Doppelstockbusse in München Bitte oben einsteigen!

Doppelstockbusse mit Einstiegen auf zwei Ebenen: So sehen Studenten einen attraktiven Nahverkehr.

Um Münchens Bussystem attraktiver zu machen, sollen Doppeldecker fahren und die Haltestellen entsprechend aufgestockt werden.

Von Marco Völklein

Vielleicht haben sich ja einige Fahrgäste auf der Buslinie 53 ja darüber gewundert, was die jungen Leute da draußen an der Strecke trieben. Mit Zollstock und Fotoapparat waren Sophia Mathy, 24, und Dörte Melzer, 30, losgezogen, um die Haltestellen entlang der Route zu vermessen. Bilder wurden gemacht, Skizzen gefertigt. "Am Ende", sagt Melzer, "war klar, dass unsere Haltestelle modular aufgebaut sein muss." Mal mit einer Treppe hinten, mal mit einer Wendeltreppe an der Seite. Andernfalls würden die gläsernen Wartehäuschen nicht an jeder Stelle zwischen die Häuserschluchten passen.

Mathy und Melzer gehören zu einer fünfköpfigen Studentengruppe, die sich ein neuartiges Bussystem für München ausgedacht hat. "Die Stadt wächst", erklärt Christoph Ernst, 20, die Idee. "Und wir wollten überlegen, wie sich dieses Wachstum besser abwickeln lässt." Die Gruppe, zu der auch Christian Bauer und Annette Wiedmann gehörten, hob den Bus quasi auf eine neue Ebene - daher auch der Name für das Projektergebnis: "BusUp". Ein eigenes Logo mit einem stilisierten Pfeil, der nach oben zeigt, wurde dafür auch entworfen.

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"Wir haben uns gefragt", berichtet Dörte Melzer, "warum ist der Bus für viele Menschen so unattraktiv?" Mit einem Fragebogen zogen sie los, holten Antworten ein bei Kommilitonen, bei Verwandten und Bekannten. Heraus kam, dass ein ganzes Bündel an Mängeln die Menschen davon abhält, öfter den Bus zu nutzen. "Platzmangel, Dauer der Fahrt, schlechte Orientierung an den Haltestellen" - Sophia Mathy zählt einige Punkte auf. "Für fast alle haben wir versucht, eine Lösung zu finden."

Deutlich mehr Platz wollen die Studenten zum Beispiel durch Doppelstock-Anhänger-Busse bieten. Die Fahrgäste sollen sich auf zwei Ebenen verteilen - oben gibt es viele Sitzplätze, unten dagegen vor allem Stehplätze. "Damit auch mal zwei oder drei Kinderwägen Platz finden", sagt Christoph Ernst. Oder sogar Fahrräder im Bus mitgenommen werden können. Unterm Strich, sagen die Studenten, fänden in ihrem Doppeldecker-Gespann mehr als 300 Leute Platz: 225 Steh- und 85 Sitzplätze haben sie hineinkonzipiert. Zum Vergleich: In einem Bus-Zug der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kommen nach Firmenangaben etwa 130 Fahrgäste unter.

Um die Fahrzeiten zu verkürzen, haben sich die fünf Studierenden zudem neue Bushaltestellen ausgedacht - ebenfalls doppelstöckig. Über eine Treppe gelangen die Fahrgäste in die obere Etage. Der Bus rollt an die Haltestelle heran und kommt dank moderner Sensoren an einer genau vorgegebenen Stelle zum Stehen, wie Ernst erklärt. Die oberen Bustüren öffnen nach außen und bilden so eine Art Geländer zu den Seiten hin, dazu fährt eine Rampe aus, über die die Fahrgäste ins Oberstübchen des Busses gelangen können. "Das verkürzt die Fahrgastwechselzeiten und damit die Standzeit an den Haltestellen", sagen die Studierenden. Dank der modularen Bauweise mit zwei verschiedenen Treppenanordnungen ist auch in nahezu jeder Straße Platz für die Doppelstock-Haltestellen. "Wir haben es ausgemessen", sagt Melzer und verweist auf ihren Ausflug mit Maßstab und Fotoapparat. "Es passt."

Mehr Übersicht an den Bahnhöfen

Zudem haben die Studenten ihre Haltestellen mit weiteren Funktionen ausgestattet. "Viele Leute haben uns gesagt, dass sie sich an den Haltestellen nur schwer zurechtfinden", sagt Mathy - wenn zum Beispiel von einem U-Bahnknoten aus mehrere Busse in verschiedene Richtungen abfahren. Auf ihren Doppelstockhaltestellen würde die Gruppe daher gerne oben auf dem Dach bunte, hell erleuchtete Würfel anbringen, die die jeweilige Liniennummer und die Richtung anzeigen. "So kann man schon von weitem sehen, wo welcher Bus fährt", sagt Melzer. Zudem sind die U-Bahnhöfe aufgeführt, die der Bus ansteuert. Große Glasscheiben bieten Schutz gegen Wind und Wetter, ein Bildschirm an der Seite zeigt, an welcher Haltestelle sich die einzelnen Busse gerade befinden. Außerdem stellen Farben dar, wo sich der Verkehr auf der Strecke gerade staut. "So kann man nicht nur sehen, wann der nächste Bus kommt", sagt Christoph Ernst, "sondern man erkennt auch, ob der Bus nach dem Einsteigen auch pünktlich ankommen wird."

Und was passiert nun mit diesen Ideen? Hat die MVG vielleicht schon Interesse angemeldet? "Bislang noch nicht", sagt Ernst. Aber ihre Professoren und Betreuer an der Uni hätten ihnen geraten, doch mal Kontakt aufzunehmen mit großen Herstellern wie MAN oder Mercedes-Benz. Denn nicht wenige hätten gesagt: "Da sind sehr gute Ansätze dabei."