Wirtschaft in München:Warum verkauft einer der größten Immobilien-Entwickler die Hälfte seines Unternehmens?

Ralf Büschl in der Paketposthalle in München, 2019

Ralf Büschl, so viel kann man wohl sagen, wird in zehn oder 15 Jahren das Gesicht Münchens an einigen Stellen geprägt haben. Etwa 10 000 Wohnungen hat er in verschiedenen Projekten in der Entwicklung. Unter anderem will er zwei Türme von 155 Metern Höhe neben der Paketposthalle bauen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Kölner Baufirma Bauwens erwirbt die Hälfte der Anteile am Münchner Immobilienkonzern Büschl.
  • Büschl entwickelt derzeit rund 10.000 Wohnungen in München sowie mehrere weitere Großprojekte.
  • Das Münchner Unternehmen bestreitet, dass Geldsorgen Grund des Verkaufs seien.

Von Sebastian Krass

Einer von Münchens bedeutendsten Immobilienkonzernen ist zur Hälfte verkauft: Die Büschl Unternehmensgruppe, die bisher hauptsächlich als Projektentwickler auftritt, gehört nun zu 50 Prozent dem aus Köln stammenden Bauunternehmen Bauwens. "Wir möchten nicht mehr hauptsächlich Baulandbeschaffer sein, die dann verkaufen, sondern auch selbst Wohnungen in den Bestand nehmen und dem Münchner Mietmarkt zuführen", sagt Ralf Büschl, bisheriger Hauptgesellschafter der von seinem Vater Günter Büschl gegründeten Gruppe. Durch das Zusammengehen mit der Firma Bauwens, die schon selbst Häuser baut und danach betreibt, erweitere das Unternehmen sein Spektrum.

Büschl betreibt mehrere Großprojekte

Die Büschl-Gruppe entwickelt derzeit im Großraum München Grundstücke, auf denen etwa 10 000 Wohnungen entstehen sollen. Die größten sind der Eggarten in der Lerchenau (2000 Wohnungen), das Kirsch-Gelände in Allach (1400 Wohnungen) und ein Projekt in Perlach und dem Truderinger Forst (1350 Wohnungen). Büschl ist aber auch im innerstädtischen Bereich aktiv, etwa mit den laufenden Bebauungen des Osram-Geländes in Untergiesing (450 Wohnungen) und des "Holzkontors" in Haidhausen (120).

Besonderes Aufsehen erregte im vergangenen Jahr der Kauf der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke samt umliegender Flächen. In der denkmalgeschützten Halle mit ihren gewaltigen Dimensionen und drumherum will Büschl in den kommenden Jahren ein neues Quartier errichten, vermutlich auch mit neuen Hochhäusern. Eine Studie zur möglichen Nutzung, die dann zu einem Masterplan werden soll, entwickelt derzeit das Schweizer Architekturbüro Herzog/de Meuron. Auf die Ergebnisse muss die Öffentlichkeit noch ein bisschen warten. Sie sollen am 22. Juli in der Stadtgestaltungskommission erstmals präsentiert werden, wie Stadtbaurätin Elisabeth Merk erklärte.

Bauwens will "große Vorhaben" vorantreiben

Bei manchen Projekten ist die Büschl-Gruppe auch bisher nach der Schaffung des Baurechts beim Bauprozess dabei geblieben, mit wechselnden Partnern. Künftig gibt es dafür nur noch einen Partner: Man werde "die großen Vorhaben im Raum München, die Ralf Büschl in den Zusammenschluss einbringt, als Generalunternehmer sowie Generalübernehmer auch selbst realisieren", erklärt Patrick Adenauer, geschäftsführender Gesellschafter von Bauwens. Adenauer ist ein Enkel des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Der Bauwens-Chef ist auch in die Geschäftsführung der Büschl-Gruppe eingetreten. Vorsitzender der Geschäftsführung bleibt Ralf Büschl. Über den Verkaufspreis macht er keine Angaben.

Das 1873 gegründete Familienunternehmen Bauwens agiert - anders als die nur im Großraum München aktive Büschl-Gruppe - an sechs verschiedenen Standorten mit mehr als 350 Mitarbeitern. "Der Fokus liegt auf exzellenten urbanen Lagen in deutschen Metropolregionen", heißt es in einer Selbstdarstellung. Büschl und Bauwens haben bereits öfter zusammengearbeitet, aktuell etwa beim Holzkontor, in der Vergangenheit bei der Bebauung des Agfa-Geländes in Obergiesing.

Steckt hinter dem 50-Prozent-Verkauf seines Unternehmens eine Notlage? Brauchte Ralf Büschl Geld? Dem widerspricht er vehement. Es handele sich um einen Strategiewechsel. "Gemeinsam können wir mehr Projekte realisieren, sind noch schneller, vor allem aber verlängern wir die Wertschöpfungskette im eigenen Haus deutlich", erklärt Ralf Büschl.

Auch eine Person aus der Stadtspitze, die regelmäßig mit Büschl zu tun hat, glaubt nicht an wirtschaftliche Probleme Büschls. "Er hat seine Meinung geändert, will länger bei den Projekten dabei bleiben." Für die Stadt sei das positiv. Ständige Eigentümerwechsel durch Immobilienspekulationen erschwerten die Planung. Konstante Ansprechpartner seien besser, "weil es Qualität sichert".

Büschl selbst ergänzt: Das ständige Kaufen und Weiterverkaufen von Immobilien sei "ein gefährliches Thema für München", sagt Büschl mit Blick auf die rasanten Preissteigerungen für Wohnraum. Künftig wolle man "dauerhaft am Mietmarkt" präsent sein.

© SZ vom 04.06.2019/lfr
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