Ausstellung München soll Olympiamuseum in 150 Metern Höhe bekommen

Der sogenannte Postkorb des Olympiaturms hängt unter dem Drehrestaurant. Hier soll das Olympiamuseum entstehen; bislang ist dieser Bereich nicht öffentlich zugänglich.

(Foto: Florian Peljak)
  • Seit vielen Jahren wird die Idee eines Museums diskutiert, das an die Olympischen Spiele von 1972 erinnert.
  • Nun gibt es einen Plan, die Schau in luftiger Höhe unterzubringen: im sogenannten Postkorb des Olympiaturms.
  • Der wird in den kommenden Jahren saniert - darum müsste mit den Planungen eines Museum bald begonnen werden.
Von Dominik Hutter

Das seit langem diskutierte Olympiamuseum soll einen Standort weit oben bekommen: im sogenannten Postkorb des Olympiaturms, etwa 150 Meter über Park und See. Falls die Vollversammlung des Stadtrats am Mittwoch den bereits vom Aufsichtsrat der Olympiapark-Gesellschaft abgesegneten Plänen zustimmt, wird zunächst für 30 000 Euro eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Die Zeit drängt: Denn die für die Olympiabauten zuständigen Stadtwerke planen derzeit die Sanierung des 291 Meter hohen Turms - da müsste bei Brandschutz, Gebäudesicherheit und Haustechnik ein eventuelles Museum gleich mitberücksichtigt werden. Gebaut wird allerdings erst von 2024 an.

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Ein Museum für die Olympischen Sommerspiele von 1972 steht seit langem auf der Wunschliste zahlreicher Stadträte und vor allem auch von Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Ursprünglich war vorgesehen, die Schau in den Katakomben des Olympiastadions unterzubringen. Diese Idee hat sich jedoch zerschlagen, da die Räume nicht barrierefrei sind.

"Das Konzept steht noch ganz am Anfang", berichtet Olympiapark-Sprecher Tobias Kohler. Bislang stünden nur die Eckpfeiler fest. Demnach soll es neben den sportlichen Ereignissen jenes Sommers auch um die spektakulären Bauten des Olympiaparks und die Bedeutung der Spiele für ganz Deutschland gehen. München 1972 verstand sich schon von der Architektur her, aber auch wegen seines betont offenen Charakters ganz bewusst als Gegenmodell zu den Berliner Spielen des Jahres 1936.

Zusätzlich soll der Einfluss von Olympia auf die Münchner Stadtgeschichte beleuchtet werden. Für das Sportereignis wurde der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs um Jahre vorgezogen, das Datum gilt bis heute als bedeutende Zäsur der Stadtentwicklung. Thematisiert werden soll auch das Attentat auf die Mannschaft des Staates Israel. Unabhängig davon läuft bereits die Realisierung eines vom Freistaat konzipierten Gedenkorts in Sichtweite der einstigen Sportler-Unterkunft an der Connollystraße 31.

Nur noch zwei Techniketagen werden gebraucht

Zum Münchner Olympiapark gehört aber auch die Zeit nach den Spielen: früher die Ära der Bundesliga im Olympiastadion oder heute die vielen Konzerte unter freiem Himmel wie auch in der Olympiahalle. Dieser Phase soll ebenfalls ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Das Rockmuseum Munich, das bereits Räume im Olympiaturm belegt (allerdings ein paar Etagen höher), hat Interesse an einer Kooperation signalisiert.

Das Olympiamuseum soll nicht auf der Höhe von Drehrestaurant und Aussichtsplattformen unterkommen, sondern in der direkt darunter liegenden Verbreiterung des Turmschafts. Dort befinden sich in einem zweiten Betonkorb vier Techniketagen für die Ausstrahlung von Radio- und TV-Programmen, die spätestens seit der Inbetriebnahme der neuen Antenne an der Turmspitze in dieser Größe nicht mehr benötigt werden. "Da stehen ein paar Verteilerschränke drin", berichtet Kohler - die heutige Technik komme mit nur zwei Etagen aus.

Es sei kein Zufall, dass an den umlaufenden Außensimsen längst nicht mehr so viele Funkschüsseln montiert sind wie noch in den Siebziger- oder Achtzigerjahren. Die Deutsche Funkturm GmbH, die zur Telekom gehört, hat laut der Stadtrats-Beschlussvorlage bereits ihr Einverständnis erklärt, zwei Etagen abzugeben. Das Vorgängerunternehmen, die Deutsche Bundespost, hatte 1968 vom damals neu eröffneten Turm aus den Sendebetrieb aufgenommen. Der Betongigant stand bereits, als die Olympiaanlagen noch im Bau waren. Er ist neben dem Eisstadion das zweite vorolympische Gebäude auf dem früheren Oberwiesenfeld.

Das Museum könnte mehrere Standorte haben

Auf den beiden Etagen stehen etwa 250 Quadratmeter zur Verfügung. Für das geplante Olympiamuseum ist das eigentlich zu wenig. Beim Olympiapark wird deshalb überlegt, die Schau auf mehrere (aber nicht zu viele) Standorte zu verteilen. Denkbar wäre etwa eine Infostelle unter dem vor sich hin gammelnden Dach des früheren Busbahnhofs Olympiazentrum, der seit der Verlängerung der U-Bahn in den Münchner Norden nicht mehr benötigt wird. Bei der Schau im Turm legt Bürgermeister Josef Schmid Wert darauf, dass keine Zusatzkosten für die Turmauffahrt anfallen.

Das Museum soll gleichzeitig mit den anstehenden Sanierungsarbeiten des Turms eingerichtet werden. Vor allem der Brandschutz und diverse technische Anlagen sind in die Jahre gekommen. Die Aufzüge sollen ebenso auf den neuen Stand gebracht werden wie die Küche des Restaurants. Dazu kommen Ausbesserungen an der Betonkonstruktion.

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