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Au:Einblick ins Gefängnis gefordert

Stadtteilpolitiker wollen die Unterlagen zum Umbau der Frauen-Justizvollzugsanstalt in eine Wohnanlage sehen

Dass das ehemalige Frauengefängnis Am Neudeck in ein repräsentatives Appartment-Haus umgewandelt wird, stößt bei den Stadtteilpolitikern auf Kritik und Skepsis. Einerseits hätte der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen dort lieber ein soziales Konzept verwirklicht gesehen, darunter eine weitere Kindertagesstätte für das in dieser Hinsicht chronisch unterversorgte Stadtviertel. Andererseits bezweifeln sie, dass die anstehenden Baumaßnahmen mit dem Denkmalschutz vereinbar sind. "Gerade die denkmalschutzgemäßen Einschränkungen hätten eigentlich dazu führen müssen, dass eine sozialere Nachnutzung des Gebäudes anstelle einer Umwandlung in Luxuswohnungen erfolgt", heißt in der Begründung eines einstimmig verabschiedeten interfraktionellen Antrags.

Die Immobilien-Firma Legat Living plant in der einstigen Justizvollzugsanstalt am Auer Mühlbach insgesamt 124 Appartments zwischen 23 und 50 Quadratmetern. Im Dachgeschoss sollen darüber hinaus vier geräumige Wohnungen entstehen. Die Umbauten werden voraussichtlich im Jahr 2020 abgeschlossen. Momentan läuft bereits die Voranmeldung für das "Haus Mühlbach", wenngleich die Preise für die Wohnungen und Appartments noch nicht feststehen. Das Motto "Exklusivität als Prinzip", mit dem sich das Unternehmen auf der Homepage beschreibt, deutet jedoch darauf hin, dass die vom BA befürchteten "Luxuswohnungen" Realität werden.

In der Vergangenheit hatten die BA-Mitglieder mehrere Vorschläge zur Weiternutzung des seit 2009 leer stehenden Gebäudes gemacht. Unter anderem sprachen sie sich für "preiswerte Miniwohnungen" aus, die an Studenten vermietet werden sollten. Auch eine Zwischennutzung als Unterkunft für Flüchtlinge regten sie an. Beide Vorschläge blieben erfolglos. Nun ist den BA-Mitgliedern "unklar, wie sich der Umbau in Luxuswohnungen mit dem Charakter des denkmalgeschützten ehemaligen Frauengefängnisses vereinbaren lässt". Daher fordern sie von der Stadtverwaltung das "abzunehmende Instandsetzungskonzept" sowie die "abzustimmende Werk- und Detailplanung des Bauherrn bezüglich Fenster, Gauben und Gaubenfenster" an, um diese zu prüfen. Zudem erhoffen sie sich Antwort vom Planungsreferat, wie sichergestellt wird, dass wegen des Denkmalschutzes ein Großteil der Grundstruktur im Inneren erhalten bleiben soll - trotz der Auflösung der Zellen.