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Bauboom in Allach/Untermenzing:Der nächste dicke Brocken

Wo sich heute noch Hallen auf dem Kirschgelände erstrecken, soll ein neues Wohngebiet entstehen. Im Norden schließt es an den Oertelplatz (weißer Teil) an. Jenseits der Bahnlinie rechts oben ist Krauss-Maffei zu sehen.

(Foto: Google Earth)

Bis zu 1200 Wohnungen sollen auf dem Kirschgelände entstehen, wofür die Stadt gerade den Eckdatenbeschluss vorbereitet. Besorgnis erregen die bisherigen Planungen beim Bezirksausschuss hauptsächlich in puncto Verkehrserschließung und Lärmschutz

Auf den Stadtbezirk kommt das nächste und bis dato größte Baugebiet zu. Bis zu 1200 Wohnungen sollen in den nächsten Jahren auf dem heutigen Gewerbe- und Mischgebiet Kirschgelände errichtet werden. Dazu sollen fünf Kindertagesstätten mit jeweils drei Krippen- und Kindergarten-Gruppen, eine dreizügige Grundschule mit einer Sporthalle und Grün entstehen. Das sieht der Eckdatenbeschluss für die Aufstellungs eines Bebauungsplans vor, den Cornelia Halswick und Sabine Steger vom Planungsreferat dem Bezirksausschuss jetzt vorgestellt haben.

Maximal vier Geschosse entlang der eher kleinteiligen Nachbarschaft an der Kirschstraße und Allacher Straße im Westen und Süden, lärmabschirmende vier bis fünf entlang der Bahn im Osten und im mittleren Bereich den einen oder anderen Hochpunkt mit bis zu sieben Geschossen hält das Planungsreferat für denkbar. Dabei handelt es sich aber noch um eine schematische Darstellung, wie die beiden Planerinnen ein ums andere Mal betonten.

Das zulässige Baurecht nach dem alten Bebauungsplan von 1972, den die Stadt im Einvernehmen mit den Eigentümern, der ALLPG Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG der Büschl- und der Eckpfeiler-Gruppe, jetzt durch den neuen ersetzen will, ist gerade mal zur Hälfte ausgeschöpft. Möglich wären dort zehn Meter hohe Hallen und "Hochpunkte" bis 27 Meter, was bis zu neun Geschossen entspreche, sagte Halswick. Von der Umwandlung in ein allgemeines Wohngebiet versprechen sich Planer und Lokalpolitiker auch eine Entlastung der umliegenden Wohnstraßen vom Schwerlastverkehr.

Als Erschließung halten die Planerinnen die durch das zwölf Hektar große Gelände führende Elly-Stegmeyr-Straße für ausreichend. Sie knüpft im Süden an die Allacher Straße und im Norden an die Esmarchstraße. Etwa 300 Meter sind es zum S-Bahnhof Allach, etwa 600 zur S-Bahn Untermenzing. Zudem wolle die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) eine Buslinie durch das Gebiet schaffen. Versorgen sollen sich die Bewohner in den nahe gelegenen Einkaufsmärkten am Oertelplatz. Laut Jonas Wurtz von der Verkehrsplanung gibt es derzeit 4600 Fahrten pro Tag, darunter zirka 600 von Schwerlastverkehr. Mit der Wohnbebauung wären es 4000 am Tag, darunter 200 Lkw-Fahrten. Auf Nachfrage, ob dabei auch die anderen Neubaugebiete sowie die Taktveränderung durch die zweite Stammstrecke einbezogen seien, erklärte Wurtz, die Prognosen reichten bis 2030.

Laut Wolfgang Bogner, Geschäftsführer der Eckpfeiler-Gruppe, hätten sich die ansässigen Betriebe auf den Standortwechsel bereits eingestellt.

Doch die Verkehrserschließung und eine Buslinie hält das Gremium für alles andere als überzeugend. Es laufe doch wieder alles über die Eversbuschstraße, die Ludwigsfelder Straße, die Von-Kahr-Straße oder die kleine Unterführung an der Allacher Straße, wandte Victor Agerer (CSU) ein. "Da habe ich lieber noch den Lkw-Verkehr." Grünen-Sprecher Falk Lamkewitz schloss sich dem an. Es fehlten Sammelstraßen, im Osten gebe es überhaupt keine, und man habe jetzt schon Probleme an der Allacher Straße, sagte er. Es würden zwar Kitas gebaut, doch leide der Stadtbezirk an einem eklatanten Mangel an Hortplätzen. Zudem dürfe an der Bahn nicht lärmabweisend, sondern müsse lärmabsorbierend gebaut werden, sonst bekomme der Osten den doppelten Lärm ab.

Friedrich Schneller (SPD) forderte einen weitreichenden Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs mit längeren S-Bahnzügen, dichteren Takten, einem Quartiersbus von und zur S-Bahn sowie eine eigene Röhre für Radler für die kleine Unterführung an der Allacher Straße. "Wir brauchen einen attraktiven ÖPNV, sonst bricht alles zusammen." Und das müsse alles rechtzeitig bei Bahn und MVG angekurbelt werden. Stefanie Martin (CSU), Vorsitzende des Unterausschusses Planung und Bau, ging noch einen Schritt weiter: "Wir brauchen ein Verkehrskonzept für den gesamten Stadtbezirk, und zwar sofort, und nicht immer nur stückweise", sagte sie. Auch eine U-Bahnanbindung dürfe nicht ausgeschlossen werden.

Bernhard Freitag (CSU) bat um eine qualitative Bebauung. Statt gleichförmige rechteckige Baukörper aneinanderzureihen, sollte Wert auf einen Grundriss mit eigenen Akzenten und eigener Charakteristik gelegt werden, das Neubaugebiet ein eigenes Gesicht erhalten und sich als Alleinstellungsmerkmal abheben. Als positive Beispiele nannte er die Hufeisensiedlung Britz in Berlin und den Medienpark Köln. Steger sagte zu, dies im Auslobungstext explizit einfließen zu lassen. Was Schallschutz und Lärmabsorption angehe, untersuche die Stadt mithilfe von Schallschutzgutachtern alles ganz genau, schon um Schadenersatzansprüche zu vermeiden.

Mit dem Eckdatenbeschluss, über den der Planungsausschuss noch zu entscheiden hat, sollen die Grundlagen für einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerb festgelegt werden. Alle Beiträge wie zum ÖPNV werden in die BA-Stellungnahme eingehen. Die CSU-Stadträtin und BA-Vorsitzende Heike Kainz mahnte, schon jetzt vieles davon anzuschieben, auch wenn die Planung noch Jahre dauere.