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Buchtipp: "Der Chauffeur":Über den Klee loben

Auch in seinem neuen Roman mischt Heinrich Steinfest vergnüglich die Genres. Er wandelt auf Detektivspuren und lenkt den Blick ins All. "Der Chauffeur" handelt von einem Mann namens Paul Klee, dessen geordnete Welt gleich mehrmals zerbricht.

Von Bernhard Blöchl

Paul Klee hatte kein Talent fürs Malen. Stattdessen sollte aus ihm ein treuer Chauffeur und stilvoller Hotelier mit der Vorliebe für russische Tennislehrerinnen werden. Zumindest jenem Paul Klee erging es so, dessen Leben Heinrich Steinfest in seinem neuen Roman wortfarbenschön ausmalt. Es ist die von mehreren Schicksalsschlägen gezeichnete Geschichte eines Mannes Mitte 40, der sich nach einem Unfall im Tunell entscheidet, statt eines fremden Kindes den von ihm chauffierten Chef zu retten (aus dem später der neue Bundeskanzler wird); eines Mannes, der das "Hotel zur kleinen Nacht" gründet und sich verliebt - bevor seine Welt erneut zerbricht. Fragen zur Schuld und zu Brüchen in der Vita prägten zuletzt auch "Die Büglerin", den jüngsten Nicht-Krimi des Österreichers, der unter anderem mit dem Bayerischen Buchpreis dekoriert ist. Steinfest schreibt in hohem Tempo, elegant mit Schlenkern, wahrlich frei. Wieder mischt er vergnüglich die Genres, wandelt auf Detektivspuren durch Deutschland und Österreich, erlaubt sich Philosophisches, Komödiantisches, auch Extraterrestrisches: Eine Sensation im Zusammenhang mit der 1957 bei der Sputnik-2-Mission für tot erklärten Weltraumhündin Laika bringt nicht nur die Statik von Klees Dasein ins Wanken. Die ganze Menschheit hat ein Problem.

Heinrich Steinfest: Der Chauffeur, erschienen bei Piper, 360 Seiten; Lesung am Freitag, 9. Oktober, 20 Uhr, bei "Dachau liest", Ludwig-Thoma-Haus, Dachau, Kartentelefon 21837300

© SZ vom 08.10.2020
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