiter. Die meist knallbunten Bilder und naturnahen Motive sprechen viele Menschen an. Wer aktuell etwa den Besuch im Münchner Tierpark vermisst, sollte sich aufmachen, die Online-Sammlung des Lenbachhauses zu erkunden. Ein digitaler Zoobesuch lässt sich über den Button "Entdecken" leicht zusammenstellen. Dabei sollte man nicht nur nach August Mackes "Zoologischer Garten" Ausschau halten, der flanierende Herren mit Hut zwischen Rehen und Papageien zeigt. Vor allem Franz Marcs berühmte Tierbilder wie das blaue Pferd, der gelbe Tiger, die bunten Kühe, die zahlreichen Rehe im Walde oder das Äffchen sowie die Fabeltiere sind bestens geeignet, sich in einen virtuellen Tierpark hineinzuträumen.

Mehr als 1500 Werke aus der Sammlung sind mittlerweile online verfügbar. Das reicht vom 19. Jahrhundert über den Blauen Reiter und die Neue Sachlichkeit bis hin zur zeitgenössischen Kunst. Und anders als bei anderen Online-Sammlungen sind hier auch all jene Werke, die noch dem Urheberrecht unterliegen, abgebildet, weil alles daran gesetzt wurde, mit den Rechteinhabern übereinzukommen. Neu ist seit dem Relaunch der Website im Januar, dass die Werke auch mit Schlagwörtern versehen sind, die die Motive beschreiben. Das erleichtert jedem Laien die Suche nach beliebten Motiven und bestimmten Themen ungemein, auch wenn der genaue Titel eines Werks nicht bekannt ist. Wer mag, kann sich also direkt über das Suchfeld durch die Online-Sammlung navigieren. Es werden aber auch einzelne digitale Alben angeboten, in denen es sich herrlich herumstöbern lässt, und in denen man vielleicht auf ganz neue Zusammenhänge stößt. Zusatzinformationen und die Verweisfelder helfen hier, auch kunsthistorische Bezüge kinderleicht zu erkennen.

Seit der Ausstellung "I'm a Believer. Pop Art und Gegenwartskunst aus Lenbachhaus und KiCo Stiftung" werden nun regelmäßig Videos zu den Ausstellungen produziert und auf Youtube gestellt. Noch steht das Lenbachhaus da am Anfang. Bisher gibt es den Ausstellungsfilm zu "I'm a Believer", demnächst sollen weitere Filme zu einzelnen Künstlern in der Ausstellung wie Daniel Man, Thomas Bayrle, Hans-Peter Feldmann und Sheela Gowda folgen. Auch eine Dokumentation der Verleihung des Maria Lassnig-Preises an Sheela Gowda mitsamt dem Vortrag von Ute Meta Bauer und dem Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist und Sheela Gowda ist geplant sowie ein Video-Interview mit der indischen Künstlerin. Die Social-Media-Kanäle Facebook, Twitter und Instagram werden mit Einblicken in die Ausstellungen bespielt, neu sind Themenschwerpunkte, die auf Pinterest veröffentlicht werden.

Aktuell aber der Hit aber dürfte die digitale Ausstellungseröffnung von "Sheela Gowda. It.. Matters" am Montag, 30. März, sein. Claudia Weber, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit im Lenbachhaus, hofft, dass möglichst viele Gäste die virtuelle Vernissage mitfeiern: "Wir werden uns alle mit einem Glas Prosecco in der Hand zu Hause vor den Bildschirmen zuprosten", hofft sie. Auf der Website des Lenbachhauses sollen dann nach und nach das Begleitheft zur Ausstellung, ein Ausschnitt aus dem Künstlerbuch, ein Ausstellungsfilm, die Dokumentation der Lassnig-Preisverleihung an Sheela Gowda, Podcasts mit verschiedenen Kuratoren, Videointerviews, Werkfotos sowie Installationsansichten veröffentlicht werden.

Übrigens: Bilder aus der Online-Sammlung des Lenbachhauses, die der Rechtefreigabe von "Creative Commons" unterliegen, darf man sogar in guter Qualität herunterladen und ausdrucken - für den individuellen Zoobesuch zu Hause.

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Museum Fünf Kontinente:Fremde Welten

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Quelle: Theodor Koch-Grünberg, 1911-191

Nicht nur viele Objekte, auch Tausende von Fotografien geben im Museum Fünf Kontinente Einblicke in ehemals fremde Kulturen und unbekannte Welten. Und auch wenn heutzutage viele Besucher diese aus eigener Anschauung kennen: Noch immer übt die Sammlung eine große Faszination aus. Dass man einmal derart auf die Online-Sammlung angewiesen sein würde, um sein Publikum zu erreichen, daran dachte man nicht, als die Sammlung im Mai 2017 nach dreijähriger Vorbereitungszeit online ging. Das Ziel war es zunächst, die Aufnahmen Wissenschaftlern und Nachfahren der Fotografierten zugänglich zu machen. Noch sind längst nicht alle Bestände digital erschlossen.

Etwa 135 000 Bilddokumente enthält die Sammlung in Form von Glasplatten, Papierabzügen, Dias und Fotoalben. Die frühesten Aufnahmen stammen von 1870. Zu den herausragenden Werkgruppen gehören Aufnahmen von Expeditionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie die des Ethnologen Theodor Koch-Grünberg nach Amazonien, des Ehepaars Christine und Lucian Scherman nach Burma, Indien und Ceylon und des Paters Meinulf Küsters nach Ostafrika. Fotodokumente auch von unbekannten Forschungs- und Privatreisenden, frühe Aufnahmen renommierter Fotostudios sowie Ankäufe, Vor- und Nachlässe sowie Schenkungen erweitern den Bestand fortwährend. Mittlerweile gehören auch Fotos von Museumsobjekten, Filme sowie Tonaufnahmen dazu.

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Bayerisches Nationalmuseum:Im Dornröschenschlaf

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Quelle: Bayerisches Nationalmuseum / Bastian Krack

Auch wenn sich das Schatzkästchen an der Prinzregentenstraße in den vergangenen Jahren wunderbar herausgeputzt hat, verharrt es noch immer in weiten Teilen im Dornröschenschlaf, aus dem es nur hin und wieder erwacht, wenn eine publikumsträchtige Sonderausstellung ansteht. Zuletzt konnte man mit "Treue Freunde. Hunde und Menschen" neue Publikumsschichten anlocken. Und hier setzte das Bayerische Nationalmuseum auch verstärkt auf Neue Medien, was ihm ein wenig mehr digitale Aufmerksamkeit bescherte.

Das ist in Zeiten wie diesen auch dringend notwendig. So kann man sich jetzt zumindest durch die Beiträge des Blogger-Walks #BNMArtDogs durchklicken und über das ein oder andere schmunzeln. Ansonsten bleibt einem nur, sich etwas mühselig durch die Bildergalerien zu hangeln, um die Sammlung kennenzulernen. Auf Facebook ist man immerhin, Instagram und Youtube sollen folgen, verspricht Museumsdirektor Frank Matthias Kammel.

© SZ vom 26.03.2020/vewo

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