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Au:"Wir werden Sie nicht zwangsbeglücken"

Spielplätze in München

Soll keine Funsport-Arena werden: der Kronepark in der Au, der schon jetzt eine wichtige Naherholungszone ist. Dort fühlen sich alle Altersgruppen wohl, nicht nur Kinder auf dem Spielplatz.

(Foto: Corinna Guthknecht)

Das Baureferat will den Kronepark auf der Grundlage einer gartendenkmalpflegerischen Studie nur behutsam aufwerten

Die Stadt lenkt beim Kronepark ein. Sie will nun "dem Kronepark und seiner hohen freiräumlichen Qualität gerecht werden". Zudem sei ein "behutsamer Umgang mit dem Bestand sicher zu stellen", verspricht das Baureferat. Dafür sei eine "gartendenkmalpflegerische Untersuchung veranlasst", die Basis für das weitere Planungskonzept sein werde. Bis Ende des Jahres soll die Analyse fertig sein. Die Stadtverwaltung reagiert damit auf die Wünsche von Bürgern, die sich bei einer Einwohnerversammlung im März mit der Aufwertung des Parks beschäftigt haben.

Für die Verschönerung der historischen Parkanlage - von 1870 an als Privatpark von Karl Effner angelegt, erst seit 1958 im städtischen Eigentum - stehen etwa zwei Millionen Euro von der Bayerischen Hausbau bereit. Weil die Hausbau bei der Entwicklung des ehemaligen Paulaner-Geländes in der Au nicht ausreichend Grün- und Erholungsflächen auf ihrem eigenen Baugebiet schafft, bezahlt sie in Absprache mit Planungs- und Baureferat zehn sogenannte Kompensationsmaßnahmen in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Brauereigeländes. Davon ist der Kronepark mit dem größten Budget und der höchsten Priorität versehen. Deswegen befürchteten Anwohner, die den Park für seine Ruhe und Naturbelassenheit schätzen, dass ihr Idyll einer Arena für Freizeitsport weichen könnte, die weit über Stadtteilgrenzen hinaus Münchner anziehen könnte.

Dem folgenschwersten Wunsch der Bürger kam die Stadtverwaltung allerdings nicht nach. Die Einwohnerversammlung hatte gefordert, die im städtebaulichen Vertrag festgeschriebenen Kompensationszahlungen schlicht nicht anzunehmen. Dieses "Freikaufen" empfanden Anwohner als "skandalös". Stattdessen sollte die Bayerische Hausbau, hinter der die Schörghuber-Unternehmensgruppe steht, die erforderlichen Grünflächen, insbesondere für Jugendliche, nachträglich noch auf ihrem Grundstück unterbringen. Das Planungsreferat verweist auf die "Freiflächen in den Höfen, gemeinschaftlich nutzbare Dachflächen und öffentliche Grünflächen als zentrales Element". Zudem seien die Kompensationen "erforderlich" und stellten ein "wichtiges Instrument" dar, die Quartiere "sensibel und situationsgerecht weiter zu entwickeln".

Bei anderen Forderungen zeigt sich die Verwaltung aufgeschlossener. So sagt das Baureferat zu, die Treppe beim Café Crönlein, die von der Straße "Am Nockherberg" in den Kronepark führt, künftig im Winter zu räumen. Auch eine öffentliche Toilette ist zumindest nicht kategorisch abgelehnt worden. Das Baureferat überprüfe derzeit ohnehin die Kriterien für WCs in Parks. Noch im Laufe dieses Jahres soll sich der Stadtrat mit einer entsprechenden Vorlage befassen.

Vor allem die Zusage, sich eingehend mit den "historischen und ökologischen Strukturen" des Kroneparks zu beschäftigen, bevor man aufwertet, entspricht dem Wunsch der Bürger und des Bezirksausschusses nach einem sogenannten Parkpflegewerk. Neben der Analyse und Bewertung sollen auch "eine Nutzungsanalyse erstellt sowie Erhaltungs- und Entwicklungsziele formuliert" werden. Ziel dieser Entwicklung soll nun sein, "die Anlage in ihrer Qualität und Einzigartigkeit sichtbar zu machen, zu erhalten und weiter zu entwickeln". Dabei berücksichtige das Baureferat auch "naturschutzfachliche Belange und stadtökologische Anforderungen". Dieses Ergebnis fließe in das Planungskonzept ein, das "unter Einbeziehung der Öffentlichkeit" erarbeitet werde.

Die Versammlung im März zeigte auch, wie emotional der Bezirksausschuss Au-Haidhausen die Zukunft des Kroneparks betrachtet. Die Ankündigung der Verwaltung, dass der Kronepark bei den Kompensationsmaßnahmen "vorne an" stehe - ein Verweis auf die Prioritätenliste des Referats - löste bei einzelnen Stadtviertelpolitikern kurz Skepsis aus. Habe die Verwaltung doch nicht auf die Bürger gehört? Sei es ihnen "schnuppe", was die Bürger wollen? Vieles deutet allerdings darauf hin, dass es Wolfgang Mesenich von der Abteilung Gartenbau im Baureferat ernst meinte, als er den besorgten Bürgern damals zusicherte: "Wir werden Sie beim Kronepark nicht zwangsbeglücken."