bedeckt München 23°

Bühne:Zu Gast beim Musikpoeten

Drummer, Chansonnier und jetzt wieder Gastgeber beim „Lied zum Sonntag": Stefan Noelle.

(Foto: Lena Semmelroggen)

Multitalent Stefan Noelle reaktiviert seine sonntägliche Konzertreihe: Im Live-Club "Zehner" empfängt er unter anderen Rainer Bielfeldt

Immer mehr sind Spezialisten gefragt, bösartig könnte man auch von Fachidioten sprechen. Universalkönner haben es da nicht leicht. Stefan Noelle ist so einer. Angefangen hat er als Jazz-Schlagzeuger, der vor allem das unter anderem bei Ed Thigpen erlernte Besenspiel kultivierte. So wie er später die arabischen Rahmentrommeln entdeckte, so erweiterte er auch Zug um Zug sein Repertoire um jede Art von Musik, von Brasilianischem über Country und Soul bis zu Pop und Schlager - was vor allem im Duo Unsere Lieblinge mit dem Bassisten Alex Haas zum Zuge kam, das immer noch zu besonderen Gelegenheiten spielt und Kultstatus hat, aber nie richtig den Durchbruch schaffte.

Da kam auch schon Noelles sprachliches Talent zum Vorschein, das sich vor ein paar Jahren mit dem Schritt zum Songwriter Bahn brach. Wunderbare Chansons schreibt er seitdem, mal lyrisch, mal in Richtung Musikkabarett; er hat das berühmte Liedtexter-Seminar "Celler Schule" besucht und mischt bei "Sago" mit, der von Christoph Stählin gegründeten "Akademie für Poesie und Musik". Seine so aufgebauten Netzwerke nutzt er seit ein paar Jahren auch als Gastgeber. Im siebten Jahr läuft inzwischen die monatliche Jazz-Konzertreihe "Be My Guest", bei der er unter einem saisonalen Motto mit den Cracks vor allem der hiesigen Szene spielt. Die an jedem zweiten Dienstag im Monat angesetzten, eigentlich immer ausverkauften Konzerte im kleinen Studio Ackermann - in seiner Nachbarschaft - werden seit einem Jahr am Mittwoch darauf in der Kulturbühne Spagat wiederholt.

Seine andere Seite lebte Noelle drei Jahre lang im Turmstüberl des Karl-Valentin-Musäums beim "Lied zum Sonntag" aus. Mal keine Mixed-Show und kein Slam, sondern eine Sonntagsmatinee mit einem herausragenden Vertreter oder einer herausragenden Vertreterin des deutschsprachigen Lieds. Vor einem Jahr war allerdings Schluss, weil der Kabarettist Holger Paetz wieder Lust auf seinen Monatsrückblick hatte, und der, anders als das "Lied zum Sonntag", stets ein volles Haus garantiert. Jetzt aber kann Noelle seine Reihe reaktivieren, im Zehner hinterm Sendlinger Tor, wieder sonntags, aber nicht als Matinee, sondern um 18 Uhr. "Ich habe leider keine Förderung bekommen. Dass ich es jetzt alleine durchziehe, habe ich davon abhängig gemacht, ob Rainer Bielfeldt zusagt," berichtet Noelle. Der Klavierbegleiter von Tim Fischer, Gayle Tufts oder Lyrikerinnen wie Mascha Kaléko und Julia Kock, der mit seinen sieben Solo-Alben selbst zu den profiliertesten deutschen Chansonniers gehört, sagte zu. Und wird am Sonntag sein neues Album und Programm "Zwei Leben" vorstellen und natürlich auch etwas mit Noelle zusammen spielen. Der hat auch schon das Programm fürs restliche Jahr fertig, unter anderen kommen Christin Henkel, Christiane Öttl, Roland Hefter und Matthias Reuter.

Das Lied zum Sonntag: Rainer Bielfeldt, Sonntag, 23. Februar, 18 Uhr, Zehner, Thalkirchner Straße 10

© SZ vom 21.02.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite