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Bauarbeiten in München:Brücke mit Aussicht

Geplante Erleichterung für Fußgänger und Radfahrer: ein Steg über das Gleisfeld nahe der Donnersbergerbrücke

(Foto: Simulation: Baureferat)

Der Umbau des S-Bahnhofs Donnersbergerbrücke ist fast abgeschlossen, da naht schon die nächste Großbaustelle: Für Fußgänger und Radler soll ein neuer Steg über das Gleisfeld vor dem Hauptbahnhof entstehen. Das Projekt ist extrem aufwendig - und teuer.

Von Marco Völklein

Der Komplettumbau des S-Bahnhofs an der Donnersbergerbrücke ist fast abgeschlossen - da kündigt sich schon die nächste Großbaustelle in unmittelbarer Nähe an. Die Stadt will bis Ende 2017 für fast 18 Millionen Euro einen Fußgänger- und Radfahrersteg über das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs ziehen - und so den Arnulfpark mit den Bürogebäuden an der Landsberger Straße verbinden. An diesem Dienstag soll der Stadtrat den Startschuss geben für das Bauwerk.

Die Brücke soll die mehr als 30 Gleise umfassende Bahntrasse zwischen der Erika-Mann-Straße im Norden und der Philipp-Loewenfeld-Straße im Süden überspannen. Gedacht ist sie zum einen als zusätzliche Verbindung für Radler und Fußgänger, damit diese die von Autos stark frequentierten Übergänge Donnersbergerbrücke und Hackerbrücke meiden können. Zum anderen hatte die Stadt den Investoren nördlich und südlich der Gleise zugesagt, Bewohnern und Mitarbeitern einen direkten Zugang zu S-Bahn und Bayerischer Oberlandbahn (BOB) zu ermöglichen. Diesen soll die Brücke bieten: mit Treppen direkt auf die Bahnsteige am Haltepunkt Donnersbergerbrücke.

"Sperrpausen" für 2016

Das Bauwerk stellt die Planer allerdings vor einige Schwierigkeiten: So muss die Stadt sicherstellen, dass sowohl beim Bau wie auch später bei der Wartung der Brücke der Bahnbetrieb darunter weitgehend ungestört laufen kann. Gleissperrungen über längere Zeit, nur um zum Beispiel verschlissene Bauteile auszutauschen, würde die Bahn kaum akzeptieren. Und auch für den Bau mussten die Planer bereits im September 2013 bei der Bahn sogenannte "Sperrpausen" für 2016 beantragen. Vermutlich über mehrere Wochen wird die Bahn dann Teile des Gleisvorfelds für den Zugverkehr sperren, damit Arbeiter unter anderem die Brückenpfeiler betonieren und Oberleitungen umhängen können. Wie lange die Sperrungen genau andauern und welche Auswirkungen sie auf die Fahrgäste haben werden, ist noch unklar.

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Klar ist aber: Das Ganze ist nicht nur extrem aufwendig, sondern auch teuer. So haben die Planer des Baureferats allein für die Absicherung der Arbeiter, die Planung der Sperrungen und die Eingriffe in den Bahnbetrieb drei Millionen Euro ins Gesamtbudget einkalkuliert. Zudem warnen sie: Änderungen der Sperrpausenplanung könnten zusätzliche Kosten verursachen. "Belastbare Aussagen", so Baureferentin Rosemarie Hingerl, seien daher "nur begrenzt möglich und risikobehaftet". Dennoch will sie sich das Projekt möglichst rasch genehmigen lassen, um die aufwendige Bauplanung vorantreiben zu können.

Fertigstellung ist für Ende 2017 geplant

Ohnehin wird es noch einige Zeit dauern, bis die Arbeiter loslegen. Die Arbeiten für die 240 Meter lange und fünf bis sechs Meter breite Stahlbrücke sollen im Januar 2016 beginnen. Die Fertigstellung ist für Ende 2017 geplant. In die Brücke sollen 3,50 Meter hohe Glasscheiben eingesetzt werden. Diese sollen verhindern, dass die Nutzer bei starkem Wind von der Brücke geweht werden. Zudem sorgen die hohen Wände dafür, dass die Menschen auf der Brücke vor den Starkstrom führenden Oberleitungen der Bahn geschützt sind. Durch die Glasscheiben hindurch werde man den Münchnern künftig "weite Blicke zum Hauptbahnhof beziehungsweise zur Innenstadt mit ihren Türmen ermöglichen", heißt es aus dem Baureferat.

Am nördlichen Ende der Brücke sollen die Radler und Fußgänger von der Erika-Mann-Straße über eine Art Spirale auf das Bauwerk hinauf gelangen; im Süden ist eine lange, geschwungene Rampe hinab zur Philipp-Loewenfeld-Straße geplant. Rampe und Spirale sorgen dafür, dass neben Radfahrern auch Menschen mit Gehbehinderung oder Eltern mit Kinderwagen die Brücke nutzen können. Zudem wird es Aufzüge geben. Ein barrierefreier Zugang von der Brücke zu den Bahnsteigen ist aber nicht vorgesehen - dafür sind laut Hingerl die Bahnsteige zu schmal. Rollstuhlfahrer oder Leute mit Rollatoren, die zur Bahn wollen, müssen also auch künftig den Zugang am Westkopf des Bahnhofs nutzen.

© SZ vom 09.12.2014/lime

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