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Aubing/Fürstenfeldbruck:Protest am Bahnsteig

An einem Aktionstag für den Ausbau der S 4 erneuern Demonstranten ihre Forderung nach einer viergleisigen Strecke. Schon jetzt lassen Takt und Pünktlichkeit zu wünschen übrig - ist das Neubaugebiet Freiham erst einmal bezogen, wird es noch schlimmer werden

Um der Forderung nach einem viergleisigen Ausbau der S4-Strecke Nachdruck zu verleihen, hat das überparteiliche Bündnis "S 4-Ausbau jetzt" am Samstag einen "Aktionstag " veranstaltet. Das Sprecherteam des Bündnisses fuhr von 9 Uhr an mit der S-Bahn von Geltendorf nach Aubing, mit Stopp an jeder Station. Dort versammelten sich Gruppen, die den Protest unterstützten. Angesichts des strömenden Regens zeigte sich das Bündnis sehr zufrieden mit dem Zuspruch für seine Aktion: "Für das Wetter ist es super", sagte Mirko Pötzsch (SPD), Sprecher des Bündnisses und Verkehrsreferent im Stadtrat von Fürstenfeldbruck, beim Stopp in der Buchenau.

Dagmar Mosch von den Pasing-Aubinger Grünen (Mitte), flankiert vom Landtagsabgeordneten Hep Monatzeder (li.) und Stadtrat Johann Sauerer.

(Foto: Robert Haas)

"Wir haben gar nichts gegen einen dreigleisigen Ausbau, aber der muss so gestaltet werden, dass man das vierte Gleis noch daneben legen kann", forderte Pötzsch. Eine Erweiterung um ein Gleis zwischen den Stationen Leienfelsstraße und Eichenau sieht er erst einmal als Verbesserung. Doch die aktuellen Pläne der Staatsregierung sähen vor, den Ausbau so zu gestalten, dass eine Erweiterung auf vier Gleise bis auf Weiteres nicht möglich sei. "Viergleisig planen, dreigleisig bauen", lautet deshalb das Anliegen von Pötzsch. Mit drei Gleisen sei alles "auf Kante genäht", da die Region und damit das Fahrgastaufkommen weiter wachsen.

S4-Tag

Der Protest fand trotz strömendem Regen statt.

(Foto: Günther Reger)

Mit dem Protest wollen die S 4-Streiter weiterhin Druck auf Regierung und Landtag machen, um den in ihren Augen nötigen Ausbau zu bekommen. Ein positives Zeichen ist in diesem Zusammenhang die Ankündigung des bayerischen Verkehrsministers Hans Reichhart (CSU), einen viergleisigen Ausbau der Strecke prüfen zu lassen. Das Thema Barrierefreiheit sei dem Bündnis genauso wichtig wie die Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs und der Umweltschutz, stehe aber an diesem Tag nicht im Zentrum, sagte Pötzsch. Dennoch kam er nicht umhin, "viele Kleinigkeiten" am momentanen Umbau des Buchenauer Bahnhofs zu bemängeln: schlecht gesetzte Dächer, zu viele Geländer und weiterhin viele Stufen.

Nicht nur die schlechte S-Bahnverbindung ärgert die Aubinger, sondern auch der Zustand ihres Bahnhofs.

(Foto: Robert Haas)

An der Station Buchenau traf sich das Aktionsbündnis mit einigen Politikern und Interessierten zu einer offenen Diskussion. Fürstenfeldbrucks Zweiter Bürgermeister Christian Götz (BBV) betonte: "Mit einem besseren Takt gewinnt die Stadt viel." Er pendle selbst oft nach München, weshalb er die Situation bei der S 4 kenne und davon "oft angekäst" sei. Dadurch, dass die Schweiz den Zugverkehr nach München ausbauen möchte, komme man um das vierte Gleis nicht herum, fand Götz. Außerdem kritisierte er den Landrat, der sich bei diesem Thema nicht einbringe. Grünen-Stadtrat Jan Halbauer pflichtete ihm bei: "Der Landrat duckt sich beim S 4-Ausbau weg." Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) lobte den Einsatz des Bündnisses und machte auf den Klimaschutz aufmerksam, auf der weiteren Strecke wurden ihre Kollegen Hep Monatzeder (Grüne) und Hans Friedl (FW) erwartet, der Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi (SPD) sagte Pötzsch kurzfristig ab.

Auch Dagmar Mosch von den Pasinger Grünen, Mitglied des Aubinger Bezirksausschusses, protestierte mit. "Der Bahnhof Aubing ist übervoll", sagte sie. Durch das Neubaugebiet Freiham mit vermutlich mehr als 35 000 Bewohnern sei keine Besserung zu erwarten. "Die Stadt wirbt damit, wie gut angebunden man in Freiham sei", sagt sie, doch die bisherigen Kapazitäten seien jetzt schon am Limit. Außerdem würde durch die zweite Stammstrecke ein Problem hinzukommen: Während der Stoßzeiten habe man dank Taktverstärkern fünf Züge pro Stunde, diese würden jedoch wegfallen, so dass man nur vier Züge im neuen Takt von 15 Minuten habe.

Außerdem übertrage sich jede Verspätung der Linie auf die inneren Stationen, erklärte Andreas Barth, Münchner Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. Regional- und Fernzüge fahren auf den gleichen Gleisen wie die S-Bahn, die dadurch häufig warten müsse. Nur wenn die S-Bahn zwei eigene Gleise bekomme und dadurch unabhängig werde, könne man das ganze Netz pünktlicher machen. Dennoch hofft Barth: "Das Glas war schon fast zerbrochen, aber jetzt ist es wieder halb voll."