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Backstage:Die Zeit läuft ab

Die Fronten sind verhärtet: Eigentlich müsste das Backstage bis Jahresende das Gelände an der Friedenheimer Brücke räumen. Doch dann kam das Angebot, bis Mitte 2013 zu bleiben. Betreiber Stocker lehnt den Aufschub jedoch ab.

Droht dem "Backstage" tatsächlich zum Jahresende die Schließung? Besucher und Fans des beliebten Veranstaltungszentrums an der Friedenheimer Brücke zeichnen in diesen Tagen ein düsteres Untergangsszenario. In der Tat haben sich die Fronten bei den Verhandlungen um Vertragsverlängerungen verhärtet. Ein Angebot der Grundstücksbesitzerin Aurelis, das noch einmal anderthalb Jahre Aufschub gewährt, hat Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker jetzt abgelehnt, mit der Begründung, es setze ihn viel zu stark unter Zeitdruck.

Backstage in München, 2010

Streit ums Backstage: Betreiber Stocker möchte, dass alle Bühnen bis Ende 2014 bespielt werden können.

(Foto: Robert Haas)

Eigentlich muss das Backstage bis Jahresende einen Teil des Geländes räumen, das ist seit langem klar. Etwa die Hälfte des Geländes hat Stocker vergangenes Jahr der Aurelis abgekauft. Dort will er ein neues Backstage bauen und sämtliche Musikbühnen in den Untergrund verlagern. Doch den Vertretern der Aurelis, die ihrem Empfinden nach dem Backstage immer wieder entgegen gekommen sind, ist offenbar der Geduldsfaden gerissen. Sie wollen ihre Flächen endlich zurückhaben. Das Grundstück, auf dem sich der Backstage-Parkplatz befindet, will die Aurelis vermarkten. Der Stadt gegenüber ist sie zudem vertraglich verpflichtet, eine Grünfläche anzulegen, auf jenem Grund, auf dem größtenteils das "Werk", die größte Konzerthalle, steht.

Ende November hat der Immobilienvermarkter angeboten, das Backstage-Werk könne bis Mitte 2013 betrieben werden, die kleinere Halle und der Club bis Mitte 2014. Der Parkplatz und ein weiterer Geländestreifen an der Reitknechtstraße müssten aber bereits Mitte nächsten Jahres geräumt werden.

Unter den vorgegebenen Bedingungen sind die Weiterführung des Betriebs und der Neubau nicht möglich", hält Stocker dagegen. Den Verdienstausfall durch Schließung und Abriss des Werks könne sich das Backstage nicht leisten. Potentielle Investoren - Stocker rechnet mit etwa acht Millionen Euro für den Neubau - würden dadurch vergrault. Der Gegenvorschlag von Stocker und seinem Unterstützerkreis sieht - vereinfacht - so aus: Alle auslaufenden Mietvertrage werden bis Ende 2014 verlängert, das Werk kann bis dahin in vollem Umfang bespielt werden.

Ob noch eine Annäherung zwischen den beiden Positionen möglich ist, wird sich am Dienstag bei einem Treffen von Vertretern des Backstage, der Aurelis und der Stadt zeigen. Bislang haben Aurelis ebenso wie das Planungs- und das Kulturreferat immer wieder betont, das Backstage solle unbedingt erhalten bleiben, und zwar am Standort Reitknechtstraße.

Backstage erhalten" nennt sich denn auch eine unlängst gegründete Initiative, deren Sprecher Leonhard Agerer von der Jungen Union Neuhausen und Nima Lirawi von den Neuhauser Jusos sind. Per Facebook werben sie um Unterstützung. Mehr als 2100 Menschen haben bisher den "Gefällt mir"-Button geklickt. Auch Nikolaus Hoenning, der Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen werden will, klinkt sich immer wieder in die Facebook-Debatte ein - nicht ganz selbstlos.

Er ist mit seiner Eltern-Kind-Initiative "Hirschgartenzwerge" in einem Büroraum im Backstage untergeschlüpft und sieht die Zukunft dieser privaten Kinderkrippe bedroht. Für Samstagnacht hatte der Unterstützerkreis zu einem Flashmob im Backstage aufgerufen. Den ersten 500 Besuchern dieser Solidaritätsaktion war Freibier und freier Eintritt versprochen.

© SZ vom 05.12.2011/bica
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